Sonntag, 28. Juni 2026

[Kissigs Kloogschieterei] Mr. Market lässt die Würfel rollen

Die Temperaturen steigen auf den Siedepunkt und während sich so ziemlich jeder Vernunftbegabte auf die Suche nach dem nächsten Strand macht, scheinen auch die Börse ein bisschen verrückt zu spielen.

Die Nervosität ist greifbar, denn der bisherige Aufschwung wurde nur noch von wenigen Sektoren und Werten getragen, während die breite Masse eher nicht richtig vom Fleck kommt oder gar schon länger den Rückwärtsgang eingelegt hat. Dabei sind Stimmungsmacher und -killer gleichgeblieben und der größte Gambler ist immer noch Donald Trump.

Während die Fußball-WM für sportliche Highlights sorgt, kann Trump mit seinem Diktatfrieden im Nahen Osten nicht richtig punkten. Das beschlossene Memorandum of Understanding ist substanzlos und nicht viel mehr als ein Lippenbekenntnis – und trotzdem hat der Ölpreis um 30% korrigiert. Weil der Iran und die USA momentan gerade mal nicht aufeinander schießen und sogar in die Schifffahrt in der Straße von Hormus wieder Leben kommt - an guten Tagen. Und das hat durchaus Folgen.

Einerseits entspannt sich die Öl-Versorgungslage in Asien und das nimmt Druck vom Ölpreis. Und der wiederum hat ja maßgeblich zum Inflationsschub beigetragen, der überall die Menschen in Schwierigkeiten bringt. Eine kurzfristige Entspannung ist hier nicht zu erwarten, denn die stark gestiegenen Erzeugerpreise werden ja gerade erst über die Konsumentenpreise an die Bevölkerung weitergereicht und damit wird der Preisauftrieb anhalten. Ein Abflauen des Preisdrucks ist erst in einigen Monaten zu erwarten und auch dann werden die Preise nicht fallen, sondern nur nicht mehr weiter ansteigen. Und das gilt auch nur, wenn der Papierfrieden anhält und sich die USA und Iran in ihren 60-tägigen Verhandlungen am Ende wirklich einigen. Realistisch besteht da kaum eine Chance, aber auf diese Chance setzen die Börsen.

Aktuell passieren gerade zwei Öl- und zwei LPG-Tanker die Straße von Hormus über die omanische Route (also nicht durch den Iran-Korridor), mit eingeschaltetem AIS, aber eben auch unter strenger Über- und Bewachung durch die US-Marine und die US-Luftwaffe. Washington bemüht sich mit aller Macht, die omanische Route offen zu halten. Das ist das neue Normal, mit dem die Welt und der Ölpreis klarkommen muss; egal, mit welchen Propagandafriedensbotschaften wir aus dem Nahen Osten und durch unsere Medien eingelullt werden.

Die reale Entwicklung hält damit weiterhin nicht mit der Börse mit. Das ist nicht weiter schlimm, denn das ist oft der Fall. Die Stimmung bestimmt die Kurse – und natürlich die Liquidität. Die ist bisher reichlich vorhanden und kann auch die Geldnachfrage durch Börsengänge und milliardenschwere Anleiheemissionen befriedigen.

So weit so gut. Doch wie es weiter geht, hängt entscheidend vom Duell USA gegen Iran ab. Allerdings weniger vom möglichen Aufeinandertreffen der Teams bei der Fußball-WM als beim Showdown im Nahen Osten. Es bleibt spannungsgeladen. Mr. Market lässt die Würfel rollen und jeder hofft auf "seine Farbe". Die zweite Halbzeit (des Jahres) wird kaum einfacher werden...

Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

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