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Artikel aus "Der Nebenwerte Investor" Ausgabe 02/2026 vom 15.01.2026
Aktien in dieser Ausgabe: Dermapharm, Innoscripta, Kontron
Kann Kontron nun endlich in höhere Sphären vorstoßen?
Kontron ist ein führender Anbieter von intelligenten IoT-Lösungen und hat sich in einigen Schlüsselmärkten strategisch hervorragend positioniert. Das weckt zunehmend Interesse, nicht nur beim taiwanesischen Apple-Fertiger und Kontron-Großaktionär Ennoconn, sondern auch beim Hannes Niederhauser, dem umtriebigen Unternehmenslenker. Seine Insiderkäufe könnten endlich den Ausbruch über den seit 2018 deckelnden Widerstand bei 25 Euro bringen – und damit erhebliches zusätzliches Potenzial.
Das TecDAX- und SDAX-Unternehmen punktet mit automatisierten Industrieprozessen über intelligentere und sicherere Transportlösungen bis hin zu fortschrittlichen Kommunikations-, Konnektivitäts-, Medizin-, Solar- und erneuerbaren Energien-Lösungen. Hierzu entwickelt und produziert Kontron Technologien und Produkte von Hardware über Software und darüber hinaus ergänzende Elektronikfertigungsdienstleistungen.
Das Geschäftsmodell der in Linz beheimateten Österreicher basiert auf drei übergeordneten Säulen: Hardware, Software & Lösungen sowie Industrie- und IoT-Services. Ziel ist es, Kunden in die Lage zu versetzen, vernetzte Systeme effizient, sicher und skalierbar zu betreiben. Dazu kombiniert der Konzern eigene Entwicklungskapazitäten in Embedded-Systemtechnik mit modernen Softwareplattformen, Middleware-Komponenten und zunehmend hohem Anteil an Wertschöpfung im Software- und Lösungssegment.
Strategische Portfoliooptimierung
In den letzten Jahren hat sich Kontron stark gewandelt und erfindet sich ein Stück weit neu. So hat Kontron in den letzten Jahren erhebliche Teile seines Geschäfts mit niedrigen Margen, etwa COM- und traditionellem IT-Dienstleistungssegment, veräußert, um die Profitabilität zu erhöhen und sich stärker auf margenstarke IoT- und Software-Lösungen zu konzentrieren. Zudem deckt Kontron inzwischen die gesamte Wertschöpfungskette ab und diese Neuausrichtung hat zu einer deutlich höheren Bruttomarge geführt.
Zu den bedeutendsten strategischen Schritten gehörte die Übernahme der Mehrheit an der Katek SE Anfang 2024, was zu einer erheblichen Erweiterung des Produktportfolios führte, insbesondere im Bereich Erneuerbare Energien (Solar, EV-Charging) und in der Fertigungstechnologie. Diese Akquisition trug zur Erhöhung der Mitarbeiterzahl auf rund 7.000 Personen in über 20 Ländern bei und stärkte die Position von Kontron sowohl geografisch als auch technologisch.
Inzwischen hält die Kontron Acquisition GmbH, eine indirekte Tochtergesellschaft der Kontron AG, rund 96,86% der Aktien der Katek SE und hat damit ist die gesetzliche Schwelle von 95% überschritten, die für einen aktienrechtlichen Squeeze-out erforderlich ist. Diesen peilt Kontron nun an, um damit die vollständige Integration der Katek SE in den Kontron-Konzern abzuschließen und so die operative Steuerung zu vereinheitlichen sowie Synergien innerhalb der Gruppe zu stärken.
Die divestierten Teile des COM- und traditionellen IT-Dienstleistungsgeschäfts sind Teil der bewussten Portfoliostrategie hin zu höherwertigen IoT- und Embedded-Technologien. Diese strategische Neuausrichtung hat die Bruttomarge erheblich verbessert und den Fokus des Unternehmens auf wachstumsstarke, margenstarke Bereiche verstärkt, die von Trends wie Industrie 4.0, Edge-Computing, Vernetzung und digitaler Infrastruktur profitieren.
Das Unternehmen operiert heute weltweit in verschiedenen Branchen, darunter Transport & Verkehr, Verteidigung & Sicherheit, Industrieautomation, Telekommunikation, Medizintechnik und Energie. Die Lösungen reichen von eingebetteten Systemplattformen über IoT-Betriebssysteme und Sicherheitslösungen bis hin zu spezialisierten Software-Stacks für vernetzte Anwendungen und Edge-Computing.
In der Folge konnte Kontron insbesondere im Transport- und Bahninfrastrukturbereich bedeutende Aufträge generieren, darunter Aufträge im Hochgeschwindigkeitsbahnbereich in Europa, die zusammen über 300 Mio. Euro erreichen und die technologische Position des Unternehmens im neuen FRMCS-Standard (Future Rail Mobile Communication System) unterstreichen. Ebenso wächst die Nachfrage im Verteidigungssektor, insbesondere nach sicheren Datenkommunikations- und Verschlüsselungstechnologien, wo Kontron mit eigenen Lösungen wie dem Kontron-OS IoT-Betriebssystem punkten konnte.
Weitere Entwicklungen umfassen kontinuierliche Produktinnovationen in Bereichen wie AI-unterstützte IoT-Systeme, Edge-Computing, Cybersecurity für eingebettete Systeme und systemübergreifende Softwareplattformen, die den Kunden helfen, digitalisierte Prozesse resilient und zukunftssicher zu gestalten.
Die Wachstumsbereiche Bahninfrastruktur, IoT und sichere Datenverbindungen sind Bereiche, in denen jahrzehntelang Investitionen unterlassen worden sind mit entsprechend hohem Nachholbedarf und die darüber hinaus angesichts der neuen Sicherheits- und Bedrohungslage ganz besonders im Zukunftsfokus staatlicher Förderprogramme stehen.
Durchaus starke Geschäftsentwicklung
Das wird zunehmend auch in den Geschäftszahlen sichtbar, insbesondere beim Auftragseingang. Kontron veröffentlichte im Oktober vorläufige Ergebnisse für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2025. Demnach lag der Umsatz mit 1,182 Mrd. Euro leicht unter dem Vorjahreswert, was allerdings hauptsächlich auf die Strategie der Portfoliobereinigung und die Abspaltung des COM-Geschäfts zurückzuführen ist.
Trotz dieses Umsatzrückgangs stieg das operative Ergebnis (EBITDA) um 37% auf 194 Mio. Euro (inklusive einmaliger Effekte aus der De-Konsolidierung). Das operative EBITDA lag bei rund 148 Mio. Euro und der Nettogewinn nach Minderheiten stieg auf 110,8 Mio. Euro. Die EBITDA-Marge zog dem entsprechend auf 12,5% an.
Der Auftragsbestand legte auf über 2,4 Mrd. Euro zu und signalisiert damit ein solides Wachstumspotenzial über 2025 hinaus. Die Pipeline der Projekte stieg weiter an auf über 7,8 Mrd. Euro.
Folgerichtig bestätigte Kontron seine Jahresprognose für 2025 mit einem erwarteten Gesamtumsatz von etwa 1,7 Mrd. Euro und einem EBITDA von rund 270 Mio. Euro.
Interessante Aktionärsstruktur
Die Aktionärsstruktur von Kontron ist relativ diversifiziert, wobei ein bedeutender Anteil im Freefloat verbleibt und institutionelle Investoren einen großen Teil der Aktien halten. Der größte einzelne Anteilseigner ist Ennoconn Corporation mit rund 27,5% der stimmberechtigten Aktien, die wiederum selbst Tochter des weltgrößten Elektronikherstellers Hon Hai Precision Industry Co. Ltd. ist, der unter der Marke Foxconn als Produzent der Apple iPhones bekannt wurde.
Diesem Großaktionär folgt eine Reihe von kleineren institutionellen Beteiligungen wie der PPF Group NV mit etwa 3,8% und der Amiral Gestion SA mit rund 2,9%. Hinzu kommen weitere institutionelle Investoren mit anteiligen Beteiligungen und ein kleiner Anteil eigener Aktien, die von der Gesellschaft selbst gehalten werden. Unternehmenslenker Hannes Niederhauser, Vorstandsvorsitzender und strategischer Kopf des Unternehmens, hält ebenfalls eine direkte Beteiligung von etwa 2,1 % und hat indirekt über seine Beteiligungsholding grosso tec Zugriff auf weitere 2,65%.
Auffällige Insidertransaktionen
Die jüngsten veröffentlichten Insidertransaktionen zeigen vermehrte Käufe von Aktien durch Management und institutionelle Adressen, was üblicherweise als Vertrauenssignal in das Geschäftsmodell und die künftige Entwicklung verstanden wird. So meldeten Insider in mehreren Fällen Käufe von Kontron-Aktien zu verschiedenen Zeitpunkten im Jahr 2025, darunter größere Transaktionen durch Ennoconn International Investment Co. Ltd. mit Käufen von mehreren 30.000 Aktien-Losgrößen sowie wiederholte Käufe durch CEO Hannes Niederhauser und CFO Clemens Billek in den letzten Monaten, jeweils mehrere Tausend Aktien zu Kursniveaus um etwa 22 bis 24 Euro.
Im September 2025 wurde im Gegenzug eine größere Verkaufstransaktion eines früheren Investors gemeldet, der AUSTRO HOLDING AG, die rund 82.801 Aktien veräußerte, was die Dynamik institutioneller Umschichtungen unterstreicht.
Unterm Strich überwiegen die Insiderkäufe aber deutlich und unterstreichen, dass Führungskräfte und verbundene Investoren substantielles Vertrauen in das Geschäft und den Aktienwert haben.
Bullcase vs. Bearcase
Kontron erfindet sich ständig neu. Der umtriebige CEO Hannes Niederhauser entdeckt ständig neue attraktive Geschäftsfelder und kauft seine Kontron hier strategisch ein. Anschließend wird das Unternehmen um- und neustrukturiert und gegebenenfalls nicht zum neuen Kerngeschäft passende Teile veräußert.
Heute präsentiert sich die Kontron AG als ein technisch breit aufgestellter, globaler Anbieter von IoT- und Embedded-Lösungen, der sich erfolgreich von traditionellen IT-Geschäftsmodellen entfernt und auf höherwertige Software-, Lösungs- und IoT-Services fokussiert. Das Geschäftsmodell kombiniert Hardware, Software und Services und erlaubt es dem Unternehmen, in stark wachsenden Märkten wie Industrie 4.0, vernetzter Mobilität, automatisierten Infrastrukturen und Datensicherheit zu agieren.
Fazit
Die jüngsten Quartals- und Vorjahreszahlen zeigen trotz strategischer Portfolioumschichtungen robuste operative Leistungen, höhere Margen und eine starke Auftragsbasis mit Blick auf langfristiges Wachstum.
Auf Sicht von inzwischen sieben Jahren ist der Aktienkurs dennoch keinen Schritt vorangekommen und das ist weniger erfreulich für die Aktionäre. Auch wenn man berücksichtigt, dass zuvor innerhalb weniger Monate eine Kursvervielfachung stattgefunden hatte und ordentlich Vorschusslorbeeren eingepreist waren, gab es andernorts mehr zu verdienen. Doch die Chancen stehen recht gut, dass die neu positionierte Kontron bald auch wieder kursseitig den Turbo einlegt – die fortgesetzten Insiderkäufe signalisieren jedenfalls Vertrauen des Großaktionärs und des Managements in die Zukunftsperspektiven von Kontron.
Die 4 wichtigsten Dinge, die man über Kontron wissen muss
- Kontron ist ein international führender Anbieter von IoT- und Embedded-Computing-Lösungen mit starkem Fokus auf Industrie, Transport, Energie, Verteidigung und kritische Infrastruktur.
- Das Geschäftsmodell kombiniert Hardware mit zunehmend margenstarker Software, IoT-Plattformen und Services, wobei der Konzern sein Portfolio konsequent auf profitablere Bereiche ausgerichtet hat.
- Die jüngsten Quartalszahlen zeigen trotz Portfoliobereinigungen steigende Margen, starkes EBITDA-Wachstum und einen hohen Auftragsbestand, der gute Visibilität für die kommenden Jahre bietet.
- Eine stabile Aktionärsstruktur mit dem strategischen Großaktionär Ennoconn sowie wiederholte Insiderkäufe durch das Management unterstreichen das Vertrauen in die langfristige Unternehmensentwicklung.
Disclaimer: Habe Apple, Kontron auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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