Sonntag, 14. Juni 2026

Kissigs Rückblick 24/2026: Meine stärksten Kurstreiber im Depot waren Almonty, Rocket Lab, Vincorion, Deutsche Rochstoff, Texas Pacific Land - doch SpaceX sprengte alle Ketten

Die Top-Werte meines Investmentdepots veröffentliche ich jeweils zum Quartalsende in meinen Investor-Updates und meine Beobachtungsliste aktualisiere ich wöchentlich.

Ergänzend gebe ich heute eine kurze Übersicht zu den Werten, die in der letzten Woche mein Investmentdepot am stärksten bewegt haben. Dabei geht es um alte Bekannte und neue Liebschaften. Und es gibt die eine oder andere Überraschung nebst altkluger Einschätzungen. Natürlich... ツ

Dies waren in der vergangenen Börsenwoche die größten Gewinner und Verlierer in meinem Depot:

📈 Almonty Industries +7,9% 
📈 Van Eck Dividend Leaders ETF +3,5% (+1,9% zzgl. Dividende)
📈 KKR & Co. +2,6%
📉 LandBridge -1,6%
📉 2G Energy -2,5%
📉 Alphabet -2,8%
📉 Texas Pacific Land -3,1%
📉 Deutsche Rohstoff AG -3,5%
📉 Vincorion -4,0%
📉 Rocket Lab -7,4%

Es war eine weitere heftige Börsenwoche, in der es zunächst weiteren starken Abwärtsdruck gab, bevor dann das erfolgreiche IPO von SpaceX am Freitag eine kräftige Erholung einleitete. Und man muss schon sagen, dass der größte Börsengang aller Zeiten ein voller Erfolg war. Die Aktie ist extrem gehypt und massiv überbewertet, aber die Anleger haben sich trotzdem um die Anteilsscheine gerissen. Sie wurden zu 135 Dollar ausgegeben, starteten mit 150 Dollar und endeten mit 161,11 Dollar. Das war ein sattes Plus von 19% und in der Spitze stand der Kurs bei 172,90 Dollar, was SpaceX auf eine Marktkapitalisierung von 2,3 Billionen Dollar brachte. Einfach astronomisch.

Quelle: Tomicek, Facebook
Es steckt nun viel Geld in SpaceX-Aktien, die andernorts fehlen. Und so haben im Vorfeld viele andere Werte gelitten, weil hier Geld abgezogen worden war. So auch - erneut - bei Wettbewerbern, wie "meiner" Rocket Lab, die nach den üppigen Verlusten der Vorwoche nun weiter abgaben.

Die Nachfrage nach SpaceX wird aber nicht so schnell abebben, denn nach den eigens für diesen Börsengang veränderten Fast Entry-Regeln der NASDAQ wird der Wert schon bald in den NASDAQ 100 aufgenommen und alle Fonds und ETFS, die sich hieran orientieren bzw. diesen Index nachbilden, müssen dann entsprechend SpaceX-Aktien kaufen. Glücklicherweise basiert die Gewichtung nicht auf dem Börsenwert, sondern "nur" auf dem verfügbaren Anteil. Daher wird SpaceX den NASDAQ 100 nicht vollends korrumpieren. Eine massive Vermögensverschiebung von passiven Indexinvestoren (also Kleinanlegern) hin zu Frühphaseninvestoren von SpaceX (also Großkapitalisten) ist also in vollem Gange. Und auch als Wirtschaftsliberaler sehe ich diese Entwicklung mit großer Sorge. Aber in den Trump-USA ist die Bereicherung der Superreichen zulasten der weniger Wohlhabenden und des Mittelstands ja inzwischen Tagesgeschäft.

Die Inflation kommt ist da. Die hohen Ölpreise durch den Iran-Krieg treiben die Teuerung in den USA (und Europa) weiter in die Höhe. Die US-Verbraucherpreise sind im Mai gegenüber dem Vorjahr um 4,2% gestiegen und auch die Kernrate hat mit einem Plus von 2,9% kräftig zugelegt.

Ich warne ja schon länger vor dieser absehbaren Entwicklung, nun trifft sie uns - aber die volle Wucht beginnt gerade erst auszuholen.
Nächste Woche lenkt der neue Fed-Chef Kevin Warsh erstmals die Sitzung der US-Notenbank und während US-Präsident Donald Trump noch immer auf Zinssenkungen hofft, spielt der Markt inzwischen deutlich offensiver die Zinserhöhungskarte. Aber wohl noch nicht sofort, sondern eher im Jahresverlauf - wenn die Inflation uns dann eine volle Breitseite in die Parade ballert. Die EZB hat dem Druck jedenfalls schon nachgegeben und die Zinsen erstmals seit drei Jahren wieder angehoben und ihren Einlagensatz von 2,00% auf 2,25% auf 2,5% erhöht.

Auswirkungen auf die Inflation könnte auch ein Ende des Iran-Kriegs haben. Trump verkündet ja bereits zu zigsten Male, dass ein Friedensabkommen unmittelbar bevorstehe, aber das war bisher immer nur Schall und Rauch. Nun solle es am heutigen Sonntag wieder mal soweit sein - abwarten. Vor allem die Details werden entscheidend sein.

Eine völlige Öffnung der Straße von Hormus (ohne Beschränkungen und Wegelagerabgaben) wäre eine deutliche Entspannung für die Öl-Märkte. Aber keine schnelle, denn es wird Monate dauern, bis das Vorkriegsniveau wieder erreicht wird und die 20% der Welt-Öl-Verschiffung wieder reibungslos fließen.

Derweil bestehen die massiven Beschädigungen an den Energieeinrichtungen auf beiden Seiten fort (Iran und arabische Nachbarn), so dass die Förderung längere Zeit nicht das Vor-Kriegsniveau erreichen wird. Die Ausfälle wurden und werden durch Fördererhöhungen (teilweise) kompensiert, vor allem durch die USA und Venezuela. Zudem wurden weltweit strategische Öl-Reserven freigegeben, um die Märkte zu versorgen. Diese Lager müssen wieder aufgefüllt werden. Aber den größten preisdämpfenden Effekt hatte ein deutliche Nachfragerückgang, vor allem au Asien. Denn dort wird rationiert und die Wirtschaft geht deutlich zurück. Für die globale Nachfrage, nicht nur nach Öl, ist das ein lautes Warnsignal.

Öl-Aktien litten jedenfalls unter den fallenden Ölpreisen und auch Rüstungsaktien legten erneut den Rückwärtsgang ein. Und diese Entwicklung bestimmte auch das Geschehen in meinem Depot.

Der Fear-and-Greed-Index ist in der letzten Woche von 42 auf 34 Punkte weiter abgerutscht zeigt nun "Angst" in den Augen der Börsianer. Ob daraus auch noch Panik wird, bleibt abzuwarten.


Nun der Blick in mein Depot, das in dieser Woche deutlicher Federn lassen musste trotz starker Zuwächse bei einzelnen Werten.

Meine Wolfram-Spekulation Almonty Industries hat nach dem Durchziehen ihrer fetten Kapitalerhöhung von 800 Mio. Dollar mittels einer Wandelanleihe den großen Kursschock überwunden und konnte sich angesichts der Hauptversammlung wieder stabilisieren.
Große neue Erkenntnisse von CEO Lewis Black zu seiner "Mistery Box" gab es nicht und so warten wir mal weiter ab, ob es wirklich um eine attraktive Übernahme geht. Ein Teil der frischen Mittel geht jedenfalls in die Ablösung alter und vergleichsweise teurer Kredite aus den Anfangszeiten des Sangdong-Projekts, was künftig einiges an Zinslasten aus dem Finanzergebnis und damit der GuV nehmen wird. Kluger Schachzug!

Ende Juni wird Almonty in den Russel 1.000 aufgenommen, was einerseits eine Art Ritterschlag darstellt und andererseits für zusätzliche Nachfrage institutioneller Investoren und Fonds/ETFs sorgen wird.

Meine Öl-Werte gaben allesamt nach, ob nur Produzenten wie die Deutsche Rohstoff AG oder Royalty-Plays wie Texas Pacific Land und LandBridge. Damit reagierten sie auf die Headlines eines gesunkenen Ölpreises. Aber eigentlich gibt es hier nicht viel zu sehen und schon gar keinen Handlungsdruck.


Mein Vermögen hatte schnell und stark auf +10% zugelegt, doch nach einigen heftigen Rücksetzern lag es zum Ende des 1. Quartals bei -1,5%. Nach vier starken Wochen im April zeigt sich der Mai eher durchwachsen bis launisch. Der Juni hat bisher ordentlich Rendite gekostet und das war auch in der zweiten Woche, trotz des Freitagsrebounds, nicht anders: es ging im Wochenverlauf um 0,75% weiter.

Meine 2026er Vermögensveränderung liegt nun bei +5,75% (YTD).

Meine Cashquote liegt bei für mich unüblichen 20% 10% 7,5% 2,5% und meine Gründe dafür habe ich inzwischen ja mehrfach erläutert. Zuletzt und sehr ausführlich in meinem aktuellen Investor-Update.

Mein Investor-Update zum Q1/2026 - brandneu und in Farbe!
Auf welche Unternehmen und welche Schwerpunkte ich in meinem Depot setze zeigt mein Investor-Update, das ich immer zu Ende eines Quartals veröffentliche - quasi mein persönliches 13F.
Meine langfristige durchschnittliche Zielrendite liegt bei +15% pro Jahr. Bei diesem Wert lande ich selten; meistens liegt meine Performance bei über +20%, aber alle drei bis vier Jahre auch im Minus, teilweise satt. Seit ich meiner Ergebnisse ermittle, also seit 2011, komme ich auf rund 20% pro Jahr. Auch dank einiger herausragender Jahresergebnisse, zu denen insbesondere 2023 und 2024 zählen.

Die Börse verläuft nicht linear und auch wenn sie auf lange Sicht rund 10% pro Jahr zulegt, tut sie dies doch unter teilweise heftigen Schwankungen. Die sollte man aushalten und sich nicht aus seinen Qualitätsaktien herausdrängen lassen. Auch wenn heftige Korrekturen emotional stressig sind und der Weg zur Wunschrendite anschließend sehr viel länger ist. Ich versuche immer im Hinterkopf zu behalten, dass ich nicht mit Aktien spekuliere, sondern in herausragenden Unternehmen investieren, dort also Miteigentümer werde. Auch deshalb fahre ich einen fokussierten Investmentstil mit selten mehr als 15 Werten im Depot. Ich will und muss mich in "meinen" Unternehmen eben gut auskennen. Ansonsten lasse ich lieber die Finger davon.

Der Kompetenzkreis gewinnt also immer mehr Bedeutung. Je älter ich werde und je länger ich an der Börse aktiv bin, desto größer wurde er (naja, etwas zumindest). Vor allem erkenne ich immer besser, welche Themen und Branchen außerhalb meins Kompetenzbereichs liegen - dummerweise zählen dazu meistens auch die neuen, besonders aussichtsreichen, aber auch gehypten Themen. In "den neuen heißesten Scheiß" investiere ich daher selten(er) - und wenn, dann mit einer kleinen spekulativ orientieren Position.
Es bleibt spannend - wie eigentlich immer an der Börse. ツ

Disclaimer: Habe die meisten der genannten Werte auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

19 Kommentare:

  1. "also Großkapitalisten" Kapitalismus ist eine Bezeichnung von Karl Marx (Kommunist). Marktwirtschaft ist die neutrale Bezeichnung. "Die Inflation" ist auch eine Frage der Meßart. in den 1970´ern kamen zum Warenkorb die Elektronik. Da kann man immer das neues Einbuchen und nach einem halben Jahr senkts sich der Preis. Danach kam das Hedonistische System (Ausweichtheorie) hinzu. Wenn Kartoffeln statt ,50 € nun 1,00 € das Kilo kosten essen alle Nudeln zu 1,49 € das Kilo. Dannach wurden die Neuerung von Waren durch Schätzung in das System eingebracht. Wenn der Hering neu ist, kostet er vielleicht 30 ct. mehr, ist jedoch wertvoller und damit wertstabil (ok, das hat man mit dem Golf 1 zu Golf 4 erklärt). Frage nun an den Börsenfachman: Seit neuestem will man dem plötzlichen Anstieg (z.B. ÖL) nicht mehr so in die Inflation hineinrechnen. Wie weit sind dazu in den USA die Gesetze? Ich frag halt nur, um mit dem Runterrechnen mit der Inflation bei der Frage nach Senkung oder Erhöhung des Leitzinses nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

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    2. Ich bin ein großer Fan der Sozialen Marktwirtschaft nach Ludwig Erhard; nicht von dem extrem staatsbeeinflussten ausgehöhlten Abklatsch, der heute als Soziale Marktwirtschaft verkauft wird. Insofern finde ich vieles, was Karl Marx beschrieben und kritisiert hat, in meinen Überzeugungen wieder - bzw. die Verhinderung dessen. Ich wünsche mir jedenfalls keine Epoche der Industrialisierung zurück, in der Kinder ausgebeutet werden und die Massen verelenden.

      Dass der Warenkorb zur Inflationsmessung immer mal wieder angepasst werden muss, liegt auf der Hand, da sich ja die Gesellschaft und ihr Konsumverhalten ändert. Und dass die Verantwortlichen (Politiker) hierbei gerne tricksen möchten, um ihre aktuelle "Leistung" besser dastehen zu lassen, auch.

      Die Energiepreise (und auch die Mieten) einfach herauszurechnen, ist natürlich eine einfache Methode. Wird aber ja auch schon praktiziert, indem man die sog. "Kerninflation" betrachtet. Die liegt ja auch aktuell nicht bei 4%, sondern "nur" bei 2,9%. Ich finde beide Daten wichtig, aber die Energiepreise gehören für mich unbedingt dazu, weil Inflation letztlich die Preissteigerung messen soll/muss, die bei den Menschen ankommt.

      Milton Friedman sagte einmal, Inflation sei eine Steuer, die nicht vom Parlament verabschiedet werden braucht. Und er wies darauf hin, dass nicht die Öl-Scheichs oder die Unternehmer Inflation erzeugen, sondern alleine die Regierungen mit der Notenpresse.

      Bemerkenswert ist übrigens, was der neue Fed-Chef Kevin Warsh kürzlich zum Thema Inflation sagte: "Preisstabilität bedeutet, dass sich niemand über die Preise beschwert". Wenn er sich wirklich daran orientiert, wäre das hervorragend - und er würde damit natürlich frontal auf Donald Trump zusteuern, den obersten aller Inflationsanheizer.

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    3. Hallo Michael,
      Bzgl. der Aussage

      "Und er wies darauf hin, dass nicht die Öl-Scheichs oder die Unternehmer Inflation erzeugen, sondern alleine die Regierungen mit der Notenpresse."

      würde ich gerne einhaken. Angesichts des Geldschöpfungsprivilegs der Geschäftsbanken stimmt die Aussage nicht so richtig. Die Notenbank schöpft unmittelbar nur das Bargeld (ca. 10 % der Geldmenge).

      Das elektronische Geld (Buchgeld - ca 90 % der Geldmenge) wird von den Geschäftsbanken erschaffen, wenn sie Kredite ausgeben. Hierauf hat die Zentralbank mit dem Leitzins nur mittelbar Einfluss:

      Anhebungen des Leitzinses bedeuten weniger Kreditnachfrage / weniger vergebene Kredite und damit eine Drosselung der Geldmengenausweitung. Eine Zinssenkung bedeutet natürlich das Gegenteil.

      Nachzulesen u. a. auf der Seite der Bundesbank: https://www.bundesbank.de/de/service/schule-und-bildung/erklaerfilme/wie-entsteht-geld-teil-ii-buchgeld-613628

      Insofern tragen (auch) die Geschäftbanken Verantwortung für die Inflation

      Schöne Grüße
      Martin

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    4. Moin Martin,
      das ist zwar grundsätzlich richtig, aber letztlich entscheidet die Regierung (oder die von ihr eingesetzte Bankenregulierung) über die zu vergebende Kreditmenge. Denn die Regierung legt die Höhe des je Kredit zu haltenden Eigenkapitalanteils fest und je höher dieser ist, desto teurer und unrentabler wird eine Kreditvergabe für die Bank. Die Stellschrauben zieht die Regierung an - oder lockert sie, wie es gerade in den USA geschieht, so dass zusätzliche bisher gebundene Liquidität in die Märkte schwappt.

      Die Regierung (und die Notenbanken) haben die Geldversorgung in der Hand, weil sie die Stellschrauben bedienen. Banken, und andere, nutzen (nur) die hierdurch geschaffenen Spielräume.

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    5. Hallo Michael,
      Da hast Du recht. Die Eigenkapitalvorgaben für die Banken hatte ich bei meinem Kommentar außer Acht gelassen.
      Schöne Grüße
      Martin

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  2. Hallo Michael, Du hast in den letzten Wochen Deine Liquidität wieder signifikant zurück gefahren. Was sind Deine Beweggründe? Rechnest Du nicht mehr mit negativen Auswirkungen der Inflation auf die Kurse? Gruß Mario

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    1. Moin Mario,
      ich rechne mit negativen Auswirkungen auf die Konjunktur, die Konsumnachfrage und die (meisten) Unternehmensergebnisse. Die Kurse zeigen sich bisher unterm Strich erstaunlich robust - das habe ich so nicht erwartet. Ich habe das ja in den letzten Wochen immer mal wieder angesprochen, vor allem die Liquiditätsversorgung spielt hier eine entscheidende Rolle. Zudem haben die Zahlen zum 1. Quartal in den USA ja überwiegend stark abgeschnitten und über den Erwartungen - auch das hat die Stimmung hoch gehalten. Zudem ist die Öl-Mangellage bisher de facto nicht eingetreten, jedenfalls nicht in den USA und Europa und auch in Asien weniger schlimm als ich erwartet habe.

      Ich hatte meine Cashquote im März deutlich hoch gefahren und dabei vor allem Aktien verkauft bzw. reduziert, die von einer Energiemangellage und deutlich steigender Inflation (und steigendem Zinsniveau) am stärksten in Mitleidenschaft gezogen werden dürften.

      In den folgenden Wochen habe ich die Entwicklung beobachtet und (a.) festgestellt, dass es aus den vorgenannten Gründen nicht so schlimm kommt, wie ich befürchtet hatte (jedenfalls noch nicht im zweiten Quartal) und (b.) attraktive Kaufchancen bei wenig(er) gefährdeten Unternehmen genutzt. Hier habe ich ja die letzten Wochen bereits die Deutsche Rohstoff AG genannt, LandBridge oder 2G Energy. Deren Business dürfte eher profitieren und daher der Kurs entsprechend besser gegen Einbrüche gewappnet sein. Zudem sind meine weiteren Depotschwergewichte ebenfalls eher gut gewappnet, wie Costco, Texas Pacific Land oder Alphabet sowie meine Favoriten im KI-Superzyklus. Und ebenso die Rüstungswerte, aber die leiden gerade unter einem Stimmungswechsel und verarbeiten die starken Kursgewinne aus den Vorjahren. Mein Investor-Update zum Ende des 2. Quartals dürfte also einiges an Veränderungen zeigen - aber auch Bewährtes. ;-)

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    2. Danke, Michael!

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  3. Du bist der Zeit etwas voraus😆. Die EZB hat am Donnerstag auf 2.25% erhöht. Die 2.5% sehen wir wohl erst im Herbst…

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    1. Frei nach Andreas Möller ("Mailand? Madrid? Egal, Hauptsache Italien"): 2,25% oder 2,5%. Egal, Hauptsache Zinserhöhung! 😆

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  4. Konstantin14.06.26, 20:04

    Hallo Michael, wie siehst du aktuell den weiteren Verlauf des Rohölpreises?

    Ich finde die Lage sehr dynamisch. Einerseits reagiert der Markt sehr stark auf jede politische Aussage zu einem möglichen US-Iran-Deal. Trump suggeriert immer wieder, dass der Ölpreis im Fall einer Einigung sehr schnell fallen würde. Andererseits ist der Preis trotz der massiven Spannungen der letzten Monate nicht dauerhaft außer Kontrolle geraten. Das spricht dafür, dass sich der Markt bereits teilweise angepasst hat - durch Nachfragerückgang und höhere Produktion außerhalb der Golfregion.

    Was mich dabei besonders vorsichtig macht: Wenn es tatsächlich zu einer glaubwürdigen Entspannung oder Wiederaufnahme normalerer Lieferströme kommt, könnte der Markt relativ schnell von „Knappheitsangst“ auf „Überangebot“ umschalten. Es gibt ja bereits Stimmen, die davon ausgehen, dass die bisherige Zerstörung von Infrastruktur weniger gravierend sein könnte als zunächst befürchtet und dass zusätzliche Produktion aus den USA, Venezuela, Kanada usw den Markt zusätzlich entlasten könnte.

    Gleichzeitig ist auch das Gegenteil nicht auszuschließen: Wenn die Lage eskaliert oder die Normalisierung länger dauert, kann Öl kurzfristig wieder deutlich steigen. Genau diese extreme Szenariobreite macht es für mich aber schwierig, Deutsche Rohstoff sehr hoch zu gewichten.
    Das Unternehmen ist operativ sicher stark aufgestellt und plant seine Guidance nicht mit unrealistisch hohen Ölpreisen. Aber die Aktie ist stark vom Rohölpreis und von geopolitischen Headlines abhängig.

    Ich bin mir inzwischen nicht einmal sicher, ob Iran oder Trump wirklich ein schnelles Friedensszenario bevorzugen. Für Iran kann die Eskalation innenpolitisch machtstabilisierend wirken; für die USA und US-Produzenten entstehen durch hohe Energiepreise und Marktanteilsgewinne ebenfalls wirtschaftliche Vorteile. Und mit Brent bei ca 85-90 USD dürfte es für Trump politish nicht ganz so schlimm sein.

    Wäre es in dieser Lage nicht sinnvoller, Deutsche Rohstoff eher als chancenreiche, aber zyklische Beimischung zu sehen - und nicht als sehr hoch gewichtete Kernposition?

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    1. Moin Konstantin,
      du stellst sehr gute Überlegungen an mit triftigen Argumenten. Genau darüber mache ich mir schon länger auch meine Gedanken und komme zu den von mir geäußerten Schlüssen.

      (1.) Was Trump sagt, hat keinen Wert, denn er bläst in die Welt, was er gerne hätte. Das hat weder mit Wahrheit noch Fakten noch irgendwelchen fundierten Überlegungen zu tun.

      (2.) Richtig ist, dass die Energieknappheit nicht so heftig ausgefallen ist, wie ich es erwartet habe. Gründe dafür gibt es einige: deutlicher Nachfrageeinbruch in Asien, höhere Produktion in USA, Venezuela, Saudi Arabien, VAE und weiteren Förderländern. Zudem eben auch die massiven Freigaben staatlicher Reserven - das wird immer wieder ausgeblendet. Die sind ja nicht in endloser Menge vorhanden und selbst in den USA inzwischen auf dem tiefsten Stand seit den 1980er Jahren. Die können (a.) nicht weiter geleert werden, also bricht Angebot weg und (b.) müssen die möglichst schnell wieder aufgefüllt werden - also kommt zusätzliches Angebot über der normalen Marktnachfrage hinzu.

      (3.) Die Beschädigungen bei den Förderanlagen sind massiv. Und die betreffen ja nicht nur Öl, sondern vor allem LNG (in Katar, wo die größte Produktionsanlage der Welt treffsicher zerbombt wurde mit den beiden riesigen Turbinen von Siemens Energie, für die es keinen Ersatz gibt und keine Reparaturmöglichkeit). Der Ausfall ist also dauerhaft und wird mehrere Jahre anhalten (denn Siemens Energy ist ja auf Jahre ausgebucht). Die "kleineren" Turbinen hat der Iran nicht angegriffen, die Anlage fördert also noch. Also sind wir beim Helium, was als "Nebenprodukt bei der LNG-Verflüssigung entsteht - hier gibt es ebenfalls große Knappheit, die sich nicht nur in den Preisen niederschlägt, sondern vor allem im fehlenden Angebot. Und Helium wird vor allem zur Kühlung benötigt (Chipproduktion).

      (4.) Rohöl ist nicht gleich Rohöl. Jedes Fördergebiet erzeugt andere Ölsorten, die für unterschiedliche Produktionen/ Produkte benötigt werden. Öl aus Venezuela kann also nicht einfach das aus dem Iran ersetzen - weil es das falsche Öl ist und die Raffinerien es ggf. nicht verarbeiten können.

      Mein Fazit bleibt: wir steuern auf eine Öl-Knappheit zu, die aber wohl nicht so schlimm ausfällt wie ich befürchtet habe und auch nicht so schlimm wie 2022. Vermutlich. Möglich ist das schon noch.

      Die Öl-Produzenten in den USA kommen mit Ölpreisen von 60 Dollar für WTI prima klar und verdienen damit sehr gutes Geld. Die DRAG kalkuliert inzwischen mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 75 Dollar je Barrel für 2026 - das halbe Jahr ist inzwischen rum und WTI steht "nur" noch bei 85 Dollar, nachdem einigen Wochen lang Preis jenseits der 100 Dollar gezahlt werden mussten. Das bedeutet, dass die DRAG (und andere) nach wie vor sehr viel Geld verdienen - und zwar beinahe Brutto für netto, da die Produktionskosten ja gleich bleiben (nur die anteiligen Royalties steigen, was TPL und LB freut).

      Ich bleibe daher bei meiner Einschätzung, dass wir erhöhte Ölpreise behalten werden und dass selbst ein sofortiger Friedensschluss im Iran abgesehen von einem spontanen emotionalen Absacker keine preissenkenden Effekt haben wird. Anders wäre das, wenn die Iran-Sanktionen komplett wegfallen und der Iran wieder ein "normales" Förderland auf dem Weltmarkt würde. Aber diese Brücke muss wohl erst noch gebaut werden, bevor irgendwer darüber gehen kann - und als letzter Trump.

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    2. Der heutige Kurseinbruch bei der Deutschen Rohstoff AG ist nachrichtengetrieben; fundamental hat sich am Businesscase nichts Wesentliches verändert: Die Deutsche Rohstoff AG kalkuliert für 2026 mit einem WTI-Ölpreis von 75 Dollar und aktuell liegt der Preis trotz des deutlichen Rückgangs noch immer rund 10% über dieser Kalkulation. Dem entsprechend hat die Jahresprognose weiter Luft nach oben - sofern sich bei den Mengen keine negative Überraschung auftut.

      Und was die "Einigung" angeht, so fehlen ja noch die entscheidenden Details, die erst noch ausgearbeitet werden sollen. Hier steckt der Teufel bekanntlich im Detail und Donald Trump verkündet ja gerne, was er will und meint und nicht, was wirklich passiert ist. Gut möglich (und ziemlich wahrscheinlich) also, dass es auch in den nächsten Wochen immer wieder zu irgendwelchen Drohungen kommt. Ob die Straße von Hormuz wirklich "Unbeschränkt" frei wird, bleibt auch abzuwarten. Und was aus dem Roten Meer wird, also der Suez-Passage. Hier spielen die Huthis ja die entscheidende Rolle - und natürlich Israel. Wenn Netanjahu wieder zündelt, steht der "Frieden" auf wackeligen Füßen.

      Unterm Strich sieht das für mich eher nach Kaufkursen als nach Verkaufskursen aus...

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    3. Konstantin16.06.26, 21:40

      Der aktuelle Aktienkurs von 87 EUR scheint aus meiner Sicht bereits ein Szenario einzupreisen, in dem Brent künftig im Durchschnitt unter 60 USD liegt. Falls Trump mit seinen Einschätzungen recht behält, wäre diese Bewertung nachvollziehbar. Ich habe jedoch erhebliche Zweifel, dass der Ölpreis so tief und vor allem dauerhaft auf diesem niedrigen Niveau fallen wird. Im Gegenteil: Gegen Ende des Jahres halte ich es für wahrscheinlicher, dass Trump wieder stärker auf Eskalation und politischen Druck setzt. Ich baue die Position schrittweise aus. Ganz ohne Risiko ist es natürlich nicht - es wird schon schiefgehen... ;)

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  5. Hallo Herr Kissig,
    was halten sie von Nokia kann man da wieder investieren ?

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    1. Zu Nokia habe ich keine fundierte Einschätzung. Nvidia hat da einen Anteil gekauft, Nokia selbst irgendein Unternehmen gekauft, das optische Komponenten herstellt und auf einmal wird der langweilige Netzwerkausrüster als heißer KI-Wert betrachtet. Tja, ich kann die Wandlung und vor allem die Produkte usw. nicht einschätzen und daher auch nicht, ob das nur Eintagsfliegen sind oder ein echter Gamechanger. Nicht so wirklich meine Spielwiese...

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  6. Hallo Herr Kissing,
    da Sie ja u.a. im Rüstungssektor aktiv sind, was halten Sie von der CSG Group? Nach dem IPO im Januar diesen Jahres ist das Unternehmen doch auf ein sehr attraktives Preisniveau gefallen und sticht im KGV-Bereich viele andere Rüstungswerte aus. Haben Sie eine Meinung zum Unternehmen und seinen Chancen?

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    1. Nein, mit der Czechoslovak Group (CSG) habe ich mich nicht näher beschäftigt. Dass in Tschechien nun (wieder) eine anti-europäische Koalition regiert, macht das Land aus meiner Sicht nicht attraktiver für Investments, so dass mich eine Gelegenheit/ein Unternehmen schon geradezu anspringen müsste, damit ich sie mir genauer ansehe.

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