Sonntag, 31. Mai 2026

[Kissigs Kloogschieterei] Börsen, grüßt mir die Sonne, grüßt mir die Sterne und grüßt mir den Mond...

"Extrabreit" ist eine Band aus meiner Jugend in den 1980er Jahren, als die "Reagonomics" eine gewaltige Hausse auslösten und die Börsen in bis dahin ungeahnte Sphären hochschoss.

Dabei hatten die Punkrocker von Extrabreit eher wenig mit Börse und Kursen am Hut, auch wenn ihr Titel "Kleptomanie" ziemlich gut in die Zeit der Insiderskandale und Gierexzesse an der Wall Street passte. Die Hausse verendete in Panik, als der "Schwarze Montag" am 19. Oktober 1987 den Dow Jones Index um 22% in die Tiefe riss - bis heute der prozentual größte Tagesverlust der Geschichte. 

"Schneller und immer schneller"

Das ist nun beinahe 40 Jahre her und es heißt "Geschichte widerholt sich nicht, aber sie reimt sich". Kürzlich schloss der NASDAQ 100 erstmals über 30.000 Punkten und auch die übrigen US-Indizes markieren weiterhin neue Allzeithochs. "Die Kurse haben immer Recht" ist immer öfter zu hören, aber das ist keine kluge Weisheit, denn die Kurse können schlagartig drehen und bilden somit keine solide Basis für Erkenntnisgewinne. Und doch sind die Kurse auch Fakten und bestimmen den Wert in unseren Depots – und oftmals unsere Stimmung.

Es geht also weiter aufwärts und man könnte meinen, dass nur die Gier treibenden Spieler ausgetauscht werden. Auf Rüstungswerte folgten KI-Gewinner, dann Chip-Werte und nun treibt SpaceX die Weltraumabenteurer auf immer neue Euphoriegipfel.

"Es ist die Liquidität, die die Märkte bewegt", erklärt uns Starinvestor Stanley Druckenmiller. Und Liquidität ist momentan mehr als reichlich vorhanden. Noch immer fließen große Mengen an Geld in ETFs, die steigenden Kurse führen zu einem immer größeren Volumen an Wertpapierkrediten und die Lockerung der Eigenkapitalvorschriften für US-Banken setz dort viel bisher gebundenes Kapital frei, was auf der Suche nach Rendite in die Märkte strömt. Bullen auf Speed.

Nun stehen wahnsinnsgroße Börsengänge vor der Tür, die größten der Geschichte. Und die werden Unmengen an Liquidität absaugen, die dann nicht mehr für andere Investments zur Verfügung stehen. Zugleich pumpt sich die Inflation wieder mächtig auf und überschreitet in den USA bereits die Marke von 4%. Daher werden dort inzwischen eher wieder Zinsanhebungen diskutiert als Zinssenkungen. Und weitere Maßnahmen, um die Inflation zu bremsen – wie der Entzug von Liquidität durch die Notenbank.

Die Party wird enden, das ist klar. Wann sie endet, hingegen nicht. Und auch nicht, ob sie mit einem Knall endet oder ihr einfach nur der Saft ausgeht. Solange die Musik spielt, spürt niemand die Erschöpfung, aber irgendwann ist auch die letzte Kraft vertanzt. Und manch einer wird mit einem heftigen Kater aufwachen, während andere nicht ganz so wild mitgefeiert haben, aber dafür später weniger leiden müssen.

"Wir warten nicht, wir starten, was immer auch geschieht"

Und doch… nach der Party ist vor der Party und dazwischen gibt es eine Erholungspause, um neue Kraft zu tanken. Denn langfristig steigen die Börsen trotz aller zwischenzeitlicher Turbulenzen um rund 10% pro Jahr. Und wer dieser Party fernbleibt, ob aus Angst oder Unwissenheit, findet anderswo kaum ähnlich starke Erfolgsaussichten.

Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

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