Dienstag, 24. Februar 2026

Kissigs Kloogschieterei: Back to Value

In früheren Zeiten haben sich Technologieaktien und Valuewerte in mehrjährigen Zyklen abgewechselt und wenn die eine Gruppe einige Jahre lang outperformt hatte, wechselten die Favoriten. Ein weitgehend vorhersagbares Muster.

Doch nach der Globalen Finanzkrise 2008/09 änderte sich das Spiel: Technologieaktien zogen schier unaufhaltsam davon, während klassische Unternehmen kaum von der Stelle kamen. Und so fuhren viele erfolgreiche Value Investoren schlechte(re) Ergebnisse ein und auch wenn sie durchaus Gewinne erzielten, blieben sie doch zumeist weit hinter ihren technologieaffinen Wettbewerbern zurück.

"Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich", heißt es. Und so wurde immer wieder eine bevorstehende Trendumkehr ausgerufen, wann immer die Börsen einen neuen Höchststand markierten und die Technologieaktien neue Bewertungsmaßstäbe setzten. Zuletzt war die immer stärker zunehmende Konzentration der Magnificent 7 im S&P 500 der Grund für den Abgesang auf die endlose Technologie-Hausse – und nun scheint es wirklich soweit zu sein. Dank KI.

Sicher, Künstliche Intelligenz ist ein Technologiethema und viele Technologiefirmen profitieren. Aber auch die Anwender von KI werden zunehmend zu Gewinnern, weil sie rationalisieren können, mit weniger Personal auskommen, schlanker, effizienter werden. Sie bauen ihre Margen aus und damit ihre Gewinne. Jedenfalls die Unternehmen, die nicht von KI disruptiert werden.
Und so erleben wir seit einiger Zeit ein Umdenken: Geld wird aus Technologiewerten abgezogen und in klassische Value-Branchen investiert. Seit dem Jahresstart liegt der Energiesektor mit einem Zuwachs von +20% klar vorne, gefolgt von Rohstoffen mit +17%, defensiven Konsumwerten mit +15% und Industrieunternehmen mit +11%. Die Informationstechnologie hinkt mit -3% klar hinterher und (beinahe) nur die Finanzwerte mit -6 % schneiden noch schlechter ab. Und der Absturz vieler geliebter und gehypter Technologiewerte geht ungebremst weiter, weil Anthropic mit seinem Claude Opus KI-Tool - gefühlt - an jedem neuen Tag ein weiteres Geschäftsmodell killt.

Folge einfach dem Geld

Anleger sollten dem neuen Narrativ aber nicht blind hinterherlaufen. Es gilt, wie immer: erst denken, dann handeln! Man sollte (nur) die Werte im Depot haben, die auf mittlere und lange Sicht absehbar Umsatz und Gewinne steigern können. Also nicht dem Hype hinterherlaufen oder dem neusten Trend, sondern den erkennbaren Profiteuren. Egal, ob sie dem Technologiesektor oder einer klassischen Branche angehören. Qualität gewinnt auf lange Sicht immer und überall. Man muss diesen Unternehmen - und ihren Aktien - nur auch die Gelegenheit geben, ihre Qualitäten auszuspielen. Geduld ist ein wesentlicher Schlüssel in der Börsenerfolsgleichung.

Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

4 Kommentare:

  1. Hey Michael super Beitrag seit wann bist du denn bei Quanta Services dabei? Gruss

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    1. Bei Quanta Services bin ich seit November 2025 an Bord. Ich bin damit erst relativ spät eingestiegen und hab da bereits viel verpasst. Aber an der Börse zählt ja nicht der Rückspiegel, sondern die Frontscheibe. Und da sieht es ziemlich gut aus auf mittlere und lange Sicht. Kurven, Täler und Berge muss man auf der Strecke aber wohl mitnehmen, um nicht aus der Bahn zu geraten... ;-)

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  2. knigge-beatnik24.02.26, 11:03

    Da bin ich grad mal den Energiesektor durch und dabei auf die 'ENN Energy Holdings' der Kaiman Inseln gestoßen. In der Aktionärsstruktur befindet sich das Who's Who der Investors. Sehr interessant, gell?

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    1. Naja, ein chinesischer Gasversorger liegt nicht wirklich in meinem Kompetenzkreis. ;-)

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