Der Kampf ums Öl ist wieder voll entbrannt. Trump greift den Iran an, um dessen Regime zu beseitigen, weil dieses weiterhin nach der Atombombe strebe. Einen Regimewechsel in Teheran ist nicht das oberste Ziel, aber Mittel zum Zweck. Ein Nebeneffekt dabei ist… China. Denn über 90% des iranischen Öls fließt ins Reich der Mitte.
Erst vor zwei Monaten hatte Trump Venezuelas Staatschef Maduro in seine Gewalt gebracht und die neue venezolanische Führung ging auf Schmusekur – deren Öl fließt inzwischen Richtung USA. Und inzwischen auch ein bisschen nach Indien, um dort russisches Öl zu ersetzen.
Russland wiederum droht nun, Westeuropa den Öl- und Gashahn völlig abzudrehen – was die EU selbst bereits anpeilt, aber eben nicht sofort. Putin versucht händeringend sein Öl an den Mann zu bringen und das klappt vor allem in China. Und der Iran? Der reagiert auf den Angriff Israels und der USA nicht nur mit Gegenattacken auf diese beiden und US-Stützpunkte in der Region, sondern nimmt ganz gezielt arabische Nachbarstaaten unter Feuer. Und dort deren Öl-Produktion. Zudem erklärte der Iran die Sperrung der Straße von Hormus, durch die täglich zwischen 17 bis 20 Mio. Barrel Rohöl, Kondensate und Ölprodukte geschifft werden und damit 20% bis 30% des weltweiten täglichen Ölbedarfs.
Die großen Förderländer am Persischen Golf Saudi-Arabien, Iran, Irak, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar sind auf diesen Seeweg angewiesen. Und auch LNG ist tangiert, Europas erhoffte Alternative zu russischem Erdgas, denn etwa 20% des weltweiten Flüssigerdgases werden durch die Meerenge verschifft, insbesondere aus Katar. Katar musste seine Produktion stoppen, da die Anlagen von Iran angegriffen wurden. Iran will so die Energiemärkte preisschocken, um Druck auf die USA zu erzeugen. Doch zunächst trifft man China, denn größter Abnehmer von Katars LNG sind die Chinesen.
Panikmacher sprechen von Ölpreisen von 150 USD je Barrel oder werfen gleich 200 USD in den Raum. Das trifft auf fruchtbaren Boden und nachdem der Ölpreis seine zweitstärkste Tagesschwankung aller Zeiten hingelegt hat (nur während des Corona-Crashs war es noch mehr), liegen die Nerven blank. Aktuell muss man für Öl (WTI) wieder um die 85 USD bezahlen, was immer noch deutlich höher ist, als vor Ausbruch des Iran-Kriegs. Kein schlechter Zeitpunkt, um sich mal die Fakten anzusehen. Und so hat Torsten Slok von Apollo Global Management mal die Auswirkungen eines anhaltenden Ölpreises auf die US-Wirtschaft bei 100 USD (WTI) dargelegt, die auf Modellen der Fed basieren:
- Inflationsrate +0,7%
- Kerninflationsrate +0,1
- Arbeitslosenrate +0,1%
- BIP -0,1%
Nicht unerheblich, aber auch nicht wirklich heftig. Bei 150 USD oder gar 200 USD je Barrel sähe die Sache natürlich komplett anders aus.
Mein Fazit
Im Kampf ums Öl gibt es mehr als einen säbelrasselnden Warlord und alle halten die Lunte ans Pulverfass. Europa sitzt – wieder einmal – zwischen den Stühlen. Man spielt keine militärische Rolle, keine politische und man ist auf Energielieferungen angewiesen, weil man selbst kaum welche hat. Der Leidensdruck nimmt zu, weil die Industrie wegen der hohen Preise bereits abwandert. Aber noch ist er nicht hoch genug, als dass er strukturelle Veränderungen erzeugen würde. Aber das kommt noch.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte soeben, die vollständige Abkehr von der Atomenergie sei ein "straegischer Fehler" gewesen und müssen korrigiert werden. Insbesondere Deutschland hat hier den Stecker gezogen unter Bundeskanzlerin Angela Merkel - und von der Leyen war damals Mitglied in deren Kabinett und entschiedene Befürworterin des Atom-Ausstiegs. Doch "was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? Nichts hindert mich, klüger zu werden", sagte einst Bundeskanzler Konrad Adenauer. Der war übrigens nicht nur weise, sondern Mitglied der CDU - wie auch Merkel, von der Leyen und der amtierende Bundeskanzler Friedrich Merz. Ob aus der Erkenntnis auch ein Umdenken und dann Umschwenken wird? Kaum vorstellbar, denn Merz regiert nicht alleine, sondern mit der SPD, die unter ihrem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder in dessen Rot-Grüner-Koalition einst den Atom-Ausstieg eingeleitet hat - und sklavisch daran festhält. Das jüngste Landtagswahlergebnis mit magersüchtigen 5,5% scheinen da auch nichts zu bewegen. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt...
Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig
Disclaimer: Habe Apollo Global auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

Der Grund für den mit hohen Entschädigungszahlungen verbundenen Ausstieg aus der Atomkraft von Merkels CDU war Fukushima. Während man bei Tschernobyl den Bürgern noch verkaufen konnte, dass die Sowjetunion im Jahr 1986 die Technologie nicht gut im Griff hatte und nicht sorgfältig genug agiert hatte, krankte diese Argumentation 2011 bei den Japanern. Natürlich gab es 2011 noch die Fehleinschätzung von CDU und SPD, dass man in Russland einen zuverlässigen Gaslieferant hat, dass dies nicht so ist, ist jedoch spätestens seit 2014 klar. Was ist aus Deiner Sicht der Punkt, bei dem von der Leyen jetzt einen Erkenntnisgewinn hat, der sie zum Umdenken bringt?
AntwortenLöschenIch persönlich hätte nichts gegen Atomkraftwerke in Regionen mit wenig Stromproduktion, z.B. in Bayern, wobei dann selbstverständlich dort auch das Endlager hingehört, die Atomkraftwerke eine Drohnenabwehr benötigen und man mit Versicherungen und Rückversicherungen sprechen muss, damit Großschäden nicht durch Steuergelder bezahlt werden (wie in Fukushima und Tschernobyl). Bei der CDU & AfD hapert es leider aktuell an diesen, aus meiner Sicht, Selbstverständlichkeiten.
Diese Einschätzung zu Russland teile ich nicht. Die Sowjetunion und anschließend auch Russland haben zu keinem Zeitpunkt den Gashahn zugedreht, nicht einmal während der Berliner Blockade oder der Kuba-Krise. Und auch nicht 2014 oder 2022. Die EU (und Deutschland) haben ihrerseits den Verzicht auf russisches Erdgas erklärt. Russlands Zuverlässigkeit als Gaslieferant kann man also nicht wirklich infrage stellen. Was nicht bedeutet, dass ich den weiteren Kauf von russischem Erdgas befürworte.
LöschenDas Umdenken dürfte sein, dass die regenerativen Energien nicht halten können, was sich Grünmenschen davon versprechen. Einerseits ist die Energie nicht wirklich sauber, das zwar die Stromerzeugung selbst ohne Emissionen auskommt, aber Solaranlagen und Windräder bei ihrer Herstellung, Errichtung, Betrieb und Rückbau Unmengen an CO2 emittieren und massenhaft "seltene Erden" verschlingen. Zudem besteht das Problem der "Dunkelflaute", das solange ein Riesenproblem bleibt, wie es keine ausreichend effiziente Speichertechnologie gibt und diese auch in benötigten Mengen am Netz ist.
Die "Alternative" zu russischem Erdgas wurde die letzten Jahre in dem wesentlich teuren LNG gesehen und bis vor ein paar Wochen galt die Maxime, LNG sei jederzeit und absolut zuverlässig verfügbar. Ist es aber nicht, wie wir (spätestens) jetzt erkennen müssen.
Europa fehlen schlich die wirklichen Alternativen zu russischem Gas, sowohl was Verfügbarkeit als auch den Preis angeht. In beiden Belangen und auch im Hinblick auf den CO2-Fußabdruck präsentiert sich Atomstrom als reale Alternative. Und es ist schon verlogen, in Deutschland die AKWs abzuschalten, sich zur atomstromfreien Zone zu erklären und dann ständig auf Atomstrom aus Frankreich angewiesen zu sein. Noch so eine Energiewendelüge. Und nein, ich bin kein Gegner der alternativen Energien und erst recht kein Verleugner des Klimawandels. Aber ich bin Realist und ich befürworte eine verträgliche Energiewende, die weder die Versorgungssicherheit gefährdet noch unsere Industrie und damit Deutschlands Wohlstandsmodell kastriert. Doch aktuell und bereits seit einigen Jahren passiert genau das. Und das finde ich unverantwortlich.
Das Gerhard Schröder den Atomausstieg eingeleitet haben soll ist mir neu.
AntwortenLöschenUnd doch war es genau so: Der von der rot-grünen Bundesregierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) im Jahr 2000 eingeleitete und 2002 gesetzlich verankerte Atomausstieg war der erste offizielle Schritt zum Ende der Kernenergienutzung in Deutschland. Rot-Grün hatte den Kraftwerksbetreibern die Pistole auf die Brust gesetzt und diese sich daher auf eine Einigung eingelassen, den sog. "Atomkonsens", der für sie das kleinere Übel darstellte, da er eine verbindliche Laufzeitbegrenzung enthielt, um einen geordneten Ausstieg ohne lange Gerichtsverfahren zu ermöglichen. Die "Einigung" erfolgte bereits Mitte 2000 und der "Atomkonsens" trat dann 2002 in Kraft.
LöschenCDU/CSU und FDP waren von Anfang an dagegen und wollten den Atomausstieg rückgängig machen. Die schwarz-gelbe Bundesregierung unter Angela Merkel beschloss 2010 dem entsprechend eine Verlängerung der Laufzeiten der AKWs. Doch unmittelbar nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima (2011) vollführte Merkel eine Kehrtwende und kassierte nicht nur die Laufzeitverlängerung ein, sondern forcierte auch noch den noch schnelleren Atomausstieg.