Mittwoch, 20. Mai 2026

[Im Fokus] Deutsche Rohstoff AG: Mehr als eine gut geölte Gewinnmaschine?

Die Deutsche Rohstoff AG ist eine der unbeachtetsten und gleichzeitig attraktivsten Werte auf dem deutschen Kurszettel. Sie identifiziert, entwickelt und veräußert attraktive Rohstoffvorkommen vorrangig in Nordamerika, Australien und Europa. Ihr Schwerpunkt liegt dabei ganz klar auf der Erschließung von Öl- und Gaslagerstätten in den USA. Zusätzlich runden Metalle wie Gold, Kupfer, Wolfram und auch Lithium das Portfolio ab.

Die jüngsten Geschäftszahlen und das Businessupdate werfen dann allerdings doch ein paar Fragezeichen auf - denn die passen so gar nicht zu der absurd niedrigen Börsenbewertung...

Die börsennotierte Deutsche Rohstoff AG selbst fördert allerdings gar keine Rohstoffe. Sie ist ein deutsches Beteiligungsunternehmen, das an einer deutschen Börse notiert ist, doch ihre diversen Geschäftsaktivitäten finden weitgehend in den USA und ein bisschen in Asien statt. Dort hält sie jeweils Anteile an Unternehmen, die in der Öl- oder Rohstoffexploration sowie der Förderung aktiv sind. Sie ist defacto eine Beteiligungsgesellschaft und hat in den USA vier aktive Töchter:
  1. 1876 Resources (DRAG-Anteil: 97,65%) produziert neben dem Denver-Julesberg Basin in Colorado auch im Powder River Basin in Wyoming und hat in 2025 insgesamt zehn Erdöl-Bohrungen als Betriebsführer in Wyoming abgeteuft, von denen vier zur Jahresmitte und sechs Bohrungen bis Ende 2025 die Produktion aufgenommen haben. Im Rahmen einer konzerninternen Flächenübertragung hat 1876 Resources Ende 2024 nahezu alle Flächen von Bright Rock Energy übernommen, einer weiteren DRAG-Tochter.
     
  2. Salt Creek Oil & Gas (DRAG-Anteil: 100%) beteiligt sich als "Non-Operator" an Erdölbohrungen anderer Unternehmen. Ende 2023 hat Salt Creek ihre Flächen in Utah mit rund 250 "non-operated" Bohrungen mit einem durchschnittlichen Anteil von 2,3% verkauft. In zwei Joint Ventures mit Occidental Petroleum in Wyoming wurden 2023 und 2024 insgesamt 31 Bohrungen in Betrieb genommen. Für das Jahr 2026 beteiligt sich Salt Creek gemeinsam mit einem etablierten Betriebsführer an einem weiteren Bohrprogramm im Powder River Basin in Wyoming. Im Rahmen des Joint Ventures wurden die geplanten neun Bohrungen bereits bis Ende Januar 2026 erfolgreich abgeteuft. Die Fertigstellung der Bohrungen wird im Frühjahr erwartet, der Produktionsstart ist für den Sommer vorgesehen. Insgesamt plant Salt Creek für dieses Programm Investitionen von rund 40 Mio. USD und prüft parallel weitere Non-Operated-Transaktionen, um weiter zu expandieren.
     
  3. Bright Rock Energy (DRAG-Anteil: 95%) hat Ende 2024 ihre 2020 erworbenen im Powder River Basin an die Schwestergesellschaft 1876 Resources veräußert. Bright Rock Energy ist darauf ausgerichtet mit dem erfahrenen und erfolgreichen Management-Team neue Akquisitionen, Partnerschaften und Geschäftsmöglichkeiten für den Deutsche Rohstoff Konzern zu prüfen und umzusetzen. Dafür hat Bright Rock Energy erste größere Kaufverträge für Flächen in Ohio unterzeichnet mit Schwerpunkt auf den Formationen Utica und Point Pleasant im Appalachian Basin.
     
  4. Elster Oil & Gas (DRAG-Anteil: 93%), deren Management mit dem von 1876 Resources identisch ist, hält Flächen im Denver-Julesburg Basin, Colorado. Die Entwicklung der Flächen erfolgte durch den Betriebsführer Civitas Resources, der zwischen 2015 und 2018 insgesamt 40 Bohrungen in Produktion brachte. Damit sind die Flächen, über die Elster verfügt, weitestgehend entwickelt. 
Es dreht sich also fast alles um Öl und Gas und hier spielt die Musik, wie die Prognoseanhebung vor einigen Wochen wieder einmal belegte. Ursächlich dafür waren zwei wesentliche Faktoren. (1.) hat die DRAG den Höhenflug ihrer Beteiligung Almonty Industries genutzt und einen Teilverkauf von 38% ihrer Anteile vorgenommen, woraus sie einen Ertrag von knapp 100 Mio. Euro generierte. Und (2.) wird sie diesen, auch wegen der stark gestiegenen Ölpreise, in die Ausweitung des Bohrprogramms ihrer US-Tochter 1876 Resources stecken.

So steigen zwar erstmal die Investitionen, aber dann auch die Produktion und damit die Gewinne. Denn der Ölpreis liegt deutlich über den Werten, mit denen die DRAG für 2026 kalkuliert. Im erhöhten Szenario könnte das EBITDA für 2026 sogar in den Bereich zwischen 320 und 340 Mio. Euro vordringen und damit dürfte das operative Ergebnis im laufenden Jahr sogar höher als der Umsatz sein.

In ihrem Webcall erläuterte die DRAG ihre neuen Zahlen und lässt aufhorchen: Sie rechnet bei der Erhöhung ihres Basisszenarios 2026 nun mit einem WTI-Ölpreis von 75 USD statt bisher 60 USD. Dieser 25-prozentige Anstieg soll für einen Umsatzzuwachs von 50% sorgen auf 270 Mio. USD und das EBITDA sogar um 140% auf 300 Mio. USD hochschnellen lassen. Der Ölpreiseffekt erzeugt also eine enorme Hebelwirkung, vor allem im Ergebnis! Und dabei… liegt WTI aktuell bei über 100 USD und dürfte noch länger auf diesem erhöhten Niveau verweilen. Und das bedeutet, dass die Prognosen der DRAG absehbar viel zu niedrig sind und es im Jahresverlauf ganz bestimmt zu weiteren Anhebungen kommen muss.

(Weniger) sprudelnde Geschäfte im ersten Quartal

Aber zuerst gab es mal die Zahlen zum ersten Quartal 2026 und da sank der Umsatz  im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 26% aufgrund geringerer Fördermengen und Absicherungsverlusten. Das operative Ergebnis (EBITDA) stieg jedoch um 192% auf 126 Millionen Euro, was vor allem auf einen Veräußerungsgewinn von 97 Millionen Euro aus dem Teilverkauf der Beteiligung an Almonty Industries zurückzuführen ist. Die liquiden Mittel haben sich auf 149 Millionen Euro mehr als verdoppelt und bieten damit die finanzielle Schlagkraft für eine rasche Ausweitung der Geschäftstätigkeit. Das Unternehmen erhöht die Anzahl seiner Bohranlagen von einer auf drei und plant, im Geschäftsjahr 2026 insgesamt 26 Bohrlöcher zu bohren, wodurch die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass die Produktion in der zweiten Jahreshälfte 20.000 BOEPD übersteigt. Die Gesamtjahresprognose bleibt unverändert, mit einem erwarteten EBITDA von 290 bis 340 Millionen Euro und Investitionsausgaben von 215 bis 235 Millionen Euro.

Schnäppchenkurse?!

Quelle: wallstreet-online.de
Die Aktie der DRAG wird mit einem Gewinnmultiplikator von unter 5 gehandelt – und da ist der Gewinn aus dem Aktien-Verkauf bei der Wolfram-Beteiligung Almonty bereits herausgerechnet. Wenn nun die Prognosen deutlich zu niedrig sind und damit der Gewinn am Jahresende nochmals deutlich höher, dann ist die aktuelle Bewertung ebenfalls nochmals niedriger, als ohnehin ausgewiesen.

Vielleicht ist die DRAG nicht die am günstigsten bewertete Aktie in Deutschland, aber vermutlich die aussichtsreichste. Und eine Dividendenerhöhung von 2,00 auf 2,25 Euro je Aktie gibt es auch noch, also eine Dividendenrendite von immerhin 2,3%. Die Hautversammlung findet am 22. Juni statt und wer rechtzeitig genug an Bord ist/kommt, kann die auch noch mir abfischen.

Mein Fazit

Die Geschäfte brummen und die anhaltend hohen Ölpreis dürften für weitere Prognoseanhebungen im Jahresverlauf sorgen. Die Aktie ist nach wie vor eine der günstigsten auf dem deutschen Kurszettel. Hier passt einfach alles zusammen und die Aktie sollte auch nach der Kursverdopplung seit dem Jahresstart auch künftig mit Dividenden und Kursgewinnen viel Freude bieten.

Disclaimer: Habe die Almonty, Deutsche Rohstoff auf meiner Beobachtungliste und/oder im Depot/Wiki.

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