Freitag, 25. September 2026

[Kissigs Nebenwerte-Analyse] grenke: Leasing-Spezialist zwischen Wachstum, Zinsen und steigenden Risiken

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Artikel aus "Der Nebenwerte Investor" Ausgabe 21/2026 vom 24.09.2026

Aktien in dieser Ausgabe: ATOSS Software, grenke, Wüstenrot & Württembergische

grenke: Leasing-Spezialist zwischen Wachstum, Zinsen und steigenden Risiken

grenke ist ein Unternehmen, das oberflächlich betrachtet wie eine klassische Leasinggesellschaft daherkommt. Tatsächlich steckt dahinter jedoch ein breit aufgestellter Finanzdienstleister mit einem klaren Schwerpunkt: die Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen. Und hier ist grenke seit Jahrzehnten sehr erfolgreich.

Das Herzstück des Konzerns ist das sogenannte Small-Ticket-Leasing. Dabei finanziert grenke vor allem Investitionsgüter mit vergleichsweise kleinen Anschaffungswerten. Das können Computer und Server ebenso sein wie Software, Kassensysteme, Medizintechnik, Maschinen, Sicherheitstechnik, E-Bikes oder Ladestationen für Elektrofahrzeuge.

Der entscheidende Unterschied zu vielen großen Leasinggesellschaften liegt dabei weniger im einzelnen Leasingobjekt als in der Vielzahl der Verträge und der Standardisierung des Geschäfts. grenke konzentriert sich auf Verträge bis zu einem Volumen von 50.000 Euro und arbeitet mit einem großen Netzwerk von Fachhändlern und Herstellern zusammen. Ende 2025 verfügte die Gruppe über rund 34.500 aktive Fachhandelspartner, 716.000 Kunden und mehr als 1,15 Millionen laufende Leasingverträge. grenke war dabei in 31 Ländern aktiv.

Das Geschäftsmodell lässt sich vereinfacht so beschreiben: Ein Unternehmen benötigt beispielsweise neue Computer. Statt die Geräte sofort zu kaufen, schließt es einen Leasingvertrag ab. grenke kauft beziehungsweise finanziert die Geräte und überlässt sie dem Kunden gegen regelmäßige Leasingraten. Für den Kunden verteilt sich die Investition auf die Vertragslaufzeit, während grenke aus den laufenden Zahlungen Erträge erzielt.

Diese Konstruktion macht grenke zu einem klassischen Finanzierungsunternehmen. Es kauft Vermögenswerte beziehungsweise finanziert deren Anschaffung, baut daraus Forderungen gegenüber Kunden auf und refinanziert diese Forderungen wiederum über Fremdkapital. Der wirtschaftliche Erfolg hängt deshalb von mehreren Faktoren gleichzeitig ab: dem Wachstum des Leasingvolumens, den erzielbaren Leasingmargen, den Refinanzierungskosten, den Kosten der eigenen Organisation und den Zahlungsausfällen der Kunden.

Das Leasinggeschäft ist das mit Abstand wichtigste Standbein

Die wichtigste Sparte ist eindeutig das Leasinggeschäft. 2025 stammten 97,5% der Zinserträge des Konzerns aus dem Leasinggeschäft. Damit ist klar: Auch wenn grenke neben dem Leasing weitere Finanzdienstleistungen anbietet, bleibt die Gesellschaft in erster Linie ein Leasing-Spezialist.

Das Leasinggeschäft ist auf den Small-Ticket-Bereich zugeschnitten. Gerade diese Spezialisierung ist ein wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells. Bei einem einzelnen Leasingvertrag über beispielsweise 10.000 oder 20.000 Euro lohnt sich für eine große Universalbank eine aufwendige individuelle Prüfung häufig weniger als bei einer Finanzierung im Millionenbereich. grenke kann dagegen standardisierte Prozesse und digitale Entscheidungen einsetzen und dadurch eine große Zahl kleiner Transaktionen wirtschaftlich bearbeiten.

Der Vorteil ist die breite Risikostreuung. Ein einzelner Zahlungsausfall belastet das Ergebnis weniger stark als der Ausfall eines einzelnen Großkunden bei einem auf große Unternehmensfinanzierungen spezialisierten Institut. Gleichzeitig ermöglicht die hohe Zahl der Verträge eine umfangreiche statistische Datengrundlage für die Bonitätsprüfung.

2025 stellte grenke seine Wachstumsfähigkeit erneut unter Beweis. Das Leasingneugeschäft stieg um 7,8% auf 3,3 Milliarden Euro. Die Zahl der Leasinganfragen erhöhte sich um 6,8% auf rund 675.000, während 324.019 neue Leasingverträge abgeschlossen wurden.

Besonders interessant ist dabei die geografische Streuung. Deutschland ist ein wichtiger Markt, aber längst nicht der einzige. Zu den bedeutenden Ländern gehören Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien. Im ersten Halbjahr 2026 entfielen auf diese fünf Märkte zusammen rund zwei Drittel des Leasingneugeschäfts.

Diese Internationalisierung ist Chance und Risiko zugleich. Einerseits reduziert sie die Abhängigkeit vom deutschen Mittelstand. Andererseits bedeutet sie, dass grenke mit unterschiedlichen Konjunkturzyklen, Rechtssystemen, Währungen und Kreditrisiken umgehen muss.

Das einfache Prinzip hinter dem Leasinggeschäft

Ökonomisch betrachtet verdient grenke nicht einfach daran, dass ein Kunde eine Maschine oder einen Computer mietet. Entscheidend ist die Differenz zwischen den Einnahmen aus dem Leasingportfolio und den Kosten, die für dessen Finanzierung und Betrieb entstehen.

Dabei spielt der Deckungsbeitrag eine zentrale Rolle. Der Deckungsbeitrag 1 berücksichtigt insbesondere die wirtschaftlichen Erträge des Neugeschäfts nach bestimmten Finanzierungskomponenten. Der Deckungsbeitrag 2 berücksichtigt darüber hinaus weitere Effekte, unter anderem erwartete Risikokosten sowie Erträge aus Service- und Nachgeschäft.

2025 erzielte grenke im Leasingneugeschäft einen DB1 von 389,6 Millionen Euro, nach 343,2 Millionen Euro im Vorjahr. Der DB1 wuchs damit um 13,5%. Der DB2 erhöhte sich um 6,1% auf 550,2 Millionen Euro. Gleichzeitig sank die DB2-Marge leicht von 17,0% auf 16,7%.

Genau hier liegt ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis der Aktie. Für grenke ist nicht allein entscheidend, wie viel Leasingvolumen neu abgeschlossen wird. Ein stark wachsendes Neugeschäft kann sogar problematisch sein, wenn dieses Wachstum mit zu niedrigen Margen erkauft wird. Für Aktionäre ist deshalb die Kombination aus Wachstum, Marge, Risikokosten und Kapitaleffizienz wesentlich aussagekräftiger als das reine Neugeschäft.

Banking: Zweite Säule – und zugleich Refinanzierungsinstrument

Neben dem Leasinggeschäft gehört die grenke Bank zum Konzern. Sie bietet unter anderem Geschäftskonten, Tages- und Festgeld sowie Finanzierungen für Unternehmen, Selbstständige und Gründer an. Darüber hinaus arbeitet sie mit Förderbanken zusammen und vermittelt beziehungsweise finanziert Förderkredite für den Mittelstand.

Die Bank hat allerdings eine noch wichtigere strategische Funktion: Sie liefert grenke Einlagen. Kundengelder auf Tages- und Festgeldkonten können zur Refinanzierung des Konzerns eingesetzt werden. Damit besitzt grenke eine Finanzierungsquelle, die weniger stark von den Kapitalmärkten abhängig ist.

Ende 2025 entfielen rund 31% der Refinanzierung auf das Einlagengeschäft der grenke Bank. Damit war diese Säule nach den Senior-Unsecured-Finanzierungen die zweitgrößte Refinanzierungsquelle des Konzerns.

Zwei Perspektiven sind beim Bankgeschäft besonders interessant. Operativ stellt es Finanzdienstleistungen für Kunden bereit; auf Konzernebene unterstützt es gleichzeitig die Refinanzierungsstruktur des Leasinggeschäfts.

Steigende Zinsen haben hier eine ambivalente Wirkung. Höhere Zinsen können die Kosten für Einlagen erhöhen, weil Kunden für Tages- und Festgeld höhere Verzinsungen verlangen. Zudem sorgen eigene Kreditaufnahmen und/oder die Finanzierung über Unternehmensanleihen für eine steigende Zinslast. Im Gegenzug kann grenke aber auch höhere Zinserträge auf seine Finanzierungsaktiva erzielen. Entscheidend ist wieder die Differenz zwischen beiden Seiten, also die Zinsmarge.

Factoring: ein kleineres Geschäft, das vor dem Verkauf steht

Das dritte Geschäftsfeld ist Factoring. Beim Factoring verkauft ein Unternehmen seine offenen Forderungen an einen Finanzierer und erhält dafür schneller Liquidität. grenke bietet sowohl Full-Service-Factoring als auch punktuelle Lösungen an.

Für den Konzern spielt dieser Bereich allerdings eine deutlich geringere Rolle als das Leasing. Im Geschäftsjahr 2025 entfielen lediglich 1,7% der Zinserträge auf das Factoringgeschäft. Zudem hat grenke im April 2025 den Verkauf des Factoringgeschäfts an Teylor angekündigt. Der Verkaufsprozess sollte schrittweise erfolgen und voraussichtlich Mitte 2026 abgeschlossen sein – eine abschließende Vollzugsmeldung steht aber bisher noch aus.

Strategisch passt der Schritt zum Versuch, den Konzern stärker auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren. Leasing ist der Bereich, in dem grenke über Jahrzehnte seine größte Expertise und sein dichtestes Partnernetzwerk aufgebaut hat. Eine Konzentration auf dieses Geschäft kann die Organisation vereinfachen und Managementkapazitäten auf die Bereiche lenken, in denen grenke seine größte Skalierbarkeit besitzt.

2025: Wachstum trotz schwierigem Umfeld

Das Geschäftsjahr 2025 zeigt, dass das Geschäftsmodell auch in einem anspruchsvollen Umfeld funktioniert. Das Leasingneugeschäft stieg um 7,8% auf 3,3 Milliarden Euro. Der Konzerngewinn erhöhte sich um 2,3% auf 71,8 Millionen Euro. Gleichzeitig verbesserte sich die Cost-Income-Ratio deutlich auf 55,2%.

Auf der anderen Seite verschlechterte sich die Schadenquote von 1,3% auf 1,7%. Ursache waren unter anderem höhere Zahlungsausfälle und eine gestiegene Risikovorsorge. Das ist angesichts der Zielgruppe von grenke besonders relevant. Kleine und mittlere Unternehmen reagieren häufig empfindlicher auf schwache Konjunktur, hohe Kosten und eine restriktive Finanzierung als große Konzerne.

Die Entwicklung zeigt damit bereits die beiden Seiten des Geschäftsmodells: grenke kann in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld weiterhin neue Verträge abschließen, muss dafür aber mit steigenden Kreditrisiken bezahlen.

Auch das Wachstum der Bilanz ist erheblich. Ende 2025 lagen die Leasingforderungen bei 7,3 Milliarden Euro, nach 6,5 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Die Bilanzsumme stieg von 8,2 auf 9,1 Milliarden Euro.

Für einen Finanzierer ist Bilanzwachstum grundsätzlich Teil des Geschäftsmodells. Mehr Leasingforderungen bedeuten schließlich auch mehr zukünftige Zahlungsströme. Gleichzeitig müssen diese Forderungen refinanziert werden und binden Eigenkapital. Wachstum ist für grenke daher niemals kostenlos.

Der Zinshebel: Warum steigende Zinsen problematisch sein können

Die zentrale Frage für grenke lautet, wie sich das Zinsniveau auf die Marge auswirkt. Das Prinzip ist relativ einfach.

grenke finanziert die Leasingobjekte mit Fremdkapital. Steigen die Refinanzierungskosten, wird die Finanzierung des Leasingportfolios teurer. Die bestehenden Leasingverträge können jedoch nicht ohne Weiteres neu bepreist werden. Hat grenke einen Vertrag mit festen Leasingraten abgeschlossen, bleiben diese Raten grundsätzlich über die vereinbarte Laufzeit bestehen.

Die Kostenbasis kann sich dagegen verändern. Wenn beispielsweise eine Anleihe ausläuft und durch eine neue Anleihe mit höherem Zinssatz ersetzt werden muss, steigen die Refinanzierungskosten. Das kann die Zinsmarge belasten.

Allerdings wirkt dieser Effekt nicht eins zu eins und nicht sofort auf das gesamte Portfolio. grenke schließt kontinuierlich neue Verträge ab. Bei diesen kann das Unternehmen die veränderten Finanzierungskosten in die Kalkulation einbeziehen. Steigende Zinsen können daher bei neuen Verträgen teilweise über höhere Leasingraten weitergegeben werden.

Das entscheidende Stichwort lautet deshalb "Zinsdurchreichung". Je schneller grenke gestiegene Refinanzierungskosten in neuen Leasingverträgen berücksichtigen kann, desto geringer ist der Druck auf die Marge.

Die Zahlen von 2025 illustrieren diese Mechanik. Die Zinserträge aus dem Finanzierungsgeschäft stiegen um 16,4% auf 668,6 Millionen Euro. Gleichzeitig erhöhten sich die Aufwendungen für die Refinanzierung und das Einlagengeschäft um 21,1% auf 263,5 Millionen Euro. Trotzdem wuchs das Zinsergebnis um 13,6% auf 405,1 Millionen Euro.

Höhere Refinanzierungskosten sind also für grenke ein Belastungsfaktor, aber das ist nicht automatisch gleichbedeutend mit sinkenden Gewinnen!

Das Umfeld in 2026 rückt die Zinsfrage in den Fokus

Die Zinsentwicklung bleibt für grenke relevant, weil sich das europäische Zinsumfeld 2026 erneut verändert hat. Die EZB hatte den Einlagensatz im Juni 2026 auf 2,25% gesenkt, hob ihn aber mit Wirkung zum 16. September 2026 wieder auf 2,50% an. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt seit diesem Datum bei 2,65%.

Für grenke bedeutet ein höheres Zinsniveau nicht automatisch eine Verschlechterung. Vielmehr kommt es auf die Geschwindigkeit und die Dauer der Veränderung sowie auf den Refinanzierungsmix an.

Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Zinserträge um 33,3 Millionen Euro auf 358,1 Millionen Euro. Gleichzeitig nahm der Zinsaufwand für die Refinanzierung des Leasinggeschäfts um 19,2 Millionen Euro auf 143,2 Millionen Euro zu. Das Zinsergebnis erhöhte sich deshalb um 7% auf 214,9 Millionen Euro.

Bemerkenswert ist, dass grenke im ersten Halbjahr trotz des höheren Refinanzierungsaufwands seinen Konzerngewinn deutlich steigern konnte. Er erhöhte sich von 26,2 auf 32,6 Millionen Euro. Die operative Ertragskraft wuchs stärker als die Kosten, während die Cost-Income-Ratio von 56,4% auf 51,6% zurückging.

Der Konzern kann gegenwärtig steigende beziehungsweise höhere Finanzierungskosten durch Wachstum, Preisgestaltung und Effizienzmaßnahmen mehr als ausgleichen.

Schlüsselfaktor Refinanzierung

Die Refinanzierungsstruktur ist deshalb für Anleger fast ebenso wichtig wie das Leasinggeschäft selbst. Ende 2025 verfügte grenke über vier wesentliche Refinanzierungssäulen: Einlagen der grenke Bank, Senior-Unsecured-Finanzierungen, Asset-Backed-Finanzierungen und externe Bankfinanzierungen.

Von den insgesamt rund 7,3 Milliarden Euro Refinanzierung entfielen 3,14 Milliarden Euro beziehungsweise 42,9% auf Senior-Unsecured-Finanzierungen. Die Einlagen der grenke Bank kamen auf 2,29 Milliarden Euro beziehungsweise 31,2%. Asset-Backed-Finanzierungen machten 16,5% aus und externe Bankfinanzierungen 9,2%.

Diese Diversifikation ist ein wichtiger Vorteil. grenke hängt nicht ausschließlich von einer einzigen Finanzierungsquelle ab. Fällt beispielsweise eine Refinanzierungsquelle aufgrund schwieriger Kapitalmarktbedingungen teilweise aus, können andere Säulen stärker genutzt werden.

Auch der Zugang zum Kapitalmarkt ist wichtig. 2025 platzierte grenke zwei Benchmark-Anleihen mit jeweils 500 Millionen Euro. Im Mai 2026 folgte zudem die erste Anleihe in kanadischen Dollar über 100 Millionen CAD zur Finanzierung des lokalen Leasinggeschäfts.

Die Ratingagenturen S&P Global Ratings und Fitch bestätigten 2025 jeweils ein Investment-Grade-Rating von BBB mit stabilem Ausblick. Das ist für ein Finanzierungsunternehmen von großer Bedeutung. Je besser die Bonität und je breiter der Zugang zu den Kapitalmärkten, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass grenke sein Wachstum zu wettbewerbsfähigen Konditionen finanzieren kann.

Ein höheres Zinsniveau kann sogar Chancen eröffnen

Paradoxerweise können steigende Zinsen für grenke auch Chancen schaffen. Während extrem niedrige Zinsen die Attraktivität vieler Finanzierungen erhöhen, können höhere Zinsen dazu führen, dass Unternehmen stärker auf planbare monatliche Kosten achten.

Gerade kleine Unternehmen verfügen häufig nicht über die finanziellen Mittel, um größere Investitionen problemlos aus eigener Liquidität zu finanzieren. Leasing ermöglicht ihnen, Maschinen, IT oder andere Betriebsmittel sofort einzusetzen, ohne den gesamten Kaufpreis auf einmal zu bezahlen.

Je höher die Opportunitätskosten einer sofortigen Investition sind, desto interessanter kann eine Finanzierungslösung werden.

Auch Investitionen in Digitalisierung und Automatisierung bieten langfristiges Wachstumspotenzial. Computer, Server, Software, Robotik und Sicherheitstechnik sind typische Leasingobjekte. grenke erweitert sein Angebot zudem um Bereiche wie Photovoltaik, E-Mobilität und Robotik.

Gerade die zunehmende Digitalisierung kleiner Unternehmen könnte damit strukturellen Rückenwind liefern.

Green Economy als wichtiger Wachstumstreiber

Ein weiteres interessantes Feld sind sogenannte Green-Economy-Objekte. Dazu gehören beispielsweise Photovoltaikanlagen, Ladestationen oder andere Technologien zur Verbesserung der Energieeffizienz.

2025 war die Nachfrage nach Green-Economy-Objekten insbesondere in Westeuropa ohne DACH weiterhin stark. Diese Region war mit einem Leasingneugeschäft von 851,1 Millionen Euro die volumenstärkste Region des Konzerns.

Der Vorteil für grenke besteht darin, dass der Konzern nicht selbst die Technologie entwickeln muss. Er finanziert die Investition. Damit kann grenke indirekt von strukturellen Trends wie Digitalisierung, Elektrifizierung und Energieeffizienz profitieren, ohne das klassische Technologierisiko eines Herstellers zu tragen.

Allerdings ist auch hier Vorsicht geboten. Nicht jedes Wachstum in einem Zukunftsmarkt ist automatisch profitabel. Entscheidend bleiben die Kreditqualität der Kunden, die Restwerte der Leasingobjekte und die erzielbaren Margen.

Kreditausfälle als größtes operatives Risiko

Neben den Zinsen ist das Kreditrisiko die zweite große Variable im Geschäftsmodell. grenke richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen. Diese Kundengruppe ist für die deutsche und europäische Wirtschaft von enormer Bedeutung, gleichzeitig sind kleinere Unternehmen im Durchschnitt stärker von Konjunkturschwankungen, steigenden Kosten und Finanzierungsengpässen betroffen.

Steigen Unternehmensinsolvenzen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Leasingnehmer ihre Raten nicht mehr vollständig bezahlen können. grenke muss dann Rückstellungen bilden beziehungsweise Verluste aus der Schadensabwicklung verkraften.

2025 stieg die Schadenquote von 1,3% auf 1,7% und im ersten Halbjahr 2026 lag sie sogar bei 2,0%. Das Ergebnis aus Schadensabwicklung und Risikovorsorge verschlechterte sich in den ersten sechs Monaten von -94,7 auf -118,6 Millionen Euro. Das Kreditrisiko ist damit also derzeit keineswegs nur ein theoretisches Problem.

Gleichzeitig zeigt sich ein Vorteil des Small-Ticket-Modells: Das Portfolio ist extrem breit diversifiziert. Selbst wenn einzelne Kunden ausfallen, bleibt der überwiegende Teil der Forderungen bestehen. Entscheidend ist deshalb weniger ein einzelner Großausfall als eine breit angelegte Verschlechterung der Zahlungsmoral.

Darüber hinaus tragen Leasingunternehmen ein Restwertrisiko. Am Ende eines Leasingvertrags kann das Objekt zurückgegeben werden. grenke muss dann entscheiden, ob es weiterverwendet, verkauft oder erneut verleast wird.

Bei standardisierten und schnell veraltenden Produkten wie IT-Hardware ist das besonders relevant. Ein Computer, der vor drei Jahren modern war, kann am Ende eines Leasingvertrags erheblich an Wert verloren haben.

Auf der anderen Seite bietet gerade die starke Standardisierung des Small-Ticket-Leasings Vorteile. Viele Objekte sind leicht handelbar und können über große Stückzahlen statistisch bewertet werden.

Grenkes Ergebnis aus der Verwertung von Leasingobjekten kann dabei von den tatsächlichen Marktpreisen profitieren oder belastet werden. 2025 lag das Verwertungsmehr- beziehungsweise -minderergebnis bei 27,4 Millionen Euro nach 11,8 Millionen Euro im Vorjahr.

Die Effizienz wird immer wichtiger

Ein weiterer entscheidender Erfolgsfaktor ist die Kostenstruktur. Das Geschäftsmodell funktioniert nur dann besonders gut, wenn grenke viele kleine Verträge mit möglichst wenig manueller Arbeit bearbeiten kann.

Digitale Prozesse sind deshalb ein wichtiger Bestandteil des Moats (Burggraben). Wenn ein Leasingvertrag über 10.000 Euro nahezu genauso effizient abgewickelt werden kann wie ein anderer Vertrag über 20.000 Euro, entsteht Skalierbarkeit.

2026 scheint grenke hier Fortschritte zu machen. Im ersten Halbjahr stiegen die operativen Aufwendungen lediglich um 1,5%, während die operativen Erträge um 11% zunahmen. Die Cost-Income-Ratio verbesserte sich entsprechend von 56,4% auf 51,6%.

Das ist für ein Finanzunternehmen besonders wichtig. Eine Verbesserung der Kostenquote kann einen Teil des Margendrucks auffangen, der durch höhere Refinanzierungskosten oder steigende Risikovorsorge entsteht.

Die Eigenkapitalrendite als größte Baustelle

Trotz der positiven Entwicklung ist grenke noch nicht am Ziel. Das Unternehmen strebt langfristig eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von 10% bis 2030 an. Im ersten Halbjahr 2026 lag die Rendite bei 4,6%.

Eine echte Herausforderung, denn ein Finanzierer kann zwar kräftig wachsen, doch wenn dieses Wachstum viel Eigenkapital bindet, muss auch der Gewinn entsprechend steigen. Andernfalls sinkt die Rendite auf das eingesetzte Kapital.

Die Eigenkapitalquote lag Ende 2025 bei 15,6% und zum 30. Juni 2026 bei 15,4%. Damit bewegt sich grenke in etwa auf dem angestrebten Niveau von rund 15%.

Für die Aktionäre wird deshalb zunehmend die Qualität des Wachstums entscheidend. Ein zusätzliches Milliardenvolumen an Leasingforderungen ist weniger interessant, wenn dafür überproportional viel Kapital benötigt wird oder die Margen sinken.

2026: Wachstum ja, aber mit angezogener Handbremse

Für 2026 erwartet grenke weiterhin einen Konzerngewinn zwischen 74 und 86 Millionen Euro. Beim Leasingneugeschäft liegt die Prognose bei 3,4 bis 3,6 Milliarden Euro. Das Management erwartet allerdings angesichts des weiterhin herausfordernden Umfelds, eher das untere Ende dieser Spanne zu erreichen.

Im ersten Halbjahr wurden bereits 1,645 Milliarden Euro Leasingneugeschäft erreicht, nach 1,622 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Das Wachstum ist also vorhanden, fällt aber relativ moderat aus.

Gleichzeitig entwickelt sich die Profitabilität besser. Das spricht dafür, dass grenke gegenwärtig stärker auf Qualität und Effizienz achtet als auf möglichst aggressives Volumenwachstum.

Das ist strategisch nachvollziehbar. In einem Umfeld höherer Zinsen und erhöhter Insolvenzen kann ein zu starkes Wachstum sogar kontraproduktiv sein. Neue Verträge müssen ausreichend hohe Margen erzielen und gleichzeitig eine vertretbare Ausfallwahrscheinlichkeit besitzen.

Bullcase vs. Bearcase

Langfristig besitzt grenke mehrere strukturelle Wachstumstreiber. Der erste ist die Digitalisierung. Unternehmen benötigen regelmäßig neue IT-Hardware und Software. Weil diese Produkte relativ schnell veralten, ist Leasing eine natürliche Finanzierungsform. Statt alle drei oder vier Jahre hohe Investitionen aus dem eigenen Cashflow zu tätigen, können Unternehmen ihre Ausstattung kontinuierlich über Leasing aktualisieren.

Der zweite Wachstumstreiber ist die zunehmende Automatisierung. Robotik, digitale Kassensysteme, Sicherheitstechnik und andere Investitionsgüter eröffnen zusätzliche Leasingkategorien.

Drittens kann grenke vom Investitionsbedarf des Mittelstands profitieren. Gerade kleinere Unternehmen haben häufig einen begrenzten Zugang zu attraktiven Finanzierungsangeboten. Hier kann die Spezialisierung des Unternehmens ein Wettbewerbsvorteil sein.

Und schließlich besitzt grenke mit seiner Kombination aus Fachhändlernetzwerk, digitalisierten Prozessen und statistischer Kreditprüfung einen potenziellen Skalenvorteil. Je größer das Netzwerk und je mehr Daten zur Verfügung stehen, desto effizienter kann das Unternehmen seine Prozesse und Risikomodelle weiterentwickeln.

Dem steht als größtes kurzfristige Risiko die Kombination aus Zinsniveau und Refinanzierung gegenüber. Steigen die Kapitalmarktzinsen schneller als grenke seine Leasingkonditionen anpassen kann, sinkt die Marge. Das Risiko wird größer, je länger ein höheres Zinsniveau anhält.

Das zweite Risiko ist die Kreditqualität. Die bereits gestiegene Schadenquote zeigt, dass die schwächere wirtschaftliche Lage bei grenke ankommt. Sollte sich die Insolvenzsituation weiter verschärfen, könnten die Risikokosten deutlich steigen.

Ein weiteres Risiko ist der Kapitalmarkt, denn grenke ist auf regelmäßige Refinanzierung angewiesen. Zudem bestehen regulatorische Risiken, da grenze als Finanzdienstleister umfangreichen Anforderungen an Kapital, Liquidität, Risikomanagement und Geldwäscheprävention unterliegt. Regulatorische Änderungen können die Kosten erhöhen oder die Geschäftsmöglichkeiten einschränken.

Mein Fazit: Ein skalierbarer Finanzierer mit Zins- und Kredithebel

grenke ist im Kern ein hochspezialisierter Finanzierer für kleine und mittlere Unternehmen. Das Unternehmen verdient den größten Teil seines Geldes mit Small-Ticket-Leasing und profitiert dabei von einem großen internationalen Netzwerk aus Fachhändlern und Kunden. Die grenke Bank ergänzt das Angebot und besitzt gleichzeitig eine wichtige Funktion bei der Refinanzierung. Das Factoringgeschäft spielt dagegen nur eine Nebenrolle und soll beziehungsweise wurde strategisch aus dem Konzern herausgelöst.

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass das Geschäftsmodell auch in einem schwierigen Umfeld wachsen kann. 2025 erhöhte grenke das Leasingneugeschäft auf 3,3 Milliarden Euro und erzielte 71,8 Millionen Euro Konzerngewinn. Im ersten Halbjahr 2026 setzte sich das Wachstum fort: Das Neugeschäft erreichte 1,645 Milliarden Euro, während der Konzerngewinn um knapp 25% auf 32,6 Millionen Euro stieg.

Die entscheidende Herausforderung liegt nun darin, dieses Wachstum profitabler zu machen. Das langfristige Ziel einer Eigenkapitalrendite von 10% bis 2030 liegt noch deutlich über dem aktuellen Niveau. Gleichzeitig muss grenke mit einem höheren und volatileren Zinsumfeld, steigenden Insolvenzen und einer erhöhten Schadenquote umgehen.

Gerade steigende Zinsen sind dabei ein zweischneidiges Schwert. Sie verteuern die Refinanzierung, können aber über neue Leasingverträge zumindest teilweise an die Kunden weitergegeben werden; das absolute Zinsniveau ist dabei nicht entscheidend, sondern die Geschwindigkeit, mit der grenke seine Leasingkonditionen an die jeweiligen Refinanzierungskosten anpassen kann – ohne dabei die Risikokontrolle aus den Augen zu verlieren. Genau hier liegt der entscheidende Hebel für die künftige Profitabilität.

Die nächsten Jahre dürften daher weniger von spektakulärem Umsatzwachstum geprägt sein als von den Bestrebungen, Wachstum in Rendite zu übersetzen. Gelingt es, die erhöhte Schadenquote wieder zu normalisieren, die Refinanzierungskosten in den Leasingkonditionen abzubilden und gleichzeitig die Effizienz weiter zu verbessern, könnte die vorhandene Skalierbarkeit des Geschäftsmodells stärker zum Tragen kommen. Bleiben dagegen Zinsen und Ausfallraten über längere Zeit hoch, könnte die Kombination aus steigenden Refinanzierungskosten und höheren Risikovorsorgen die Profitabilität begrenzen – und damit den Aktienkurs weiter belasten.

Der Langfristchart zeigt einen schier unaufhaltsamen Aufstieg. Anfang 2009 lag der Kurs bei 11 Euro, zehn Jahre später durchbrach er die Marke von 100 Euro. Nachdem er sich hier zwei Jahre halten konnte, ging es im Zuge der Corona-Pandemie kräftig abwärts. Und seitdem wurden die großen Hoffnungen immer wieder enttäuscht, so dass der Kurs in mehreren Schüben auf 11 Euro eingebrochen ist. Eine ernüchternde Bilanz und auch ein Warnsignal: Wenn es grenke gelingt, das Wachstum deutlich profitabler zu gestalten, könnte hier eine große Turnaroundstory schlummern. Andernfalls könnte sich der Niedergang weiter fortsetzen. Und das war in den letzten Jahren leider immer wieder der Ausgang, der bei den Aktionären für Frust und Verluste gesorgt hat. Wer sich auf Sache einlassen will, muss die Aktie an der kurzen Leine halten!

Die 4 wichtigsten Dinge, die man über grenke wissen muss

  1. grenke ist vor allem ein Small-Ticket-Leasing-Spezialist, der kleine und mittlere Unternehmen international mit der Finanzierung von IT, Software, Maschinen und zahlreichen weiteren Investitionsgütern versorgt.
  2. Die Refinanzierung ist der entscheidende Hebel des Geschäftsmodells, wobei grenke nicht von einer einzigen Finanzierungsquelle abhängig ist.
  3. Steigende Zinsen sind Chance und Risiko zugleich, weil höhere Refinanzierungskosten die Margen belasten, grenke diese Kosten bei neuen Leasingverträgen aber teilweise über höhere Kundenkonditionen weitergeben kann.
  4. Die größte operative Herausforderung ist derzeit die Balance zwischen Wachstum, Risikokosten und Rendite, denn die Eigenkapitalrendite lag im ersten Halbjahr 2026 mit 4,6% unter den für 2030 angestrebten 10%.
Disclaimer: Habe grenke auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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