Donnerstag, 11. Juni 2026

[Im Fokus] Caterpillar verdient sich mit KI eine goldene Nase. Aber reicht das auch?

In diesem Kurzportrait geht um Caterpillar. Das Unternehmen wurde 1925 gegründet und ist heute in der Herstellung und dem Vertrieb von Bau- und Bergbaumaschinen tätig. Das Unternehmen stellt zudem industrielle Nebenprodukte her, darunter Dieselmotoren und Gasturbinen. Mit einer Marktkapitalisierung von über 400 Mrd. Dollar zählt es damit zu den größten Industrieunternehmen der Welt.

Als Industrieunternehmen, das stark in der Energie- und Bergbauindustrie engagiert ist, hängt Caterpillar am globalen Wirtschaftswachstum und den Rohstoffpreisen. Dies führt zu deutlichen Schwankungen der Unternehmensergebnisse und der Aktie. Jedenfalls bisher. Denn der Energie-Superzyklus, der durch den Nachfrageboom bei KI und KI-Infrastruktur angefeuert wird, erlebt auch Caterpillar eine deutlich steigende und robuste Nachfrage nach seinen Maschinen. Aber da ist noch mehr zu entdecken...

Caterpillar wird von den meisten Anlegern nach wie vor als Hersteller von Bau- und Bergbaumaschinen wahrgenommen. Wenn man nach Schaufelherstellern für den KI-Sektor sucht, denkt man eher an Chip-Entwickler, Zulieferer von Hyperscalern oder Spezialunternehmen aus dem Bereich Klimatechnik. Das Unternehmen mit den gelben Maschinen, das den Ausbau still und leise vorantreibt, hat dabei kaum jemand auf dem Schirm. Zu Unrecht, denn inzwischen erzielt Caterpillar rund 10% bis 15% seines Umsatzes von rund 67,5 Mrd. Dollar mit Generatoren für Rechenzentren.

Atem(be)raubende Quartalszahlen

Der Bericht zum ersten Quartal 2026 zeigt, dass der Umsatz im Bereich Stromerzeugung innerhalb des Segments "Energie & Transport" gegenüber dem Vorjahreswert auf 2,82 Mrd. Dollar wuchs. CEO Joe Creed erklärte: "Der Bereich Stromerzeugung wuchs um 48%, angetrieben durch die starke Nachfrage nach großen Stromaggregaten und Turbinen für Rechenzentrumsanwendungen, wobei der Anteil an Primärstrom zunimmt." Und die Aufträge fluten nur so herein: Der Auftragsbestand schwoll von 30 Mrd. Dollar im Jahr 2024 auf 51,2 Mrd. Dollar Ende 2025 an und das Management schätzt, dass es 2026 nur 60% der Nachfrage bedienen kann. Dabei setzt sich der Trend fort, erklärte CEO Creed: "Der Auftragsbestand stieg im ersten Quartal um 79% auf ein Rekordniveau von 63 Milliarden Dollar".

Bereits Anfang 2024 legte Caterpillar Pläne zur Kapazitätserweiterung vor, doch seitdem hat sich der Auftragsbestand im Bereich der großen Kolbenmotoren um mehr als das 3,5-Fache erhöht. Kunden erteilen längerfristige Aufträge, wobei einige Aufträge bis weit ins Jahr 2028 reichen. Caterpillar reagiert darauf mit einer Erhöhung der Produktionskapazität für große Hubkolbenmotoren vom Niveau des Jahres 2024 auf fast das Dreifache, was nach Fertigstellung eine zusätzliche Jahreskapazität von rund 15 Gigawatt bedeutet.

Doch selbst damit wird man der gegenwärtigen Nachfrage hinterherhinken, denn je leistungsfähiger die KI wird, desto mehr Rechenzentren werden benötigt und umso mehr Energie. Das derzeitige Stromnetz kann damit nicht Schritt halten und Gasgeneratoren „hinter dem Zähler“ schließen diese Lücke genau zu dem Zeitpunkt, wo sie von den Hyperscalern tatsächlich benötigt wird.

Hype und Bewertung

Der Aktienkurs ist in den letzten 12 Monaten um über 150% gestiegen und die Bewertung erreicht inzwischen ein KGV von deutlich über 30. Das ist sehr ambitioniert und fußt auf dem stark steigenden Auftragsbestand und der Erwartung wachsender Margen. Dabei ist die leistungsstärkste Sparte noch immer relativ klein gemessen am Gesamtumsatz, bietet aber weiteres Potenzial. Und glättet die Ergebnisse des Gesamtkonzerns, weil der Energie-Superzyklus viele Jahre lang anhalten wird und die Nachfrage das Angebot deutlich überschreitet. Selbst wenn es in anderen Sparten zu konjunkturellen Schwankungen kommt, dürften diese also weniger stark ausfallen, als man es von Caterpillar eigentlich gewöhnt ist.

Dabei hat sich Caterpillar im Laufe der Jahre zu einem der bedeutendsten Akteure in lukrativen Endmärkten wie dem Bauwesen, dem Energiesektor und dem Bergbau entwickelt. Seine globale Präsenz ermöglicht dem Unternehmen eine gewisse Diversifizierung der Einnahmen nach Segmenten und Branchen sowie geografisch, was sich in den letzten Jahren als vorteilhaft erwiesen hat. Seine Größe ermöglicht es ihm zudem, die variablen Kosten pro Einheit zu senken und so die Margen zu steigern. Skalierung ist auch für Industrieunternehmen ein Schlüsselfaktor für anhaltenden Erfolg!

Allerdings ist Caterpillar keineswegs immun gegen Rezessionen, da globale Konjunkturabschwächungen in der Regel mit niedrigeren Rohstoffpreisen und rückläufigen Bauausgaben einhergehen. Durch weitere Investitionen in die Stromerzeugung, Bergbaumaschinen und Dienstleistungen stellt sich Caterpillar für ein stabiles langfristiges Wachstum auf, wenngleich dadurch die Margen kurzfristig unter Druck stehen. Und jenseits der USA schwächt sich die globale Wirtschaft auch wegen der hohen Energiepreise und -mangellagen bereits ab. Die Kursrally dürfte sich also nicht einfach so fortschreiben lassen.

Die Dividendenrendite ist auch wegen des starken Kursanstiegs auf 0,7% gefallen. Und doch nicht unattraktiv, denn Caterpillar steigert sie bereits seit 32 Jahren und zählt damit schon länger zu den Dividendenaristokraten. Die jährliche Steigerung liegt bei rund 7% über die letzten 10 Jahre und die Ausschüttungsquote bei 35% des Gewinns. Auch hier gibt es also weiteren Spielraum. Und den nutzt man sofort aus, denn die Quartalsdividende wird um knapp 8% erhöht auf 1,51 Dollar je Aktie - die 33. Erhöhung in Folge.

Mein Fazit: Heiß und heißgelaufen

Caterpillar ist attraktiv positioniert, aber nach einem Kurszuwachs von knapp 60% im laufenden Jahr ist die Aktie heißgelaufen und bräuchte dringend mal eine Abkühlung. Trotz des Megatrends Energieversorgung von KI-Rechenzentren bleibt der überwiegende Teil des Business zyklisch und damit anfällig für Schwankungen - sowohl was den Geschäftsverlauf angeht als auch die Kursentwicklung.
"Der Kauf einer zyklischen Aktie, zum Beispiel Rohstoffe, nach mehreren Jahren mit Rekordgewinnen und wenn das Kurs-Gewinn-Verhältnis einen Tiefpunkt erreicht hat, ist eine bewährte Methode, um die Hälfte seines Geldes in kurzer Zeit zu verlieren. (...) Der beste Zeitpunkt für ein Engagement in zyklische Aktien ist dann, wenn die Wirtschaft am schwächsten ist, die Erträge am niedrigsten sind und die öffentliche Stimmung am düstersten ist."
Peter Lynchs Warnung sollten Anleger besser nicht ignorieren. Daher bieten (erst) Rücksetzer neue Chancen.

Disclaimer: Habe Caterpillar weder auf meiner Beobachtungsliste noch im Depot/Wiki.

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