Es war eine eine heftige Börsenwoche, nachdem Donald Trump am letzten Wochenende die feindliche Übernahme Grönlands zum Ziel erklärte und Strafzölle gegen Dänemark und die NATO-Partner und EU-Staaten verkündete, die daraufhin jeweils eine Handvoll Soldaten zur Erkundung der Situation vor Ort entsandt hatten. Die Börsen taumelten, auch wenn sie sich besser schlugen als die Male zuvor, als Trump die Zollkeule rausholte und wild um sich schlug.
Es folgte das übliche Trump-Strafzoll-Playbook:
- Am Freitag veröffentlicht Trump eine kryptische Botschaft, die Zölle für ein bestimmtes Land oder einen bestimmten Sektor ankündigt. Die Märkte geben nach, da die Unsicherheit steigt. Dies begann am Freitag, als Trump mit Zöllen gegen Dänemark drohte.
- Später am selben Tag oder kurz danach (in diesem Fall am Samstag) kündigt Trump einen neuen hohen Zollsatz an, oft 25 % oder mehr.
- Am Samstag und Sonntag wiederholt Trump seine erhöhten Zollandrohungen, um Druck auszuüben, während die Märkte geschlossen sind. Damit maximiert er die psychologische Wirkung.
- Über das Wochenende reagieren die von den neuen Zöllen betroffenen Länder in der Regel öffentlich oder signalisieren Verhandlungsbereitschaft.
- Am Sonntagabend, wenn die Terminmärkte wieder öffnen (in diesem Fall am Montagabend), fallen die Aktienmarkt-Futures als erste emotionale Reaktion auf die Schlagzeilen zu den Zöllen.
- Am Montag und Dienstag übt Trump weiterhin öffentlich Druck aus, aber die Anleger beginnen zu erkennen, dass die Zölle noch nicht in Kraft getreten sind und erst Wochen später, beispielsweise am 1. Februar, in Kraft treten sollen.
- Am Mittwoch derselben Woche treten Käufer auf den Plan, um den Dip zu kaufen, und lösen damit eine Erholungsrallye aus, die jedoch oft nur von kurzer Dauer ist und meistens von einem weiteren Rückgang gefolgt wird. In der Regel beginnt das "Smart Money" an dieser Stelle mit dem Kauf.
- Am folgenden Wochenende, etwa eine Woche später, gibt Präsident Trump bekannt, dass Gespräche im Gange sind und er mit den Staats- und Regierungschefs der von den Zöllen betroffenen Länder an einer Lösung arbeitet.
- Am Sonntagabend dieses Wochenende eröffnen die Futures aufgrund der zurückkehrenden Zuversicht deutlich höher, aber die Gewinne schwinden mit der Eröffnung des Kassamarktes am Montag.
- Nach der Eröffnung am Montag treten hochrangige US-Regierungsbeamte wie Finanzminister Bessent live im Fernsehen auf, um die Anleger zu beruhigen und die Fortschritte bei den Verhandlungen zu betonen.
- In den nächsten zwei bis vier Wochen geben verschiedene Mitglieder der Trump-Regierung weiterhin Hinweise auf Fortschritte bei den Verhandlungen über ein Handelsabkommen.
- Ein Handelsabkommen wird angekündigt und die Märkte erreichen neue Rekordhöhen.
- Wiederholung von Schritt 1.
Diesmal ging das alles im Zeitraffer, weil die meisten Regierungschefs beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos aufeinandertrafen und miteinander redeten. Und Trump hat zum ersten Mal eine annähernd geschlossene Front der EU-Länder gegen sich gehabt, die darüber hinaus noch mit einer Handels-Bazooka winkten - die EU ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner der USA und sollte die EU den Zugang der US-Unternehmen zu ihrem Markt deutlich beschränken, würde das in den USA zu einem massiven Jobabbau führen (und natürlich auch die EU-Staaten empfindlich treffen, aber Trump interessiert alleine die Wirkung auf die USA und seine immer weiter schwindenden Chancen im Hinblick auf die Zwischenwahlen im November).
Darüber hinaus brachte ein Analyst der Deutschen Bank noch die Finanz-Bazooka ins Spiel. Die EU-Länder kaufen und halten einen erheblichen Teil der US-Staatsanleihen, die das wachsende Budgetminus der USA finanzieren. Die EU-Länder könnten nicht nur den Kauf weiterer Anleihen unterlassen, sondern auch die bestehenden auf den Markt schmeißen. Das würde den Preis für alle US-Staatanleihen massiv einbrechen lassen und im Gegenzug die Zinsen extrem in die Höhe treiben. Egal für die bestehenden Anleihen, aber bei der Ausgabe neuer Schuldtitel würde sich deren Zinscoupon am Niveau der bestehenden orientieren. Bang! Im Grunde ist das viel mehr als eine Bazooka, es ist die Finanz-Nuklear-Option. Denn die darauf folgende Erschütterung des globalen Finanzsystems würde auch die EU-Länder, ihre Börsen und nachgelagert ihre Wirtschaft heftig treffen. Wie bei Nuklearwaffen üblich würden alle verlieren. Aber Trumps Panzer zeigte empfindliche Schwachstellen und er drohte umgehend mit... Strafzöllen.
Übrigens: den größten negativen Effekt erzielte Trump damit, dass er mehrfach betonte, die USA hätten noch nie von der NATO-Mitgliedschaft profitiert. Und auf die Unterstützung der Partner in Afghanistan (und im Irak) erklärte Trump schlicht, die hätten sich ja nur in zweiter Reihe aufgehalten und sich hinter den US-Streitkräften versteckt, "doing nothing for America since 9/11". Und damit hat er eine (emotionale) Grenze überschritten und alle gegen sich aufgebracht.
Während diese "Nichtstuns" hatten die beteiligten NATO-Partner folgende Gefallene zu beklagen:
- Großbritannien: 636
- Kanada: 160+
- Frankreich: 90
- Italien: 86
- Polen: 74
- Deutschland: 62
- Dänemark: 50
- Spanien: 46
- Australien: 43
- Niederlande: 27
- Tschechien: 15
- Estland: 11
- Norwegen: 10
Trumps Respektlosigkeit gegenüber den gefallenen Soldaten und ihrem Engagement an der Seite ihrer US-Verbündeten hat auch gewaltige Empörung unter den Ländern ausgelöst, die bisher wenig trumpkritisch aufgetreten waren.
Weitere Dümmlichkeiten waren vergleichsweise lächerlich. Dass Trump Grönland und Island ständig verwechselte oder dass er der Schweiz erklärte, ohne das Eingreifen der USA im Zweiten Weltkrieg würden man in der Schweiz heute Deutsch sprechen - was der größte Teil der Schweiz tut, aber nicht erst seit 1939, sondern seit Jahrhunderten (Deutsch ist die meistgesprochene Sprache in der Schweiz vor Französisch).
Trump entmystifiziert sich also zunehmend selbst, aber das macht ihn natürlich nicht weniger gefährlich. Die USA sind die stärkste globale Militärmacht, Wirtschaftsmacht und verfügen über die mit Abstand größte Finanzkraft. Trump wird immer öfter zum Verlierer, aber er hat die Macht, auch alle anderen verlieren zu lassen. Und in einer globalen Schlacht nur zweiter Verlierer zu sein, ist keine erstrebenswerte Aussicht. Insofern versuchen sich alle immer wieder zu beruhigen.
Dabei ist die Earnings Season inzwischen in Gang, auch wenn die Unternehmensergebnisse des 4. Quartal 2025 momentan wenig(er) Aufmerksamkeit finden. Mit Spannung wird vor allem erwartet, wie sich die KI-Hyperscaler schlagen und ob der KI-Boom Ermüdungserscheinungen zeigt. Mit Apple, Microsoft, Meta und Tesla legen vier der Mag7 vor, eine Woche später folgen noch Amazon und Alphabet. Wie hoch war ihr Capex und wird die KI-Party weiter befeuert? Und wie gestalten sich die Einnahmen aus diesen KI-Investments? Entwickeln sich hier tragfähige und profitable Businessmodelle? Und bei wem? Das sind die Fragen zum vierten Quartal, aber natürlich wird der Ausblick auf das laufende erste Quartal und die weiteren Perspektiven noch mehr darüber entscheiden, wie es mit den Aktienkursen weitergeht - und den Börsen insgesamt, denn die Mag7 dominieren in bisher ungekanntem Ausmaß den S&P 500 und auch den MSCI World.
Es gibt eben keine Chancen ohne Risiken. Aber auch keine Risiken ohne Chancen.
Der
Fear-and-Greed-Index ist von 62 auf 52 Punkte zurückgegangen. Er hat damit das "Gier-Territorium" wieder verlassen und zeigt sich nun wieder "neutral".
Nun der Blick in mein Depot, das in dieser Woche die Gewinne der Vorwoche wieder abgeben musste - und noch etwas mehr. Ich habe kürzlich meinen Jahresrück- und -ausblick veröffentlicht, in dem ich die allgemeinen Entwicklungen aufgegriffen habe. Die spiegeln sich auch überwiegend in meiner Depotaufstellung wider; in meinem Investor-Update zum 4. Quartal 2025 bin ich detailliert auf meine größten Depotposition eingegangen und was hinter den Veränderungen bzw. der neuen Gewichtung steckt.
Im Grunde haben die Gewinner der Vorwoche ihre Gewinne wieder abgegeben und sogar etwas mehr. Finanzinvestoren gaben stärker ab als KI-Schaufelverkäufer, aber auch Rüstungswerte schwächelten und ebenso Luft- und Raumfahrtwerte.
Während die Exit-Pipeline bei den Finanzinvestoren
in den letzten Jahren etwas verstopft war, hellt sich die Lage hier zusehends
auf. Dem entsprechend winken deutlich zunehmende Provisionserlöse aus
Verkäufen, was die Gewinne antreiben dürfte. Bisher kamen die Steigerungen
überwiegend durch das Wachstum der Assets under Management, doch das
Wachstumstempo ließ zuletzt nach – weil die Finanzinvestoren ihren Anlegern
nicht genügend altes Investmentkapital zurückzahlten, da es noch in Assets
gebunden war, hielten die sich mit der Zusage neuer Gelder spürbar zurück.
Zudem sanken die durchschnittlichen Provisionssätze, was Kritiker als Red Flag
ansehen. Doch der Trend geht Richtung größerer Fonds und dort sind die Gebühren
per se niedriger – wie auch die Kosten für die Asset Manager. Daher sinken ihre
Margen also nicht, obwohl die Provisionssätze niedriger liegen als früher.
Insgesamt behaupten sich die Großen der Branche deutlich besser als die Kleinen
und mit Apollo, Brookfield und KRR sehe ich mich hier genau richtig
positioniert für deutlich zweistellige Zuwachsraten auch in den nächsten
Jahren.
Dabei zeigt sich KKR weiterhin
besonders aktiv im Bereich Private Equity. So hat man seine Beteiligung an OneStream
für 24 USD je Aktie an die Private-Equity-Gesellschaft Hg verkauft und damit zu
einem Gesamtkapitalwert von rund 6,4 Mrd. USD. Damit erzielt KKR eine interne
Bruttorendite von 24,9 % auf Basis seiner ursprünglichen Investition in
OneStream im Jahr 2019. KKR hat damit in relativ kurzer Zeit sein eingesetztes
Kapital verviereinhalbfacht; die Investition erfolgte über KKRs Fonds Americas
Fund XII und Next Generation Technology, die beide eine starke Performance
gezeigt haben. So liegt die Netto-IRR des Americas Fund XII bei 19,9 % und die
des NGT-Fonds bei 23,7 %. KKR als Asset Manager erzielte hieraus die stetigen
Managementprovisionen und nun auch eine Gewinnbeteiligung.
Solche Erfolge bleiben nicht ohne
Wirkung und so vermeldet KKR, man werde wohl sein Ziel von 20 Mrd. USD für
seinen neuen Flaggschiff-Private-Equity-Fonds für Amerika übertreffen und peilt
nun eher 22 Mrd. USD für den North America Fund XIV an.
Während man in Asien gerade 2,5 Mrd.
USD für seinen zweiten auf Asien ausgerichteten Private-Credit-Fonds eingeworben
hat, liegt der Investitionsschwerpunkt nun auf Europa. RDer deutsche Energieriese RWE erhielt den
Zuschlag für die beiden neuen britische Nordsee-Windparks Norfolk Vanguard East
und West und verkauft die Hälfte davon an KKR. Des Weiteren investiert man
gemeinsam mit Oak Hill Capital in Global Technical Realty, eine
milliardenschwere europäische Plattform für maßgeschneiderte Rechenzentren; KKR
übernimmt rund 1,5 Mrd. USD, Oak Hill gut 400 Mio. USD. Zudem erhöht KKR seine
Beteiligung an dem kommerziellen Flugzeug-Leasingunternehmen Altavair und
dessen Schwesterunternehmen AV AirFinance.
Bei KI-Rechenzentren mischt auch Apollo
mit und stellt eine Finanzierung von 3,5 Mrd. USD für Valor Compute
Infrastructure zur Verfügung, um deren Kauf und Leasing von Recheninfrastruktur
für Rechenzentren für Elon Musks xAI im Wert von 5,4 Mrd. USD zu unterstützen.
Rocket Lab litt unter einem negativen Testergebnis zu seiner neuen Neutron-Rakete. Bei Überbeanspruchung eines Tank hielt dieser nicht stand - dafür sind Tests ja da. Es sollen mögliche Fehlerquellen frühzeitig ausgemerzt werden, damit später bei den Starts im Regelbetrieb nichts schiefgeht. Aber der Kurs preist so viel Zukunftsoptimismus ein, dass
kein Platz für Fehlschläge ist. So betrachtet hat sich der Kurs ziemlich wacker gehalten.
Costco meldete für den Einzelhandelsmonat Dezember einen Anstieg der vergleichbaren Umsätze um 7,0 %. Der vergleichbare Umsatz im E-Commerce stieg in dem Monat, in dem auch die Weihnachtsausgaben enthalten sind, um 18,9 %. Der Gesamtumsatz für den vierwöchigen Zeitraum bis zum 31. Dezember stieg um 8,5 % auf 29,9 Mrd. USD und lag damit deutlich über dem Durchschnitt des Einzelhandelssektors. Die nächste Quartalsdividende wird wieder 1,30 USD je Aktie betragen und am 13. Februar gezahlt; Ex-Dividendentag ist der 30. Januar.
Interessant, dass du dich so intensiv mit Donald Trump beschäftigst, obwohl du ihn ja offensichtlich nicht magst. Ich hätte gar nicht die Zeit dafür.
AntwortenLöschenDiese Äußerung kann ich nicht mal ansatzweise nachvollziehen. Selbstverständlich beschäftige ich mich mit Don Trump und es spielt dabei überhaupt keine Rolle, ob ich ihn leiden kann, oder für dumm halte, oder einen Spinner oder Rassisten oder Vergewaltiger oder Pädophilen oder Gottes Geschenk an die Welt. Trump hat größte Relevanz, weil er der amtierende US-Präsident ist. Relevanz für die USA, Europa, die Welt, die Wirtschaft, den Welthandel, die globale Sicherheitslage. Für alles. Sich nicht mit Trump und seinen Auswirkungen auf diese Faktoren zu beschäftigen, wäre geradezu fahrlässig - nicht nur im Hinblick auf das eigene Wertpapierdepot.
LöschenWas ist daran interessant, wo du doch gar keine Zeit hast, dich mit der aktuellen politischen Weltlage zu "beschäftigen"?
LöschenGute Antwort!
LöschenVolle Zustimmung!
LöschenWas hältst du aktuell von Novo Nordisk? Ergibt sich hier aktuell eine gute Chance zum Einstieg?
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