
Warren Buffetts Portfolio studiere ich schon seit viel Jahren und habe bei vielen seiner neuen und ganz alten Investments seine Beweggründe und Investmentstorys genau angesehen. Ende 2026 ging der beste Investor aller Zeiten in den verdienten Ruhestand und seitdem hat Greg Abel als sein Nachfolger nicht nur den Chefposten bei Berkshire Hathaway übernommen, sondern ist auch für das mehrere hundert Milliarden Dollar schwere Investmentportfolio zuständig.
Nun hat Berkshire sein 13F bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht und die Depotveränderungen per 31.03.2026 offenbaren viel Interessantes. Vor allem scheint Greg Abel Tabula Rasa zu machen und reihenweise Positionen zu veräußern, die Buffett teilweise schon vor Jahrzehnten gekauft und dort enorme Kursgewinne und Dividendenzahlungen angehäuft hat.
Das und auch der noch einmal deutlich angewachsene Cashberg von inzwischen weit jenseits der 400 Milliarden Dollar wirft einige Fragen auf...
Nein, Guru-Status hat Greg Abel noch nicht. Er ist weithin unbekannt und wird von der Öffentlichkeit eigentlich erst wahrgenommen, seitdem Warren Buffett ihn Anfang 2021 zu seinem Nachfolger an der Spitze von Berkshire Hathaway ernannt hat.
Dabei ist Greg Abel keinesfalls unerfahren oder würde nicht auf herausragende Ergebnisse als Gründer, Unternehmenslenker und Investor zurückblicken können.
Wer ist Greg Abel?Nach einigen Jahren bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC (PricewaterhouseCoopers) wechselte Abel 1992 zu dem kleinen Stromversorger CalEnergy. 1999 stieg er zum Präsidenten des Unternehmens auf, das in verschiedene Bereiche der Energiewirtschaft expandierte und seinen Namen nach einem der übernommenen Unternehmen in MidAmerican Energy Holdings änderte.Teil von Berkshire Hathaway wurde Abel, als der Mischkonzern MidAmerican im Jahr 2000 kaufte. Später wurde die Firma in Berkshire Hathaway Energy (BHE) umbenannt. Abel war von 2008 bis 2018 als Chief Executive Officer tätig und wurde 2011 zum Vorsitzenden ernannt.
Abel trat 2018 als stellvertretender Vorsitzender für das Nicht-Versicherungsgeschäft in den Vorstand von Berkshire Hathaway ein. Er verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in verschiedenen Funktionen bei Berkshire Hathaway Energy, darunter 10 Jahre als CEO.
BHE war an einigen der größten Übernahmen von Berkshire beteiligt, darunter PacifiCorp im Jahr 2006, der Energieversorger NV Energy aus Nevada im Jahr 2013 und das Pipeline-Geschäft von Dominion Energy im Jahr 2020.Zudem baute Abel auch Home Services auf, ein kleines Immobilienmaklerunternehmen, das mit dem Kauf eines anderen Unternehmens hinzukam. Es ist heute eine der erfolgreichsten Beteiligungen von Berkshire.Mit Tochtergesellschaften, die sich auf Kohle, Erdgas, Wasserkraft, Windkraft, Solarenergie, Geothermie und Kernenergie konzentrierten, beschäftigte BHE im Geschäftsjahr 2025 schätzungsweise 23.900 Mitarbeiter und erzielte einen Gesamtumsatz von 26,2 Milliarden Dollar.
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| Kann Greg Abel Buffetts große Fußspuren ausfüllen? |
Weiter erklärte Buffett: "Greg versteht die Kapitalallokation genauso gut wie ich. Das ist ein Glück für uns. Er wird diese Entscheidungen, glaube ich, ganz nach denselben Grundsätzen treffen, nach denen ich sie treffen würde. Diese Grundsätze haben wir nun schon seit 30 Jahren festgelegt."
Und Buffett zeigte sich überzeugt, dass Berkshire "bessere Chancen hat, in 100 Jahren noch zu existieren, als jedes andere Unternehmen, das mir einfällt".
Buffett hat seine Entscheidung für Abel also nicht aus der Not heraus getroffen, sondern aus Überzeugung.
Und Buffetts Prinzipien sind eigentlich recht simpel: er setzt auf Qualitätsunternehmen mit starker Marktstellung und Preissetzungsmacht, deren Gewinne absehbar noch möglichst lange steigen. Für diese Unternehmen ist er bereit, höhere Preise zu bezahlen; aber nicht zu hoch. Denn jedes noch so starke Unternehmen kann sich in ein lausiges Investment verwandeln, wenn man zu viel dafür bezahlt, warnte Buffett. Doch wenn er das richtige Unternehmen gefunden hat, bleibt er "möglichst für immer" investiert. Und so finden sich unter seinen Top-Werten viele, die er schon seit Jahrzehnten im Depot hat. Und doch setzt Greg Abel genau hier die Axt an...
Veränderungen in Berkshires Aktienportfolio im 1. Quartal 2026
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| Quelle: Dataroma |
Man erkennt auf den ersten Blick, dass Abel sehr viele Positionen komplett aussortiert hat. Aber es handelt sich dabei um die eher kleineren Positionen. Teilweise aber auch solche, die Buffett schon seit Jahrzehnten im Bestand hat(te).
Das Medienimperium Liberty Media des umtriebigen John Malone steht mit diversen Gesellschaften auf der Verkaufsliste, wie Liberty Media Formula One und Liberty LiLAC. Übrig geblieben ist eigentlich nur eine überschaubare Position an der Muttergesellschaft Liberty Media Corp. die Beteiligungen an Fernsehsendern, Zeitungen und Filmstudios hält, sowie ein bedeutender Anteil an dem von John Malone ausgegliederten Satellitenradiobetreiber SiriusXM Holdings, an dem Berkshire inzwischen mehr als 35% aller Anteile gehören.
Die noch nicht allzu lange im Portfolio befindlichen kriselnden Unternehmen UnitedHealth und Domino's Pizza wurden ebenso aussortiert wie Getränkespezialist Diageo und Wettbewerber Constellation Brands sowie Kabelnetzbetreiber Charter Communications.
Des Weiteren HEICO Corp. und der führende und florierende Swimmingpool-Errichter Pool.com und die beiden führende Zahlungsnetzwerke Visa und Mastercard. Insbesondere diese beiden Dispositionen erscheinen wenig nachvollziehbar, denn beide Unternehmen wachsen seit Jahrzehnten, steigern regelmäßig ihre Dividenden und kaufen mit ihren wachsenden Cashflows kräftig eigene Aktien zurück. Kurzum: beide sind Compounding-Maschinen und der Traum eines jeden Anlegers.
Aber es ging auch bei einigen Depotschwergewichten ans Eingemachte: bei Chevron hat Greg Abel den Peak bei den Ölpreisen schön mitgenommen und die Bank of America steht schon seit vielen Quartalen auf dem Verkaufszettel. Die Trennung von Amazon kommt da schon überraschender, denn hier war Buffett erst vor kurzer Zeit eingestiegen und das Unternehmen gehört zu den großen Gewinnern im Cloud- und KI-Rennen, sowie im Bereich der Logistik.
Im Gegenzug gab es auch ein paar Käufe. Während der Einstieg bei Delta Airlines und insbesondere bei Macy's und The New York Times erklärungsbedürftig ist, lässt der starke Ausbau der Position bei der Google-Mutter Alphabet wenig Fragen offen. Der Unternehmen gehört zu den absoluten KI-Gewinnern - nur die Bewertung ist wegen des zuletzt deutlichen Kursanstiegs nicht mehr so günstig wie zu Buffetts ersten Käufen.
Das erste Abel-Portfolio
Und so sieht es nun aus, das erste von Greg Abel (alleine) verantwortete Portfolio von Berkshire:
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| Quelle: Dataroma |
Es umfasst nur noch 26 Positionen (an US-amerikanischen börsennotierten Unternehmen) und ist noch stärker fokussiert als es bereits zuvor schon war. Die drei größten (und unveränderten) Positionen Apple, American Express und Coca-Cola stehen für 51% des Depots und zusammen mit den beiden reduzierten nächstgrößeren Positionen an Bank of America und Chevron stellen diese fünf Top-Werte etwas mehr als zwei Drittel der Portfoliowerts.
Knapp dahinter folgt Occidental Petroleum, wo Berkshire 265 Millionen Aktien hält und damit rund 27% sowie zusätzlich Optionen, die die Beteiligung auf über 30% hieven.
Und auf dem siebten Rang liegt bereits die verdreifachte Position an Alphabet, zu der noch die neunen Aktien der C-Klasse hinzugerechnet werden müssen, so dass die Gewichtung insgesamt bei gut 6,3% lag. Lag. Denn durch den satten Kursanstieg seit dem Quartalsbeginn hat sich die Alphabet-Position in Berkshires Portfolio ohne weitere Zukäufe vom siebten auf den fünften Rang hochgearbeitet und damit die beiden Energieunternehmen Chevron und Oxy überholt
Es schließen sich unverändert der Versicherungswert Chubb Ltd. die Ratingagentur Moody's sowie Kraft Heinz an. Beim Ketchup-Imperium wollte Buffett eigentlich aussteigen, weil ihm die Aufspaltungspläne nicht gefielen. Der neue CEO traf dies bezüglich auf die Bremse und so entschied Greg Abel, (erstmal) keine Veränderungen an Berkshires Position vorzunehmen und die neue Strategie und die Entwicklungen abzuwarten.
Mein Fazit: Alles neu ist nun alles doch nicht
Greg Abel drückt Berkshire ganz klar seinen Stempel auf. Er schmeißt viele Werte aus dem Depot und das ist nachvollziehbar. Denn er hat einen anderen Kompetenzbereich als Buffett und Munger und nur was innerhalb dieses Kompetenzbereichs liegt, kann und darf noch in "seinem" Depot auftauchen.
Des Weiteren gab es viele kleine Positionen, die verhältnismäßig viel Betreuungsaufwand erfordern, aber letztlich kaum ins Gewicht fallen. Auch hier fiel die Kosten-Nutzen-Analyse negativ aus und die Aktien wurden aussortiert.
Zudem darf nicht vergessen werden, dass Berkshires Vermögenswerte nicht nur aus dem Aktienportfolio bestehen, das wohl nur noch ein Viertel ausmacht, sondern auch aus über 400 Milliarden Dollar an Cash (bzw. überwiegend kurzlaufen US-Staatsanleihen) sowie viele nicht-börsennotierten Beteiligungen. Dazu zählen. u.a. die Eisenbahngesellschaft BNSF, der Energiekonzern BHE, diverse Versicherungsgesellschaften wie z.B. Geico, Hausbaugesellschaften, Autohäuser, Luft- und Raumfahrtzulieferer wie Precision Castparts oder der Batteriehersteller Duracell.
Und dann sind da noch Berkshires "Japan Bets". Buffett war im Sommer 2020 und damit mitten im Corona-Absturz bei den fünf großen japanischen Handelshäusern Itochu, Marubeni, Mitsubishi, Mitsui und Sumitomo mit jeweils rund 6% eingestiegen und hatte Anfang 2023 seine Positionen auf jeweils rund 7,4% aufgestockt. In seinem Investorenbrief zum Geschäftsjahr 2024 teilte Buffett seinen Aktionären mit, dass Berkshire seine Anteile an diesen Unternehmen inzwischen auf 9,8% aufgestockt habe, mit einer Gesamtinvestition von 23,5 Milliarden Dollar bis Ende 2024. Buffett äußerte sich damals zuversichtlich über den langfristigen Wert dieser Investitionen und erklärte, dass er in absehbarer Zeit nicht vorhabe, diese Beteiligungen zu verkaufen. Eine weitere Aufstockung käme allerdings auch nur dann infrage, wenn die betreffenden Unternehmen diese ausdrücklich gutheißen würden. Auch hier agiert Buffett als langfristiger Investor und Partner der Unternehmen. Und die Japaner habe alle kein Problem mit diesem Partner, so dass Berkshire Anfang 2026 bei allen fünf Unternehmen die Schwelle von 10% Anteilsbesitz überschritten hat.
Und als Allerletztes hatte Greg Abel noch ein ganz besonderes Unternehmen auf dem Kaufzettel: Berkshire Hathaway. Nach vielen Jahren der Zurückhaltung wegen des überhöhten Kurses, war durch den ausgepreisten "Buffett-Aufschlag" der Kurs auf das 1,4-Fache des Buchwerts zusammengeschrumpft. Und das veranlasste Greg Abel, erstmals seit Mai 2024 wieder Aktienrückkäufe durchzuführen im Wert von immerhin knapp 234,2 Millionen Dollar. Berkshire kann sich das leisten und ein gutes Investment dürfte die Aktie auch bleiben - auch wenn es ihr möglicherweise nicht gelingen wird, wieder dauerhaft den S&P 500 zu schlagen, nachdem dieser so stark von Technologiewerten dominiert wird.
Doch davon hat Berkshire neben Apple mit Alphabet ja nun einen zweiten hoch gewichtet im Depot. Mal sehen, ob das reicht...
Disclaimer: Habe Alphabet, Amazon, Apple, Berkshire, Mastercard, Moody's auf meiner Beobachtungsliste und oder im Depot/Wiki.
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