Montag, 31. August 2026

Leserfrage: "Wie siehst du aktuell die Deutsche Rohstoff AG? Könnte nach den H2 Zahlen die Stimmung kippen?"

Zur Deutschen Rohstoff AG erreichte mich eine Leserfrage von Dirk: "Wie siehst du aktuell die Deutsche Rohstoff AG? Wenn man in Foren mitliest, könnte man meinen, dass nach den H2 Zahlen die Stimmung kippt. In meinen Augen wird es jetzt erst interessant... Oder sehe ich das falsch?"

Eine gute Frage, denn die Experten sind sich maximal uneinig darüber, ob wir demnächst eine Öl-Schwemme erleben aufgrund deutlich erhöhter Produktion im Nahen Osten oder eher eine Ölpreisexplosion aufgrund einer Öl-Mangellage angesichts der historisch niedrigen Stände der strategischen Öl-Reserven in vielen Ländern, insbesondere den USA, und weiterhin gestörter Lieferketten in der Straße von Hormus, dem Suez-Kanal und der anhaltenden Ausschaltung russischer Öl-Anlagen durch die Ukraine.

Doch bei der Deutschen Rohstoff AG kommen noch ein paar weitere Faktoren hinzu, die über Preis und Menge hinausgehen - und auf das Geschäftsjahr 2027 einen nicht unerheblichen Einfluss haben dürften...


Meine Antwort an Dirk
Die Deutsche Rohstoff AG fährt ihr Bohrprogramm hoch und wird daher im zweiten Halbjahr und damit auch im Gesamtjahr 2026 sehr viel mehr Öl und Gas fördern, als in 2025. Damals lag der durchschnittliche ÖL-Preis (WTI) bei 65 Dollar nach 75 Dollar in 2024. Für 2026 ist ja wieder von 75 Dollar auszugehen, also prallen Mengen- und Preiswachstum aufeinander. Damit dürfte 2026 ein sehr erfreuliches Jahr werden.

Für 2027 ist die Preisentwicklung nicht wirklich absehbar. Die Produktionsmengen sollten ggü. 2025 weiterhin deutlich höher liegen, auch wenn beim Fracking ja die stärkste Produktion in den ersten beiden Jahren erfolgt und sich die Mengenkurve dann deutlich abflacht.

Das Nettoergebnis wird in 2027 auf jeden Fall deutlich niedriger ausfallen als in 2026, weil im laufenden Jahr ja zwei Teilverkäufe von Almonty-Aktien stattgefunden haben, die hohe Gewinne erzeugten. Diese Gewinne sind Einmaleffekte und entfallen für 2027 dem entsprechend. Also sollte man lieber das operative Ergebnis betrachten (Ähnliches haben wir auch schon 2021 und 2022 gesehen, weil die DRAG während des Corona-Crashs für viele Millionen Dollar Aktien von ausgebombten US-Energiekonzernen gekauft und später dann in mehreren Tranchen mit viel Gewinn wieder verkauft hat).

Vor diesem "Gewinneinbruch" in 2027 muss man also keine Angst haben, der ist ganz natürlich. Allerdings wird bei allen Vergleichen mit dem Vorjahr (2026) immer ein Rückgang ausgewiesen werden, so dass es um die Veröffentlichung der Quartalsergebnisse herum zu deutlichen Kursausschlägen kommen dürfte, da nicht alle Anleger informiert sind und der Kurs den Kurs bestimmt. Solche "Irritationen" sollten sich aber schnell wieder beruhigen und bieten ggf. Chancen für die Informierten.

Im Grunde verhält sich die DRAG weiterhin unternehmerisch sehr klug: wenn die Preise günstig sind, erwirbt man Stahlrohre, Equipment, Flächen, Rechte usw. und sichert sich Kapazitäten. Wenn die Preise attraktiv sind, fährt man das Bohrprogramm und/oder die Produktion hoch. Zudem glänzt man mit der Kapitalallokation: 2014 legte der Tekton-Deal den Grundstein für die heutigen breit ausgestellten US-Öl-Aktivitäten, dann erzielte man enorme Gewinne mit den US-Energieaktienpaketen, die man extrem günstig im Corona-Crash eingekauft hatte, und nun, nach vielen Jahren des geduldigen Durchhaltens, versilbert man seine Almonty-Position mit einem satten dreistelligen Millionengewinn. - und hält noch weitere Aktien und Optionen an dem Wolfram-Produzenten.
Meine Einschätzung
Bei der DRAG gibt es wenig zu sehen, was mir nicht gefällt. Und das gilt auch für Bewertung und Perspektiven. Dennoch halte ich einen Gipfelsturm mit einer weiteren Kursvervielfachung für wenig wahrscheinlich. Dafür setze ich auf ein nachhaltiges Vordringen in dreistellige Kursregionen - sofern der WTI-Öl-Preis nicht deutlich und dauerhaft unter 60 Dollar fällt. Die DRAG verdient ab etwa 40 Dollar Geld, aber der aktuelle Kurs preist einen durchschnittlichen Öl-Preis von mindestens 70 Dollar ein. Der Gewinn entsteht eben durch Menge und Preis...

Disclaimer: Habe die Deutsche Rohstoff AG auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

4 Kommentare:

  1. Vielen Dank, für deine Antwort! Wie hoch datierst du den restlichen Almonty-Anteil (Aktienanteil + Wandelanleihe...)? VG Dirk

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    1. Moin Dirk,
      das kann ich dir so ganz konkret gar nicht beantworten, ohne ganz tief in alten Corporate News von Almonty uns/oder der DRAG zu graben. In ihrer letzten Meldung hatte die DRAG erklärt, noch rund 5,5 Mio. Almonty-Aktien zu halten. Und dir wären bei einem Kurs von 15,50 Euro je Almonty-Aktie zusammen rund 85,25 Mio. Euro wert - das meiste davon sollte wegen des günstigen Einstiegs bei einem Verkauf auch wieder reiner Verkaufsgewinn sein.

      Die Wandelschuldverschreibungen wurden zu unterschiedlichen Zeitpunkten gezeichnet mit unterschiedlichen Konditionen. Aber alle bei Almonty-Kursen unterhalb von 1 Euro und zu Zeiten, als Almonty auf das Geld dringend angewiesen war. Insofern sollte der jeweilige Wandlungspreis nicht deutlich über 1 Euro liegen. Allerdings scheint nicht immer die DRAG wählen zu können, wann sie wandelt und ob sie dann ggf. Aktien bekommt, oder Almonty den Wandlungspreis in bar auszahlen kann.

      Wenn man das genau wissen will, müsste man sich die jeweiligen Emissionsprospekte der Wandelschuldverschreibungen vornehmen. Das ist für mich als Aktionär aber nicht wirklich interessant - denn die DRAG hat ja ein Management, dem ich gerade erst wieder das Vertrauen ausgesprochen habe. Auch und gerade zum Thema Kapitalallokation. Ich bin überzeugt, dass CEO Weitz & Co das Beste für die DRAG entscheiden und herausholen werden. ;-)

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  2. knigge-beatnik31.08.26, 14:00

    "Trump will Schweröl aus Venezuela am Golf von Mexiko raffinerieren und damit dann u.a. den Ölpreis/Spritpreis drücken. Investitionen in die Infrastruktur eilt." Schafft der das, und wenn ja, in welchem Zeitraum schätzt Ihr dann die Auswirkungen auf den Ölpreis/Spritpreis?

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    1. Das ist eine typische Trump-Fake-Meldung. Ja, die USA sichern sich den Zugriff auf das venezolanische Öl. Ja, sie haben die Vorräte übernommen und können die verkaufen/nutzen. Das ist auch schon alles...

      Venezuelas Ölindustrie geht am Stock, es müssen zwei-, vielleicht dreistellige Milliardensummen investiert werden, um die wieder ans Laufen zu kriegen. Zudem liegen dort keine produzierten Barrel in Ölfässern rum, sondern die sind alle noch in der Erde - verteilt über 17 Ölfelder. Die berichteten 303 Milliarden Barrel Öl sind also nicht verfügbar und auch nur geschätzt.

      Und venezolanisches Öl ist sehr schwer und sauer. Es ist daher kaum geeignet für die strategischen Reserven der USA und auch nicht für die Verarbeitung zu Benzin. Zudem haben die USA kaum Raffineriekapazitäten (frei), in denen dieses Öl überhaupt verarbeitet werden kann.

      Konkrete Auswirkungen? Sofort eigentlich kaum welche. Auf Sicht von drei und fünf Jahren könnten - nach den ersten Milliardeninvestitionen von Chevron und Co. - vielleicht 1,5 bis 2 Mio. Barrel pro Tag gefördert und Richtung USA verschifft werden. Tendenz dann steigend. Aber selbst dann ist dieses raffinierte Öl her für den asiatischen Markt interessant - was nicht heißt, dass die USA es nicht dorthin exportieren könnten. Aber eben auch nicht morgen, sondern erst in einigen Jahren. Wenn überhaupt. Denn ob sich noch irgendjemand an Absprachen bzw. erzwungene Verträge mit den USA hält, wenn Trump in zweieinhalb Jahren endlich aus dem Amt geschieden ist, wird sich noch zeigen...

      Kurz gesagt: eher ein Nullevent für die Gegenwart.

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