Mittwoch, 25. März 2026

Kissigs Kloogschieterei: Am Öle hängt, zum Öle drängt doch alles

Trumps Nahost-Krieg gegen den Iran entwickelt sich wie zu erwarten war. In der ersten Woche verkündete der US-Führer "wir haben gewonnen", nach Woche zwei hieß es "wir gewinnen" und anschließend rief er nach der Hilfe anderer Länder, insbesondere seiner europäischen Partner. Wie ratlos er und seine Kriegstreiber im Oval Office wirklich sind, offenbart seine Aussage, niemand habe ahnen können, dass der Iran seine Nahbarstaaten und die Straße von Hormus unter Feuer nehmen würde. Dabei haben Experten genau dieses Szenario vorhergesagt. Sein eigener Experte Nate Swanson hatte genau dies vier Tage vor dem Angriff auf den Iran in einem Artikel öffentlich dargelegt. Doch in Trumps Welt gibt es nur (s)eine Wahrheit und nur was er hören will, dringt zu ihm durch. Und die Welt blutet unter dem selbsternannten "Friedenspräsidenten".

Der Iran nutzt seine Möglichkeiten, um Druck auf die USA aufzubauen. Denn durch die Attacken kommt die globale Ölversorgung kräftig ins Stottern und das hat Folgen. Der Ölpreis steigt und vor allem wird Öl knapp. Selbst wenn viele Länder bereits ihre strategischen Ölreserven auf den Markt werfen. Öl steckt in fast jedem Produkt, ob in Margarine, Kosmetik, Reifen, Kleidung, Medikamenten. Und der deutliche Anstieg des Ölpreises verteuert deren Produktion und das wird schon bald die Unternehmen zu Preisanhebungen zwingen, die dann an die Verbraucher weitergegeben werden (müssen). Inflation feiert absehbar ihr Comeback. Und damit sinken die Chancen auf Zinssenkungen seitens der US-Notenbank, egal wer dort in Zukunft das Ruder übernehmen wird; inzwischen werden Zinsanhebungen sogar wieder zu einem realistischen Szenario und die Traumakombination aus Rezession und Inflation namens Stagflation geistert durchs Gebälk...

Während die USA energieautark sind, da sie dank Fracking inzwischen sogar zum Öl- und Gasexporteur geworden sind, muss Europa seine Energie teuer auf den Weltmärkten einkaufen. Der Standortnachteil wird zu noch mehr Abwanderung von energieintensiven Unternehmen führen. Dabei gegen Energieverbrauch und Wohlstandsentwicklung eines Landes Hand in Hand – trotz Energieeffizienzanstrengungen.

Allerdings gibt es nicht nur einen Preiseffekt. Denn Irans Angriffe auf die Energieinfrastruktur seiner Nachbarn hat auch Katar schwer getroffen und dort schwere Schäden an den Produktionsanlagen im Industriekomplex Ras Laffan, der weltweit größten LNG-Anlage, angerichtet. Der staatliche Öl- und Gaskonzern Qatar Energie vermeldete den Ausfall von 17% der weltweiten LNG-Kapazitäten und wird bis zu 5 Jahre benötigen, um alle Schäden zu beseitigen und die Anlagen wieder auf volle Produktionsleistung zu bringen. Doch damit nicht genug: bei der Verflüssigung des Erdgases, also der Transformation in Flüssigerdgas (LNG), fällt Helium ab und das ist unabdingbar für viele Einsatzgebiete, wo es um Kühlung geht. So kommt Helium unter anderem in der Medizin, der Industrie, Luftfahrt und Kryotechnik zum Einsatz. Beispielsweise benötigen MRT-Geräte Helium zur Kühlung und bei der Chipherstellung droht ohne Helium der Produktionsstillstand. Die Preise für Smartphones, Computer uvm. könnten daher nicht nur deutlich steigen, sondern viele Entwicklungen "entschleunigt" werden müssen. Hier geht es auch um den Ausbau von KI-Rechenzentren, also einem der größten globalen Wachstumstreiber.

Hier droht also ziemliches Ungemach, selbst wenn der Nahost-Krieg morgen enden würde. Und danach sieht es nicht aus. Zwar phantasiert Don Trump über einen Deal, den der Iran angeblich unbedingt wolle, doch der Iran dementiert jegliche Gespräche mit den USA und setzt seine Angriffe weiter fort - während Trump 3.000 Elite-Fallschirmjäger an den Golf beordert hat. Der Verwirrte verwirrt alles und jeden. Und sich selbst wohl am meisten. Selbst der frühere CIA-Chef sagt öffentlich, dass er den Aussagen des Iran mehr traue als denen des US-Präsidenten!

Und was macht die Börse?

Die Börsen kommen bisher eigentlich ganz gut klar. Wir erleben seit dem Jahresstart ein Umsteuern hin zu zyklischen Value-Unternehmen. Der Energiesektor liegt mit knapp 30% Zuwachs an der Spitze vor Energieversorgern und Basiskonsumgütern mit jeweils über 10%. Informationstechnologie hat 5% verloren, Finanzwerte sogar über 10%. Dabei liegen große US Value-Werte mit 2% im Plus, während US-Bluechips mit knapp 3% im Minus liegen und große US-Wachstumswerte sogar mit 7,5% - mit den "Magnificent 7" versenkte man in 2026 bisher über 9%. Echt schlaff.

Doch nun kommt ein absehbares Szenario auf uns zu:
  • erhöhte Energiepreise
  • deutlich steigende Inflation
  • erhöhtes Zinsniveau und eventuell sogar Zinsanhebungen
  • stark steigende Rezessionstendenzen in den USA und Europa (und Asien)
  • Mangellage bei Seltenen Erden und einigen weiteren Rohstoffen
Die Ergebnisse dieser Entwicklungen zeigen sich bald in der Wirtschaftsentwicklung der Staaten und in den Ergebnissen der Unternehmen. Die Kosten steigen, die Nachfrage der Kunden sinkt und damit schrumpfen die Margen und Gewinne. Das wird Druck auf die Aktienkurse nach sich ziehen, denn die nicht gerade niedrigen Börsenbewertungen prallen auf geringere Wachstumsaussichten und weniger Gewinn. Wie sowas abläuft, haben wir in 2022 gesehen, einem der miesesten Börsenjahre der Geschichte.
Diese Entwicklungen werden zu einem globalen Wohlstandsverlust führen. Je schneller der Nahost-Krieg endet, desto besser für uns alle. Gandhi sagte einst: "Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg". Doch leider sitzt nicht Gandhi im Oval Office…

Ein paar Lichtblicke gibt es aber auch: die Zinsen für US-Staatsanleihen haben sich wieder auf 5% hochkatapultiert und das ist die Schmerzgrenze, ab der die US-Staatsfinanzen unter Last schwer zu ächzen beginnen. Trump will und muss daher gegensteuern. Zudem drücken die gestiegenen Energiepreise und sein Angriffskrieg in Nahost auf die Stimmung, so dass sogar seine MAGA-Jünger von ihm abfallen. Im Spätherbst stehen Midterm-Wahlen zum Kongress an und Trumps Republikanern droht ein Fiasko - samt Mehrheitsverlust. Ken Fisher weist gerne darauf hin, dass Zwischenwahljahre gute Börsenjahre sind - allerdings gibt es zunächst heftige Turbulenzen, bevor sie gegen Ende stark performen. Das klappt aber nicht immer, wie das Jahr 2022 gezeigt hat.

Für Anleger gibt es leider keine Blaupause, wie sie am besten durch die stürmische Phase kommen. Die Stimmung ist bereits jetzt so mies, dass hier viel Negatives eingepreist ist. Andererseits ist in den Erwartungen an die in diesem Jahr noch kommenden Unternehmensergebnisse bisher wenig von den Entwicklungen eingepreist und es dürfte demnächst zu Revisionen kommen, bevor die Ergebnisse selbst dann die Einschläge aufzeigen. Besonders schwierig wird - erneut - der Einfluss von KI. Denn KI wird in vielen Bereichen zu deutlichen Kosteneinsparungen führen, vor allem bei Personalkosten, und das wird sich in vielen Branchen durch die Ergebnisse fressen. Wie schnell und ob dies die negativen anderen Einflüsse kompensieren kann, wird sich zeigen.

Alle Aktien zu verkaufen, ist sicherlich keine gute Lösung. Nichts zu tun, aber auch nicht. Am erfolgversprechendsten dürfte es sein, sich von den Branchen und Unternehmen zu trennen, die am heftigsten unter den absehbaren Entwicklungen leiden werden, und im Gegenzug stärker auf die potenziellen Profiteure zu setzen. Da von weiteren heftigen Börsenschwankungen auszugehen ist in den nächsten Monaten, könnte Buffetts Rat, immer etwas Geld für die Schnäppchenjagd in der Rückhand zu behalten, gar nicht so verkehrt sein. Man muss dann aber auch den Mut aufbringen, zuzugreifen, wenn die Kurse unter Druck stehen, selbst wenn dann noch keine guten Nachrichten die Schlagzeilen bestimmen. Und genau hieran scheitern die meisten Anleger.

Es bleibt also spannend. Und im Nachhinein werden wieder (fast) alle alles richtig gemacht haben und mit ihren Timingerfolgen prahlen. Die ganzen Verlustbringer fallen der Siegeserzählung zum Opfer - so war es immer schon und so wird es auch diesmal wieder sein. Auch ich werde berichten: über meine Investor-Updates zum Quartalsende. Das nächste ist gar nicht mehr soweit hin...

Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

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