Freitag, 8. Mai 2026

[Earnings Quickcheck Q1/26] ESCO glänzt mit starken Zahlen – und taucht erstmal ab

ESCO Technologies hat starke Quartalszahlen vorgelegt, doch die Börse straft die Aktie erstmal ab. "Priced for perfection" nennt man das, denn die Aktie hat in den letzten Wochen kräftig zugelegt und auch mein Depot mit nach oben gezogen. So ganz ohne Salz in der Suppe kam aber auch ESCO jetzt nicht aus und zeigte neben viel Licht auch ein wenig Schatten. Die Sonnenseite schauen wir uns mal genauer an, vor allem aber natürlich auch die "Dark Side oft the Boom".

Über die große Übernahme der Megger Group hatte ich ja bereits vor einigen Wochen berichtet und die wird sich für ESCO kräftig auszahlen. Das dauert aber noch ein bisschen und aktuell laufen in den Geschäftszahlen erstmal die Kosten für die Übernahme auf, während die positiven Effekte dann später folgen.

ESCOs Geschäftsjahr endet am 30. September, so dass wir heute über sein zweites Geschäftsquartal sprechen. Und hier sorgte die Übernahme im Schifffahrtsbereich ("Maritime") für Rekordergebnisse, aber es deutet sich eine Abschwächung im zweiten Halbjahr an und das drück etwas auf die Stimmung. Jedenfalls bei oberflächlicher Betrachtung...

Zunächst war aber das zweite Geschäftsquartal ein sehr starkes, das durch einen Umsatzanstieg von 33,5% und einen Sprung des bereinigten Gewinns je Aktie um 63,2% gekennzeichnet war.

Herausragend war das Segment Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung, das im Vergleich zum Vorjahr um 67,7% wuchs und dabei stark von der Übernahme im Schifffahrtsbereich sowie den Aufträgen für U-Boote der Virginia-Klasse profitierte. Auch das Testsegment zeigte eine zunehmende Dynamik und wuchs um 27,5%.

Hinter den über den Erwartungen liegenden Ergebnissen und den angehobenen Jahresprognosen zeigen sich jedoch zwei abweichende Entwicklungen: Das Geschäft mit erneuerbaren Energien (NRG) brach nämlich im Vergleich zum Vorjahr um 36% ein und zog das Versorgungssegment mit nach unten.

Darüber hinaus deutet der beibehaltene Umsatzausblick, trotz der Anhebung der Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2026, rechnerisch eine signifikante Wachstumsverlangsamung in der zweiten Jahreshälfte hin. Und damit haben wir die "Dark Side" gefunden und den Stimmungskiller ausgemacht.

Die dunkle Seite: Erneuerbare Energien

Der Negativpunkt im Quartalsbericht war der Einbruch des NRG-Geschäfts innerhalb der Utility Solutions Group. Der NRG-Umsatz sank im Vergleich zum Vorjahr um 5,7 Millionen Dollar bzw. 35,8% aufgrund geringerer Einnahmen aus Wind- und Solarenergie. Dies machte das zweistellige Wachstum der Tochter Doble vollständig zunichte und drückte das Umsatzwachstum des gesamten USG-Segments auf schwache 3,0%.

Trotz einer allgemeinen Margenausweitung durch Volumeneffekte nannte das Management ausdrücklich "Inflationsdruck" als gegenläufigen Gegenwind in allen drei Berichtssegmenten (A&D, USG und Test). Während die Preissetzungsmacht diese Auswirkungen derzeit überdeckt, könnte jede Schwäche beim Volumen diese zugrunde liegenden Kostensteigerungen offenlegen.
Hier könnte also Ungemach drohen im weiteren Jahresverlauf, was aber nicht nur ESCO betrifft, sondern die gesamte Wirtschaft. ESCO selbst dürfte aufgrund seiner Preissetzungsmacht vergleichsweise gut durch den Inflationswirbel steuern können.

Die helle Seite

Das Segment Aerospace & Defense ist weiterhin der wichtigste Wachstumsmotor von ESCO. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 67,7% auf 150,3 Millionen Dollar. Den mit einem Zu-wachs von 47,8 Millionen Dollar größten Teil dazu trug zwar die Übernahme des Bereichs Signature Management & Power von Ultra Maritime, doch war auch das organische Wachstum mit 14,3% ziemlich robust.

Starke Auftragseingänge bei Marineplattformen (24 Millionen Dollar an Aufträgen für die Virginia-Klasse) und in der zivilen Luft- und Raumfahrt ließen den Auftragsbestand des Segments auf einen Rekordwert von 1,1 Milliarden Dollar steigen. Die bereinigte EBIT-Marge legte dabei von 27,0% auf 28,6% zu.

Das Segment RF Test & Measurement zeigt nach Schwierigkeiten in den Vorjahren deutliche und strukturelle Erholungstendenzen. Der Quartalsumsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 27,5% auf 65,5 Millionen Dollar und die bereinigte EBIT-Marge stieg um 300 Basispunkte auf 15,4%.

Das Management führte dies auf höhere Absatzmengen und Preiserhöhungen zurück, unter-stützt durch einen Anstieg der Auftragseingänge um 21%, der von den Märkten in den USA und der EMEA-Region getragen wurde.

(Weitere) Lichtblicke

Große Chancen bieten Data Center & Utility Grid Innovation. ESCO profitiert hier von der Modernisierung kritischer Infrastrukturen. So wurde der Auftragsbestand im Testsegment insbesondere durch EMP-Filter für staatlich finanzierte Rechenzentren und industrielle Abschirmungsprojekte getrieben. Gleichzeitig wuchs das Doble-Geschäft im Versorgungssegment um 11,3%, angetrieben durch die Nachfrage nach Schutzprüfungen und Offline-Prüfgeräten.

Die Übernahme der Megger Group wird voraussichtlich im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 abgeschlossen sein. Dieser Schritt signalisiert eine offensive Strategie zur Stärkung der Utility Solutions Group, wodurch eine beträchtliche Größenordnung geschaffen wird, um die der-zeitige Volatilität im NRG-Portfolio für erneuerbare Energien auszugleichen.

Weniger starker Ausblick? Naja…

Ergebnisseitig hob das Management seine Jahresprognosen an, doch das verpufft angesichts der mahnenden Worte; insbesondere der Begriff "Inflationsdruck" kommt gar nicht gut an.

Während das bereinigte Ergebnis je Aktie für das Geschäftsjahr 2026 angehoben wurde, wurde die Umsatzprognose unverändert bei 1,29 bis 1,33 Milliarden Dollar beibehalten, was einem Zuwachs zwischen 18% und 21% gegenüber dem Vorjahreswert entspricht. Der Umsatz im ersten Geschäftshalbjahr betrug dabei bereits 599 Millionen Dollar (+34% im Jahresvergleich), aber um den Mittelwert von 1,31 Milliarden Dollar zu erreichen, müsste im zweiten Geschäftshalbjahr ein Umsatz von 711 Millionen Dollar erzielt werden.

Und hier wird es friggelig, denn das sind nur 9,5% mehr als im in der gleichen Vorjahresperiode. Verglichen mit der ersten Jahreshälfte wäre das eine halbe Vollbremsung, wenn… ja, wenn da nicht ein Sondereffekt reingrätschen würde. Denn die "Maritime-Übernahme" wurde am 25. April 2025 abgeschlossen und damit enthielten die Umsätze des ersten Geschäftshalbjahres 2025 diese Umsätze noch nicht, die zweite Hälfte aber schon. Dem entsprechend werden die aktuellen Umsätze mit zwei unterschiedlichen Basiswerten verglichen und die hier rausgelesene Wachstumsverlangsamung ist eine Mogelpackung!

Doch das ist das Schlagwort, das den weniger informierten Anlegern entgegengeschleudert wird und die drücken erstmal den Panikknopf. Alle anderen lehnen sich entspannt zurück und ge-nießen ihr Popcorn.

Für das dritte Geschäftsquartal 2026 erwartet ESCO einen bereinigten Gewinn je Aktie zwischen 2,05 und 2,15 Dollar je Aktie. Das entspricht einem Wachstum von 28% bis 34% im Vorjahresvergleich. Das ist ein geringer Zuwachs als in der ersten Jahreshälfte und spiegelt die Mahnungen des Managements vor einem möglichen zunehmendem "Inflationsdruck" wider.

Für das gesamte Geschäftsjahr soll der bereinigte Gewinn je Aktie auf 8,00 bis 8,25 Dollar steigen und damit zwischen 33% und 37% im Jahresvergleich zulegen. Das Management hat den Mittelwert gegenüber der Aktualisierung vom Februar um 0,10 Dollar angehoben, was die starke operative Hebelwirkung im letzten Quartal und den wertsteigernden Charakter des Schifffahrtsgeschäfts widerspiegelt.

Weitere Highlights

Das Zahlenwerk hatte aber noch mehr zu bieten als Umsatz und Gewinne. So ging der Auftragseingang mit 378 Millionen Dollar durchs Ziel und erhöhte den Auftragsbestand auf 1,5 Milliarden Dollar. Der Auftragseingang stieg dabei im Jahresvergleich um 42,4%, was zu einem kraft-strotzenden Book-to-Bill-Verhältnis von 1,22 führte.

Der Rekordauftragsbestand von 1,5 Milliarden Dollar sorgt zudem für eine überaus visible Umsatzprognose, wobei man natürlich immer im Hinterkopf behalten muss, das große, unregelmäßige Aufträge der Marine-Sparte den Rhythmus der Auftragsabwicklung bestimmen.

Sehr erfreulich entwickelt sich auch der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit, der im Ver-gleich zum Vorjahreszeitraum um 88 Millionen auf 135 Millionen Dollar anstieg. Diese außergewöhnliche Cash-Generierung unterstützt M&A-Aktivitäten wie die bevorstehende Übernahme von Megger und sorgt gleichzeitig für gesunde Bilanzverhältnisse.

Die Dividenden wird wieder 0,08 Dollar je Aktie betragen und bringt es auf eine Dividendenrendite von 0,1% - die Mittel für Zukäufe und Investitionen werden hierdurch also nicht allzu sehr beschnitten.

Meine Einschätzung zu ESCO Technologies

Mit einer Marktkapitalisierung von rund 8,5 Milliarden Dollar würde ESCO im oberen Drittel des MDAX notieren, aber für US-amerikanische Verhältnisse handelt es sich um einen Nebenwert. Die Megger-Übernahme zeigt die Wachstumsambitionen von ESCO, die auch durch weitere Zukäufe gefüttert werden sollen, sofern Preis und Perspektiven stimmen. Mit der Megger-Übernahme ist ESCO ein – weiterer – großer Wurf gelungen, der die ambitionierten Wachstumspläne zusätzlich unterstützt.
Die Ergebnisse des ersten Geschäftshalbjahres können jedenfalls größtenteils echt überzeugen und ruckeln eigentlich nur im Bereich der Erneuerbaren Energien, wo ESCO gerade mit Aufräumarbeiten beschäftigt ist. Donald Trumps Aversion gegen Windkrafträder ist hierbei allerdings nicht wirklich hilfreich.

Die Aktie notiert auf Allzeithoch und ist nach dem strammen Kursschub der letzten Monate inzwischen doch ambitioniert bewertet – trotz des starken Gewinnwachstums. "Priced for perfection" eben.

Ein Neueinstieg auf diesem Niveau drängt sich nicht auf, aber bei einem deutlicherem Kursrücksetzer Richtung 300 Dollar, also dem Niveau, an dem sich die Aktie bis Anfang April länger mit Ausbruchsversuchen abgearbeitet hat, würde sich Interessierten ein attraktiver Einstiegspunkt bieten, um sich an dieser erfolgreichen Wachstumsstory zu beteiligen.

Disclaimer: Habe ESCO auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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