Mein Investor-Update zum Ende des 1. Quartals '26
In meinen Investor-Updates blicke ich jeweils zum Ende eines Quartals auf die vergangenen Monate zurück und präsentiere euch die Top-Werte in meinem Investmentdepot; es ist in gewisser Weise "mein persönliches 13F". Des Weiteren beschäftige ich mich gegebenenfalls auch mit Unternehmen, die ich hier im Blog noch nicht vorgestellt habe, die jedoch bereits den Weg in mein Depot gefunden haben.
Investor-Update reloaded | Ausgabe 31
Meine Investor-Updates zum Quartalsende sind für mich immer ein willkommener Anlass, auf die vergangenen drei Monate zurückzublicken und meine Einschätzung zu meinen gewichtigsten Depotwerten zu aktualisieren.
▶ Mr. Market & The Fairy Tale of Fear and Greed
Das 1. Quartal 2026 liegt nun hinter uns. Nach dem eher holprigen Börsenjahr 2025 mit den vielen Zollkonflikten waren die Aussichten auf ein ruhigeres Jahr 2026 eher gering. Und das Auftaktquartal enttäuschte dies bezüglich nicht und konnte gleich mit zwei welterschütternden Einflüssen glänzen:
-o KI frisst Software (und dann den ganzen Rest?):
KI ist kein Hype, KI ist eine tiefgreifende Transformation unserer Gesellschaft. Wie das Internet, nur in zigfacher Geschwindigkeit. Dem entsprechend groß ist der Hype und die Börse gesteht den KI-Leadern immer höhere Bewertungen zu. Jedenfalls bis Ende 2025, dann begann KI zum Disruptor zu werden und die Stimmung drehte sich. Aus "Software eats the World", das uns 20 Jahre lang angetrieben und Anlegern enorme Gewinne beschert hat, wurde quasi über Nacht "AI eats Software" und die Kurse implodierten geradezu. KI kann Code schreiben und das viel schneller, präziser und vor allem billiger als Programmierer. Doch der Code und das nur mit großem Aufwand mögliche Kopieren/Nachbauen war bisher der Burggraben der Unternehmen, doch dieser Burggraben ist jetzt nichts nicht mehr so viel wert.
"Der Schlüssel zum erfolgreichen Investieren liegt nicht in der Frage, wie sehr eine Industrie die Gesellschaft beeinflusst oder ob sie wachsen wird, sondern darin, herauszufinden ob ein bestimmtes Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil hat, und wenn ja, wie lange dieser anhalten wird. (...) Es gibt heute immer mehr Burggräben, die anfällig für Invasionen geworden sind, als es früher der Fall gewesen zu sein scheint."
Noch verdienen die Softwareunternehmen prächtig, SaaSmargeddon ist noch nicht in ihren Geschäftszahlen angekommen. Was sich verändert hat, ist das Sentiment. Anleger blicken in die Zukunft und versuchen, die Cashflows und Gewinne der Zukunft abzuschätzen und ermitteln daraus den zukünftigen Wert des Unternehmens. Den setzen sie ins Verhältnis zum heutigen Aktienkurs und daraus leitet sich dann die Einschätzung ab. Sind die künftigen Einnahmeströme solide und gut prognostizierbar, ist das Unternehmen attraktiver als bei unsicheren (oft zyklischen) Kandidaten. Und Software mit seinen recurring revenues war sehr solide. Doch das ist in vielen Bereichen vorbei, weil KI-Agenten keine Einzel-Abos ("Seats") benötigen und ein KI Agent die Arbeit von 20 oder 50 Nutzern verrichtet. Wenn die Zukunft also nicht mehr so rosig aussieht, dann schrumpft die Bewertung - und genau das erlebt die Softwarebranche seit Monaten. Wurden früher Gewinnmultiplen von 70 gezahlt, sind es inzwischen weniger als das 20-Fache. Bewertung matters. Und das passiert ggf. auch in anderen Branchen, die von KI disruptiert werden können. Alle Dienstleistungen stehen hier im Feuer, Beraterjobs, (Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Versicherungsvermittler, Personalvermittler usw.).
Doch KI hat nicht nur Schattenseiten. Energieversorger freuen sich, denn KI (und ihre Rechenzentren) verbrauchen gewaltige Mengen an Energie/Strom. Und die Ersteller und Betreiber von Rechenzentren können sich vor Nachfrage kaum retten. Ebenso die "KI-Schaufelverkäufer", die Energienetze erstellen, warten, betreiben oder die zwingend benötigte Kühlung bereitstellen. Oder schlicht das Land haben, wo KI-Rechenzentren entstehen können, mit Stromanschluss und Wasserversorgung. Und natürlich die Finanziers, denn die gewaltigen Investitionen im hohen dreistelligen Milliarden-Dollar-Bereich (pro Jahr!) kann kein Unternehmen aus Eigenmittel stemmen, dazu benötigen sie Fremdkapital.
Negative Begleiterscheinung wiederum ist, dass der Energiehunger anderen den Strom abgräbt und die Strompreise explodieren lässt. In einigen US-Bundesstaaten gibt es daher bereits Moratorien gegen neue Rechenzentren.
Nachgelagert wird KI und die durch sie erst richtig zündende Robotik viele Branchen grundlegend umgestalten. Amazon hat bereits mehr als 1 Million Roboter im Einsatz und wird seine gesamte Logistiksparte um- und aufrüsten: Lagerverwaltung und Auslieferung. Hier wird das Unternehmen viele Milliarden einsparen und aufgrund seiner Finanzkraft Wettbewerbern weiter Marktanteile abnehmen.
(Humanoide) Roboter werden aber noch viel mehr Einfluss auf unser Leben haben: sie werden viele menschliche Tätigkeiten ersetzen und damit erhebliche (Personal-) Kosteneinsparungen mit sich bringen. Das füllt nicht nur die Kassen der Roboterhersteller und KI-Firmen, sondern die der "normalen" Unternehmen. Hier könnte in den westlichen Ländern eine Re-Industrialisierung anstehen, denn Personalkosten waren in den letzten 50 Jahren der entscheidende Faktor, weshalb ganze Branchen nach Osteuropa, Asien und Afrika ausgelagert wurden. Wenn Personalkosten kaum noch eine Rolle spielen, kann man auch "zuhause" fertigen und so Lieferkettenrisiken reduzieren. Die zweite entscheidende Stellschraube sind die Energiekosten - und weil die USA energieautark sind, während Europa Energie und Rohstoffe teuer einkaufen muss, haben die USA hier einen großen Standortvorteil, während Europa und Deutschland - mal wieder - das Nachsehen haben. Aber auch Asien, nicht nur China, steht vor dem gleichen Dilemma.
KI wird also zum Dauerthema, auch für Anleger. Denn sie müssen jede ihrer Depotpositionen auf den "KI-Impact" abklopfen. Liebgewonnene und etablierte Geschäftsmodelle könnten zunehmend an Zukunftsfähigkeit einbüßen und sind dann vielleicht noch tolle Unternehmen, aber eben keine tollen Investments (mehr).
-o Nahost-Krieg (war da was?): Und dann ist da noch der von Israel und den USA angezettelte Nahost-Krieg. Die iranische Führungsriege ist ausgelöscht worden, aber durch anderen Hardliner ersetzt. Das iranische Militär ist erheblich geschwächt, seine Luftwaffe und seine Marine weitgehend zerstört, ebenso viele Raketen- und Drohnenfabriken. Und doch kann der Iran weiterhin US-Basen und arabische Nachbarländer angreifen und dort enorme Schäden anrichten. Das iranische Atom-Programm wurde - erneut - zurückgeworfen, aber die Anlagen bestehen weiterhin und das bereits angereicherte Material befindet sich in iranischer Hand. Trump hat also nicht eines seiner Ziele erreicht!
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| Sichtlich beeindruckt: Xi Jinping |
Das Ganze hat weitreichende Folgen. Der Iran kann die Straße von Hormus jederzeit schließen und niemand kann dies verhindern. Und man muss inzwischen eine "Maut" bezahlen, wenn man sie passieren will. Diese will sich der Iran mit Oman teilen, dem anderen Anrainer. Und dieses "Regime" wird sich nicht mehr ändern, hier wird künftig wie beim Suez-Kanal oder dem Panama-Kanal eine Maut fällig und das wird die Transportkosten und damit die preise weltweit anheben.
Aber es wurden auch viele Energieanlagen beschädigt, sowohl was Öl aber auch LNG angeht. Diese Kapazitäten fallen für Monate aus und einige für mehrere Jahre. Das ist in den Köpfen noch gar nicht angekommen! Auch weil viele Länder und Institutionen Teile ihrer strategischen Öl-Reserven freigegeben haben, um dem Mangel entgegenzutreten. Das wirkt für die nächsten Wochen, danach bleibt die Versorgungslücke, die von niemandem geschlossen werden kann! Und das bedeutet für längere Zeit eine Mangellage und damit erhöhte Preise. Doch Öl ist in so gut wie jedem Produkt enthalten und diese Preissteigerungen werden sich daher überall reinfressen.
Und das bringt auch einen schon fast totgeglaubten alten Feind ins Spiel: die Inflation. Die steigenden Energiepreise wirken sich nicht nur beim Heizen und Duschen negativ aus und an der Zapfsäule, sondern sie verteuern mit einigem Verzug so gut wie jedes Produkt. Diese Mehrkosten müssen und werden die Unternehmen an die Verbraucher weitergeben und damit einen Preisschub auslösen. Mehrere aufeinanderfolgende, um genau zu sein. Die Prognosen gehen inzwischen von einem Anstieg der Inflationsrate Richtung 5% aus und damit können wir jegliche Zinssenkungsfantasie zu den Akten legen. Kapitalintensive Branchen, vor allem auch Immobilien, werden darunter leiden, denn sie sind seit jeher stark fremdfinanziert und werden die höhere und steigende Zinslast schnell in ihren Finanzergebnissen zu spüren bekommen.
Hier kommt eine Entwicklung auf uns zu, wie sie uns bereits 2022 getroffen hat: in mehreren Wellen werden Preisschübe sich in die Geschäftsergebnisse der Unternehmen fressen, die dann ihre Preise anheben und damit die Verbraucher treffen. Die müssen den Gürtel enger schnallen und/oder Schulden machen - hier steigen dann die Ausfallquoten und das lässt die Banken und Kreditgeber restriktiver werden. In der nächsten Welle kommen dann Lohnerhöhungen, um die gestiegenen Lebenshaltungskosten auszugleichen. Was wiederum zu Entlassungen führt. Und dann... hier ändert sich der Ablauf leider, denn der flächendeckende Einsatz von Robotern wird zu verstärkten Entlassungen führen und diese Jobs kehren im nächsten Wirtschaftsaufschwung nicht zurück! Das könnte die Konsumentennachfrage dauerhaft reduzieren. Auf der anderen Seite wird der zunehmende Einsatz von Robotern die Unternehmen global gesehen wettbewerbsfähiger machen.
Ich habe keine abschließenden Antworten, wie die Entwicklung konkret ablaufen wird. Ich habe eine grobe Vorstellung und die muss ständig aufs Neue mit der Realität abgeglichen werden. Auch was meine Investments angeht, denn die sind ja Teil der Entwicklung.
Klar ist für mich jedenfalls zunächst, dass wir 2026 eine ähnliche Entwicklung sehen werden wie 2022. Die Geschäftszahlen zum 1. Quartal werden noch weitgehend unberührt sein, aber im Ausblick dürften sich erste Eintrübungen zeigen. Ab dem 2. Quartal geht dann das Heulen und Zähneklappern los und wird im 3. Quartal zu Panikattacken führen - doch dann dürfte das Gröbste (an der Börse) vorüber sein und sich der Blick wieder mehr auf die Zukunft richten, wenn die dann seit Monaten bekannten und erlebten negativen Effekte langsam wieder zu lichten beginnen.
Ich habe unter diesen Eindrücken meine Strategie angepasst und vor allem etwas Cash aufgebaut, um den von mir erwarteten Absturz zu mildern. Mich von meinen Unternehmen völlig zu trennen, kommt für mich nicht infrage. Es gibt Branchen und Unternehmen, die den Sturm besser meistern werden (ich meine operativ, nicht unbedingt was die Kursentwicklung angeht) und da bleibe ich an Bord. Bei anderen Unternehmen werden die Auswirkungen heftig(er) sein, da habe ich meine Position reduziert oder geschlossen. Hier schaue ich mir die Entwicklung genau an, weil ich grundsätzlich auch von diesen Unternehmen überzeugt bin. Doch ob dies so bleibt, werden die nächsten Monate zeigen. Und natürlich insgesamt, ob ich richtig gelegen habe mit meiner pessimistischen Einschätzung, oder mit dem Hochfahren meiner Cashquote voll zum Affen gemacht habe.
"Es gibt keinen Schutz vor Kurseinbrüchen, wenn man sich für einen langfristigen, eigenverantwortlichen Ansatz bei Aktien entscheidet. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass die Fähigkeit, Einbrüche mit Gelassenheit durchzustehen, eine Quelle für Outperformance ist."(Chris Mayer)
Wir werden sehen, wie es läuft. Ich habe jedenfalls (auch) den einen oder anderen Industriewert auf der Watchlist, der mir bei einem Rücksetzer durchaus ein langfristiges Investment wert sein könnte. Denn die Re-Industrialisierung und der Einsatz von KI/Robotik wird hier ggf. enorme Potenziale freisetzen durch Kosteneinsparungen sowie Margen- und Marktanteilsausweitungen.
Es stehen uns abwechslungsreiche und herausfordernde Zeiten bevor. Charlie Mungers Ratschlag "invert, always invert" wird noch mehr an Bedeutung gewinnen: Anleger müssen ihre Erkenntnisse öfter hinterfragen und auf Plausibilität abklopfen. Dabei geht es nicht um hektische Betriebsamkeit, sondern und geduldiges und fundiertes Abwägen. Und am Ende müssen den Gedanken Taten folgen - wenn nötig.
▶ Meine Investmentstrategie: Focused Quality Growth Investing
Stock-Picking bleibt der Schlüssel zum nachhaltigen Börsenerfolg. Jedenfalls in meiner Welt abseits der ETFs, Edelmetalle und Kryptowährungen. Ich konzentriere mich auf die Unternehmen, nicht auf ihren Aktienkurs und ich messe auch dem Gesamtmarkt nicht allzu viel Bedeutung bei.
»Spiele werden von denen gewonnen, die auf das Spielfeld achten und nicht auf die Anzeigetafel.«
Ich verfolge einen gemischten Bottom-Up-Top-Down-Ansatz, bei dem ich einerseits auf makroökonomische Trends setze, andererseits mir innerhalb dieser Trends dann die am besten positionierten und/oder bewerteten Unternehmen herauspicke. Ich versuche also, mich nicht gegen den Markt zu stellen, sondern von seinen (irrationalen) Eskapaden gegebenenfalls zu profitieren. Soweit der Plan...
»In der Theorie gibt es keinen Unterschied zwischen Theorie und Praxis. In der Praxis schon.«(Yogi Berra)
Die sechs Säulen meiner Investmentstrategie:
1. Qualitätsunternehmen mit Burggraben
Bei meinen Investments setze ich vor allem auf Qualitätsunternehmen mit breitem ökonomischen Burggraben und das führt zu soliden und meistens überdurchschnittlichen Ergebnissen.
Bei meinen Investments setze ich vor allem auf Qualitätsunternehmen mit breitem ökonomischen Burggraben und das führt zu soliden und meistens überdurchschnittlichen Ergebnissen.
»Wir denken über zwei Dinge nach: Qualität und Preis. Aber wir denken über Qualität nach, bevor wir über den Preis nachdenken. Wir versuchen, hervorragende Unternehmen zu kaufen, die von hervorragenden Managern geführt werden.«
(Chris Bloomstran)
(Chris Bloomstran)
2. Growth at a reasonable Price (GARP)
Ich bevorzuge Unternehmen mit Umsatz- und Gewinnwachstum, wobei ich den Schwerpunkt auf den Cashflow lege. Unternehmen, die wachsen und ihre Margen verbessern, spielen auch für ihre Aktionäre überdurchschnittliche Ergebnisse ein. Man muss "nur" geduldig sein und den Unternehmen Zeit geben, ihre Stärken ausspielen zu können.
»Wenn Sie über die großen Wachstumsunternehmen von heute sprechen, ist der Ansatz "günstig einkaufen, ein Kursziel festlegen, verkaufen, wenn es steigt, und vollständig aussteigen, wenn es das Ziel erreicht" völlig falsch. Ein leidenschaftsloser Blick auf die Geschichte macht deutlich, dass es oft ein Fehler war, in einem schnell wachsenden Unternehmen mit dauerhaften Wettbewerbsvorteilen Gewinne mitzunehmen. Angesichts der Eigenschaften der heute führenden Unternehmen kann es jetzt noch falscher sein. Stattdessen müssen Sie sich vom Verkauf abhalten.«
(Howard Stanley Marks)
Ich bevorzuge Unternehmen mit Umsatz- und Gewinnwachstum, wobei ich den Schwerpunkt auf den Cashflow lege. Unternehmen, die wachsen und ihre Margen verbessern, spielen auch für ihre Aktionäre überdurchschnittliche Ergebnisse ein. Man muss "nur" geduldig sein und den Unternehmen Zeit geben, ihre Stärken ausspielen zu können.
»Wenn Sie über die großen Wachstumsunternehmen von heute sprechen, ist der Ansatz "günstig einkaufen, ein Kursziel festlegen, verkaufen, wenn es steigt, und vollständig aussteigen, wenn es das Ziel erreicht" völlig falsch. Ein leidenschaftsloser Blick auf die Geschichte macht deutlich, dass es oft ein Fehler war, in einem schnell wachsenden Unternehmen mit dauerhaften Wettbewerbsvorteilen Gewinne mitzunehmen. Angesichts der Eigenschaften der heute führenden Unternehmen kann es jetzt noch falscher sein. Stattdessen müssen Sie sich vom Verkauf abhalten.«
(Howard Stanley Marks)
3. Absolute High Conviction
Das Pareto-Prinzip hat sich bewährt, auch beim Investieren. Es gibt keine absoluten Gewissheiten, nur Wahrscheinlichkeiten. Wer nur dann investiert, wenn jeder Zweifel beseitigt und jedes Risiko ausgeschlossen ist, investiert... nie. Irgendwas ist immer. Das »Die Zukunft ist niemals klar: Schon für ein bisschen Gewissheit muss man einen hohen Preis zahlen. Unsicherheit ist deshalb der Freund von Langfristinvestoren.«
(Warren Buffett)
4. Focus Investing
Daneben folge ich dem Ansatz des Focus Investing und setze nur auf die besten Unternehmen, anstatt blind breit zu streuen. Bei jeder neuen Idee überlege ich, ob diese Aktie besser ist als die in meinem Depot. Und sie muss schon viel aussichtsreicher sein, denn das Unternehmen ist neu (für mich), ich kenne es noch nicht so gut und weiß nicht, ob mein Investmentcase valide ist. Und ob ich wirklich auf das Management setzen kann. Das zeigt erst die Zeit und das bedeutet, dass jede neue Investmentidee ein höheres Risiko darstellt als meine Bestandsinvestments. Also muss sie auch viel höhere Chancen bieten, um Einlass ins Depot zu finden. Dass ich kein/kaum Cash halte, ist hierbei ein (weitere) Vorteil, denn ich muss noch die zusätzliche Hürde überwinden, eines meiner Depotunternehmen zu verkaufen oder zumindest zu reduzieren, um mir das nötige Geld für den Neukauf zu besorgen. Das hilft mir, mich nicht (zu sehr) zu verzetteln.
»Diversifikation in großem Stil ist ein Fehler. Wenn Sie sich wirklich mit Unternehmen auskennen, sollten Sie wahrscheinlich nicht mehr als sechs davon besitzen. Wenn Sie sechs wunderbare Unternehmen ausfindig machen können, ist das alles, was Sie an Diversifikation brauchen. (...) Eine Politik der Portfoliokonzentration kann das Risiko verringern, wenn sie sowohl die Intensität, mit der ein Anleger über ein Unternehmen nachdenkt, als auch das Komfortniveau erhöht, das er vor dem Kauf empfinden muss.«
(Warren Buffett)
»Diversifikation in großem Stil ist ein Fehler. Wenn Sie sich wirklich mit Unternehmen auskennen, sollten Sie wahrscheinlich nicht mehr als sechs davon besitzen. Wenn Sie sechs wunderbare Unternehmen ausfindig machen können, ist das alles, was Sie an Diversifikation brauchen. (...) Eine Politik der Portfoliokonzentration kann das Risiko verringern, wenn sie sowohl die Intensität, mit der ein Anleger über ein Unternehmen nachdenkt, als auch das Komfortniveau erhöht, das er vor dem Kauf empfinden muss.«
(Warren Buffett)
5. Buy & Hold
Es gibt sie, die High Quality-Unternehmen. Aber nicht so viele, wie man annimmt. Und sie entwickeln sich nicht zu jeder Zeit herausragend, auch sie haben mal Durststrecken und müssen Rückschläge verkraften. Das gilt auch für Kursentwicklung. Es ist eine Herausforderung, sie zu finden und in sie zu investieren (weil sie meistens teuer sind aussehen), aber der wirklich schwierige Teil kommt nach dem Kauf: das Behalten. Denn es gibt bereits beim Kauf auch negative Aspekte, die gegen das Unternehmen und das Investment sprechen. Und auch während die Aktie im Depot liegt, gibt es Gegenwind, mal schwächer, mal stärker. Es kommt entscheidend darauf an, sich nicht beirren und aus der Aktie vertreiben zu lassen, so lange sich das Unternehmen grundsätzlich in die richtige Richtung entwickelt und der ursprüngliche Investmentcase nicht über den Haufen geworfen wurde.
»Um einen Multibagger im Portfolio zu bekommen, muss man einen Multibagger im Portfolio halten. Halten kann qualvoll sein. Besonders Gewinner. (...) Für einen Multi-Bagger im Depot müssen Sie an einer Aktie festhalten, die billig, teuer, gehasst und geliebt sein wird.«
6. Cash is Trash!
Ich bin gerne voll investiert, weil sich nach meiner Erfahrung eine hohe Cash-Quote nur in der Theorie auszahlt (für günstige Nachkäufe), in der Praxis aber auf lange Sicht Rendite kostet. Denn die sich bietenden Nachkaufchancen nutzt man dann doch nicht und somit verschimmelt das Geld dauerhaft und unnötig unrentabel auf dem Konto. Folglich habe ich die Abstürze 2018, 2020, 2022 sowie den "Flash-Crash" im August 2024 und den "Tromp-Zollkriegs-Crash" im April 2025 voll mitgemacht - dann aber auch bei den anschließenden Erholungsrallyes nicht nur von der Seitenlinie aus zugeschaut.
»Ich halte niemals Barmittel, denn Barmittel aufzubauen würde bedeuten, aus dem Markt auszusteigen. Meine Vorstellung ist es, für immer im Markt zu bleiben und Aktien abhängig von der fundamentalen Lage umzuschichten.«
(Peter Lynch)
Ich bin gerne voll investiert, weil sich nach meiner Erfahrung eine hohe Cash-Quote nur in der Theorie auszahlt (für günstige Nachkäufe), in der Praxis aber auf lange Sicht Rendite kostet. Denn die sich bietenden Nachkaufchancen nutzt man dann doch nicht und somit verschimmelt das Geld dauerhaft und unnötig unrentabel auf dem Konto. Folglich habe ich die Abstürze 2018, 2020, 2022 sowie den "Flash-Crash" im August 2024 und den "Tromp-Zollkriegs-Crash" im April 2025 voll mitgemacht - dann aber auch bei den anschließenden Erholungsrallyes nicht nur von der Seitenlinie aus zugeschaut.
»Ich halte niemals Barmittel, denn Barmittel aufzubauen würde bedeuten, aus dem Markt auszusteigen. Meine Vorstellung ist es, für immer im Markt zu bleiben und Aktien abhängig von der fundamentalen Lage umzuschichten.«
(Peter Lynch)
Opportunitätskosten machen den einen Unterschied!
Charlie Munger sagte einst: "Intelligente Menschen treffen Entscheidungen auf der Basis von Opportunitätskosten". Kein sofort eingänglicher Gedanke, sondern vielmehr vertieftes Nachdenken erfordert. Instinktiv wende ich ihn jedoch bereits seit einigen Jahren und zunehmend an. Opportunitätskosten sind die Renditenerwartungen, die man mit einer alternativen Geldanlage hätte verdienen können. Erzielt man 10 % Rendite, klingt das toll. Hätte man aber mit seiner zweitbesten Idee 15 % eingefahren, waren die 10 % kein gutes Geschäft.
Und wie macht das bei mir den einen Unterschied? Nun, bei jeder neuen Idee für ein Investment wäge ich dies gegen meine bereits bestehenden Positionen ab. Da ich stets voll investiert bin, muss ich ohnehin erstmal Geld freischaufeln, um etwas Neues kaufen zu können. Und das tue ich nur (noch), wenn die neue Idee, das neue Unternehmen ein deutlich besseres Chance-Risiko-Verhältnis aufweist. Ansonsten gibt es keinen Grund, meine Beteiligungen anzufassen - ggf. stocke ich sie sogar weiter auf.
Positiver Nebeneffekt des Opportunitätskosten-Ansatzes ist, dass ich so laufend meine Bestandspositionen und den ihnen zugrundeliegenden Investmentcase überprüfe und auf Lücken, Fehler, negative Entwicklungen abklopfe. Im Ergebnis haben sich meine Transaktionen in den letzten Jahren immer weiter reduziert, während sich die Ergebnisse verbessert haben. Eine sehr erfreuliche Entwicklung, die ich aber im Blick behalten werde, ob und in wie weit sie sich auf längere Sicht schlägt.
▶Shocking: Ich habe mich kürzlich entschlossen, in diesem Punkt von meiner bewährten Strategie abzuweichen und eine gut 20-prozentige Cashquote aufzubauen; die genauer Erläuterung findet sich am Ende dieses Artikels.
Und noch ein bisschen mehr...
Neben den Quality Investments liegt mein Interessenschwerpunkt auf Deutschen Nebenwerten und abgerundet wird das Ganze mit einigen aussichtsreichen Turnaround-Spekulationen. Wenngleich mit den "heißen Wetten" natürlich größere Kursgewinne eingefahren werden können, jedenfalls für eine gewisse Zeit und durch ein viel höheres Risiko erkauft. Daher nehmen solche spekulativeren Werte nur kleine Positionen in meinem Depot ein, denn man braucht viel Geduld und muss auch zwischenzeitliche Rückschläge durchstehen.
▶ Mein Investmentdepot
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| Investmentdepot inkl. Cash per 31.03.2026 |
Meine 3 Top-Performer waren Texas Pacific Land (+64%), Almonty Industries (+58%) und Comfort Systems USA (+46%). In Texas Pacific Land habe ich ich erst im Lauf des Quartals wieder investiert, so dass ich nur einen Teil der Gewinne mitgenommen habe, und Almonty war nur eine kleine Position, die vor drei Monaten noch unter 5% ausmachte, sich aber inzwischen weit nach oben gearbeitet hat.
Meine 3 Flop-Performer waren KKR & Co. (-28%), Palantir Technologies (-20%) und Rheinmetall (-10%), wobei ich bei Palantir erst im Laufe des Quartals eingestiegen bin und daher von dem Kurseinbruch sogar profitiert habe.
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Mein Depot ist nicht nur hinsichtlich der Einzelwerte stark fokussiert, sondern ich habe in manchen Branchen 'Cluster' gebildet und meine Investments auf die zwei oder drei am besten positionierten Unternehmen verteilt.
Cluster Rohstoffe (22%)
Der Energiesektor ist der Superstar des ersten Quartals. Ich bin wieder bei Texas Pacific Land engagiert, das sich sich längst vom One Trick Pony (ÖL- und Gas-Royalties) zu einem diversifizierten Einkommensgenerator entwickelt hat. Die Investitionen in das Wasserbusiness zahlen sich inzwischen kräftig aus und der Shift in Richtung KI-Rechenzentren ist grenzgenial: in West-Texas gibt es Energie, Wasser, und Flächen ohne Anwohnerkonflikte. Im Erfolgsfall kann TPL also Energie zum Betrieb der Datenzentren liefern, das Wasser für die Kühlung und man verdient auch noch an den Flächenpachten.
Das erhöhte Ölpreisniveau sorgt für Rückenwind, das LNG-Niveau ist in den USA eher gedrückt, aber TPL verdient auch hiermit Geld. Die sektorweit vergleichsweise hohe Bewertung schreckt mich überhaupt nicht, weil TPL noch immer ein Asset light-Business betreibt und es gelingt, aus demselben Land mehr und mehr Geld zu ziehen.
Meine Wolfram-Spekulation Almonty Industries hat (endlich!) die Phase 1 der Sangdong-Mine beendet, die nun in Betrieb genommen worden ist und produziert; die Aufbereitungsanlage ist für die Verarbeitung von etwa 640.000 Tonnen Erz pro Jahr ausgelegt und liefert jährlich rund 2.300 Tonnen Wolframkonzentrat. Die geplante Erweiterung der Phase 2, die voraussichtlich 2027 in Betrieb gehen wird, soll die Verarbeitungskapazität auf etwa 1,2 Mio. Tonnen Erz pro Jahr erhöhen und die Wolframproduktion auf rund 4.600 Tonnen pro Jahr verdoppeln. Bei voller Kapazität wird erwartet, dass Sangdong etwa 40 % des weltweiten Wolframbedarfs außerhalb Chinas decken wird.
Und das in in einer Zeit, wo China einerseits strikte Exportkontrollen für Seltene Erden und Wolfram eingeführt hat und darüber hinaus rigorose Kontrollen von deutlich verschärften Umweltauflagen durchführt - die zu vielen Minenschließungen geführt haben und so das globale Angebot verknappen, ohne auf Exportbeschränkungen zurückgreifen zu müssen (Quelle). Zudem sinken die Erzgehalte in den chinesischen Minen, so dass mehr Erz zur Gewinnung von Wolfram verarbeitet werden muss - die Produktionskosten steigen also, was Produzenten in anderen Ländern zugute kommt. Chinas Dominanz ist die größte Schwachstelle für die globalen Lieferketten, denn auf das Reich der Mitte entfielen im vergangenen Jahr rund 79% der weltweit produzierten 85.000 Tonnen. Als die Exportvorschriften verschärft wurden, waren die Auswirkungen unmittelbar und gravierend; so gingen die Lieferungen der betroffenen Produkte aus China im vergangenen Jahr um etwa 40% zurück - mit weiter fallender Tendenz in 2026. Dadurch entstand ein strukturelles Defizit, das die Käufer nun verzweifelt zu decken versuchen, ohne dass eine große Pipeline an neuen Projekten zur Entlastung der Lage zur Verfügung stünde. Chiphersteller werden die Knappheit als erste spüren und stimmen ihre Kunden (wie z.B. Samsung bereits auf Lieferengpässe ein).
Während also die Preise für Wolfram explodieren und die Nachfrage weltweit weiter zunimmt, steigt die Produktion bei Almonty rapide an. Der Aktienkurs hat die letzten 18 Monate schon mal vorgefeiert und sich Richtung 18 Euro entwickelt. Danach setze eine Konsolidierung ein ,die die Aktie wieder bis auf 12 Euro drückte. Aber die Party ist längst noch nicht vorbei. Oder wie Winston Churchill es formulieren würde: "Dies ist nicht das Ende. Es ist noch nicht einmal das Ende des Anfangs". Steigende Produktionsvolumina prallen auf enorm gestiegene Weltmarktpreis und das wird bald auch zunehmend in den Geschäftsergebnisse auftauchen. Meine Turnaround-Spekulation läuft weiterhin hervorragend und ich lasse sie einfach laufen - auch wenn das natürlich dank der inzwischen doch üppigen Gewichtung die Volatilität in meinem Depot insgesamt erhöht. Aber bekanntlich ist Volatilität ist ja nicht gleichbedeutend mit Risiko. ツ
:: Performance Almonty Industries: Q1/26: +58% | 2025: +1.145% | 2024: +61%
:: Perfomance Texas Pacific Land: Q1/26: +64% | 2025: +7% | 2024: +138,5%
Cluster Retail (14%)
Costco, der drittgrößte Einzelhändler der Welt, hat in den letzten Jahren schon öfter mein Depot als Spitzenreiter angeführt. Das fast einzigartige Geschäftsmodell erweist sich als weitestgehend resilient in jeder Wirtschaftslage und bleibt der Top-Pick im Einzelhandel - online wie offline. Die "Subscriber Renewal Rate" liegt bei über 90%; es erneuern also so viele Mitglieder ihre Mitgliedschaft wie nie zuvor und weitere werden laufend hinzugewonnen. Dadurch erhöhen sich Costcos Kosten kaum, während seine stetigen Einnahmen hingegen steigen. Also steigen die Margen und die zusätzlichen Einnahmen werden in ein beschleunigtes Expansionstempo gesteckt.
Neuerster Kniff sind "Stand-alone-Tankstellen", an denen Costco Benzin zu 20 Cents günstiger als die Wettbewerber anbietet. Damit lässt sich natürlich kein kaum Geld verdienen, aber da Costco nur an Mitglieder verkauft, ziehen die Tankstellen neue Mitglieder an, da der Tankrabatt sich bereits nach drei oder vier Einkäufen bei Costco wieder amortisiert hat. Echt schlau!
Die Bewertung ist ambitioniert, auch weil das Sentiment für den Sektor "Defensiver Konsum" ist ziemlich negativ, da Marken nicht mehr ziehen und neue Player aggressiv in den Markt drängen. Dank Influencern haben die heutzutage eine deutlich bessere Chance, (jungen) Kunden zu gewinnen und den Etablierten die Wurst vom Teller zu nehmen. Costco ist davon wenig(er) betroffen, leidet aber unter der allgemeinen schlechten Stimmung für die gesamte Branche.
Ich bleibe ein Costco-Dauerbulle. Wie 2022 gezeigt hat, kommt Costco auch mit einem Inflationsszenario sehr gut klar. Auch deshalb ist das Unternehmen eine sichere Bank für die anstehenden stürmischen Zeiten.
:: Performance Costco: Q1/26: +17,25% | 2025: -17% | 2024: +48%
Cluster Verteidigung: Rheinmetall, Vincorion (15%)
Rheinmetall ist mein Favorit im Defense-Spektrum. CEO Armin Papperger entwickelt das DAX-Mitglied zum umfassenden Systemhaus im Rüstungsbereich bereits heute auszahle. Durch den stark gestiegenen freien Barmittelzufluss stellt der Manager außerdem weitere Zukäufe in Aussicht. Zudem profitiert Rheinmetall neben dem massiven Rückenwind durch den Ukraine-Krieg auch vom Nahost-Krieg. Der Rüstungskonzern versorgt die USA und dessen Verbündete unter anderem mit Raketen und Luftverteidigungssystemen. Zum anderen müssen und werden die Golfstaaten massiv in Verteidigung investieren und dabei wohl weniger auf US-Waffen setzen - Trump ließ sich ziemlich im Regen stehen und will auch noch, dass sie seinen Kriegseinsatz bezahlen, während ihre Energieinfrastruktur zerbombt und ihre Einnahmequellen dezimiert werden. Diese dummdreiste Kurzsichtigkeit eröffnet allen anderen perspektivisch große Chancen.
Rheinmetall rüstet Deutschland und Europa auf und bedient damit einen Megatrend, der gerade erst noch Fahrt aufnimmt. Hier ist auch in den nächsten Jahren absehbar starkes Wachstum zu verzeichnen, sowohl organisch als auch anorganisch, und dabei dürften die Gewinne überproportional steigern. Die Aktie bleibt eine Kernposition in meinem Depot.
Neu an Bord bin ich bei Vincorion, einem führenden Entwickler und Hersteller von Energie- und Mechatroniklösungen für Verteidigungsplattformen und fortschrittliche Luftfahrtsysteme. Konkret produziert man Generatoren und Elektromotoren für unterschiedliche Einsatzgebiete und Komponenten das Patriot-Luftabwehrsystem, das in der Ukraine und im Nahen Osten große Erfolge feiert. Zudem liefert man Stabilisierungssysteme, die in Kampfpanzern dafür sorgen, dass diese während der Fahrt treffsicher feuern können - und zwar u.a. für den Leopard II von KNDS und Rheinmetall.
Ich stufe den Nebenwert als interessante Ergänzung zu Platzhirsch Rheinmetall ein und möchte die Entwicklung mit "Skin in the Game" verfolgen.
:: Performance Rheinmetall: Q1/26: -10% | 2025: +435% | 2024: +105%
:: Performance Vincorion: Q1/26: -2% (IPO am 20.02.2026 zu 17,00 Euro)
Palantir (8,75%)
An Palantir Technologies scheiden sich die Geister. Die Aktie ist sehr hoch bewertet, liefert aber mindestens ebenso stark ab. Das Wachstum beschleunigt sich, da man nicht nur rasant neue Kunden gewinnt, sondern die bestehenden Kunden immer schneller immer mehr Angebote von Palantir nutzen; diese Upgrades verursachen natürlich deutlich geringere Kosten, da man die Kunden nicht erst gewinnen muss - und je stärker sich ein Kunde auf Palantir einlässt, desto stärker wird Palantirs Burggraben aus dieser Beziehung, da die potenziellen Wechselkosten für den Kunden immer größer werden.
- Zuletzt verkündete Palantir eine mehrjährige Ausweitung seiner Partnerschaft mit GE Aerospace bekannt, um "die Transformation der Einsatzbereitschaft der US-Luftwaffe sowie der Abläufe im gesamten Produktionssystem von GE Aerospace zu beschleunigen".
- Mit Ondas wurde eine neue Partnerschaft bekannt gegeben, um "integrierte Informations- und Sensorlösungen mit einheitlicher Führung und Kontrolle für dauerhafte ISR-Missionen zu liefern".
- Centrus Energy wird künftig "Palantirs KI-gesteuerte Softwaretools zur Unterstützung von Centrus’ milliardenschwerer Erweiterung seiner Urananreicherungskapazitäten einsetzen".
- Mit NVIDIA bietet Palantir künftig eine "gemeinsame Referenzarchitektur für ein souveränes KI-Betriebssystem, das Kunden ein schlüsselfertiges KI-Rechenzentrum bietet von der Hardwarebeschaffung bis zur Anwendungsbereitstellung."
- Das US-Verteidigungsministerium will KI ins Zentrum seiner Strategie zu rücken und setzt dazu auf die langfristige Nutzung von Palantirs Technologie "Maven" zur Zielerfassung im gesamten US-Militär. "Maven" ist eine Softwareplattform, die riesige Mengen an Schlachtfelddaten von Satelliten, Drohnen und Sensoren analysiert, um mithilfe von KI potenzielle Ziele wie feindliche Fahrzeuge oder Waffenlager zu identifizieren. Es ist bereits heute das wichtigste KI-Betriebssystem der US-Streitkräfte, doch die Einstufung als Standardsystem hebt diese Kooperation - dauerhaft - auf ein neues Level.
Ich bin bei Palantir erst seit kurzer Zeit an Bord, weil mich die enorme Bewertung immer abgeschreckt hat. Inzwischen ist diese aber auf ein vertretbares Maß geschrumpft, weil der Aktienkurs gefallen ist, während das profitable Wachstum sich weiterhin enorm beschleunigt.
Aber... das Investment wird sich nur auszahlen, wenn Palantir dieses profitable Wachstum auch mehrere Jahre lang aufrechterhalten kann. Die Chancen stehen gut, aber sicher ist es nicht. "The Big Short" Michael Burry wettet dagegen und meint, KI-Modelle wie Anthropic würden Palantir auffressen (im Privatsektor).
:: Performance Palantir: Q1/26: -19,5% | 2025: +40%
Alphabet (8,5%)
Die Google-Mutter Alphabet bleibt mein Favorit unter den Magnificent 7. In den letzte drei Monaten war hier kein Geld zu verdienen, weil die Anleger die stark ansteigenden Investitionen in KI kritisch(er) hinterfragen. Doch die Verdopplung des CAPEX folgt lediglich dem noch viel stärker steigenden Auftragseingang und ist daher gut unterfüttert. Wenn sich ein Unternehmen um die Amortisation seiner KI-Investitionen keine Sorgen zu machen braucht, dann ist es Alphabet. Das wird sich in den Geschäftszahlen ebenso abbilden wie dann irgendwann auch wieder im Kurs.
:: Performance Alphabet (A): Q1/26: -6,5% | 2025: +40%
Cluster Alternative Asset Manager: KKR (8,25%)
Alternative Asset Manager stehen bei mir schon viele Jahre und auch weiterhin hoch im Kurs; doch nach den zwei Boomjahren 2023 und 2024 musste der Kurs in 2025 den vorherigen Erfolgen Tribut zollen und gab kräftig nach. Dabei war 2025 ein sehr starkes Jahr für KKR. Und damit nicht genug, denn der Rückgang setzte sich in den Anfangsmonaten 2026 unbeirrt fort. "Private Credit" ist vom Boom-Sektor zum Problemfall mutiert, jedenfalls in der öffentlichen Wahrnehmung. Monatelange negative Schlagzeilen zeigen endlich Wirkung und verunsicherte Anleger fordern ihr Kapital zurück - aus Anlageformen, die dazu nicht gedacht/gemacht sind. Also werden die Rückforderungswünsche nur teilweise (und entsprechend der zugrundeliegenden Regularien) erfüllt, aber das generiert neue Schlagzeilen und verunsichert noch mehr Anleger, die dann auch lieber ihr Geld abziehen wollen. Im 1. Quartal sollen es insgesamt rund 20 Mrd. USD gewesen sein, die Anleger aus Private Credit-Fonds abziehen wollten.
Auf der anderen Seite fließen den Alternativen Asset Managern von Investorenseite weiterhin große Geldsummen zu: KKR, Apollo, Blackstone und andere vermelden Rekordzuflüsse für ihre neuen Fonds und so ist unterm Strich mit weiter steigenden Assets under Management und damit steigenden Managementprovisionen zu rechnen. Vor einigen Tagen vermeldete KKR, seinen "North America Fund XIV" mit einem Volumen von 23 Mrd. USD geschlossen und damit angesichts der anhaltenden Nachfrage seitens der Investoren seinen bislang größten Fonds für diese Region aufgelegt zu haben. Und auch Blackstone erklärte, soeben einen Fonds mit weiteren 10 Mrd. USD aufgelegt zu haben. Es fließt also sehr viel mehr Geld an die Finanzinvestoren, als von ihnen abgezogen wird. Aber die Schlagzeilen behauten genau das Gegenteil. Und solche "Faktenungleichgewichte" lösen sich irgendwann immer auf und hieraus entstehen die großen Chancen.
Nicht rund läuft es bei Exits, die im 1. Quartal wieder deutlich eingeschlafen sind. Das Rekordjahr 2021 bleibt unerreicht und damit fließen den Finanzinvestoren weiterhin nur vergleichsweise niedrige Exit-Provisionen zu, da diese erfolgsabhängig sind.
KKR & Co. halte ich für am besten positionierten Finanzinvestor. Insgesamt habe ich mein Exposure in den letzten Wochen im Finanzsektor runtergefahren, weil ich ja von rezessiven Entwicklungen für die nächsten mindestens sechs Monate ausgehe und Finanzwerte hier traditionell als erste angeknockt werden. Welche Werte und wie stark ich später wieder aufstockte, wird sich zu gegebener Zeit herausstellen. Wer im Frühjahr 2023 während der "Kleinen Finanzkrise" zugegriffen hat (wie ich), konnte sich anschließend über mehr als 100% Kurszuwachs freuen. Ähnlich dürfte die Entwicklung auch diesmal laufen, wenn erstmal Panik über angebliche Kreditausfälle die Runde machen und sich die Doomer mit Horrorszenarien überschlagen. Anders als damals blicken KKR und die anderen allerdings bereits auf heftige Kurseinbrüche von rund 50% verglichen mit dem vorherigen Top zurück. Daher dürften sich die nächsten Einbrüche wohl in moderateren Bahnen bewegen.
Als besonders attraktiv erscheinen KKR & Co. sowie Brookfield, da beide besonders stark im Bereich Infrastruktur investiert sind.
:: Performance KKR & Co.: Q1/26: -27,5% | 2025: -25% | 2024: +92%
Cluster KI-Infrastruktur: Comfort Systems, Quanta Services, Pfisterer Holding (18,75%)
Der KI-Hype wird weiterlaufen, es werden ständig neue Investitionen in weitere KI-Rechenzentren verkündet; waren es zunächst eher hohe zweistellige Milliarden-Dollar-Ankündigungen, sind es sogar bereits mehrfach auch dreistellige Investitionssummen gewesen. Allerdings werden wohl nicht alle Projekte umgesetzt, was auch am wachsenden lokalen Widerstand liegt, weil der enorme Strombedarf zulasten der Unternehmen und Bürger geht, die sich mit Stromausfällen, verweigerten Genehmigungen für Solaranlagen und Wärmepumpen und/oder massiv steigenden Strompreisen konfrontiert sehen.
Was jedenfalls nicht nachlassen wird, ist der Bedarf an Stromerzeugung und Stromnetzen. Die Netzinfrastruktur wird dabei als der größte Engpass angesehen, da mehr als 70% der weltweiten Übertragungsleitungen älter als 25 Jahre sind und die Wartelisten für neue Projekte im Bereich erneuerbare Energien fast ein Jahrzehnt betragen. Daher stechen zwei Anlagethemen besonders hervor: Netzinfrastruktur und "Verteilung hinter dem Zähler". Das Netz muss zwangsläufig modernisiert und die Übertragungskapazität erhöht werden, um die steigenden Lasten bewältigen zu können. Energieinfrastrukturauftragnehmer werden davon massiv profitieren.
In diesen Megatrend sollte man einfach investieren und Quanta Services ist hier meine erste Wahl. Daneben erfreue ich mich weiter an Kühlspezialist Cofort Systems USA und setze nun auch auf die Pfisterer Holding.
Comfort Systems hat sich zu einem wichtigen Akteur in der Branche der mechanischen und elektrischen Bauunternehmen entwickelt. Dies beinhaltet eine Spezialisierung auf die Bereitstellung von mechanischen, elektrischen und sanitären Lösungen. Dazu gehören auch Heizung, Lüftung und Klimatisierung (HVAC) sowie Sanitär, Rohrleitungen, Steuerungen, Außenanlagen, Überwachung und Brandschutz. Der Kurstreiber in den letzten beiden Jahren ist ganz klar das noch vergleichsweise junge Segment der Kühlung von KI-Rechenzentren. Der dortige Boom und der zunehmende Trend hin zu immer leistungsstärkeren KI-Chips erfordert neue und verbesserte Kühlsysteme. Und Comfort Systems ist hier erste Wahl. Das Unternehmen profitiert von einem hohen Auftragsbestand, insbesondere in Sektoren wie Rechenzentren und Technologie, was zukünftige Umsatzströme relativ gut vorhersehbar macht. Die umfassende Erfahrung von Comfort Systems, der robuste operative Rahmen und die Konzentration auf strategische Akquisitionen stärken die Wettbewerbsposition des Unternehmens weiter.
Quanta Services ist Marktführer beim Planen und Bauen von Energienetzen. Man bietet Infrastrukturlösungen für die Strom- und Gasversorgungs-, erneuerbare Energien-, Kommunikations-, Pipeline- und Energiebranche, vor allem in den USA, aber auch in Kanada und Australien. Damit ist weiteres Wachstum vorprogrammiert, denn die Nachfrage nach Strom wird weiter deutlich steigen. Schließlich ist Energie der Schlüsselfaktor für die KI-Revolution, weil ohne Strom kein KI-Rechenzentrum läuft. Dabei muss nicht nur genügend Strom erzeugt werden, sondern er muss auch zum Ziel transportiert werden (können). Und genau hier ist der neue Flaschenhals entstanden, denn aufgrund des rasant ansteigenden Bedarfs sind die Kapazitäten längst ausgereizt. Doch Strom benötigen auch Wirtschaft, Bürger und Militär. Es wird also mehr Energie benötigt und die Netze müssen schnellstens ausgebaut werden.
Die Pfisterer Holding SE ist ein deutscher Spezialist für Bauteile und Systeme für Stromnetze und andere Wege der Energieübertragung. Pfisterer bietet Lösungen von der Erzeugung und der Übertragung bis zur Verteilung elektrischer Energie und zwar zu Land, zu Wasser und in der Luft. Dabei deckt das Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette ab und positioniert sich als unabhängiger Anbieter für Netzbetreiber, Energieversorger und Kabelhersteller. Als (deutscher) Nebenwert fliegt die Aktie bisher noch völlig unterm Radar, aber das dürfte sich bald ändern, denn der Investitionsbedarf in Stromnetze ist gewaltig. Und Deutschland ist der weltweit zweitgrößte Standort für (KI-) Rechenzentren und beinahe täglich werden weitere angekündigt...
:: Performance Comfort Systems: Q1/26: +46% | 2025: +95%
:: Performance Pfisterer Holding: Q1/26: -5% | 2025: +160% (seit IPO am 15.05. zu 29,70 Euro)
:: Performance Quanta Services: Q1/26: +30% | 2025: +19%
Rocket Lab (4,75%)
Rocket Lab etabliert sich als einziger ernstzunehmender Wettbewerber von SpaceX, dem Weltraumunternehmen von Elon Musk. Man erhält eine Flut von neuen Aufträgen und konnte bisher sämtlich Electron-Starts erfolgreich abwickeln. Der Fokus richtet sich nun zunehmend auf die neue und größere Neutron-Rakete, die in 2026 erstmals ins All fliegen soll. Damit wären noch deutlich größere Nutzlasten möglich und das würde Rocket Lab weitere Potenziale erschließen. Beim "Kampf ums All" setze ich auf diesen Fighter! Das ist natürlich kein Value Investment, sondern eine Spekulation auf einen zukunftsträchtigen Sektor; fundamental ist die Bewertung deutlich abgehoben was das Umsatzmultiple angeht; der hohe Auftragseingang relativiert dies allerdings ein bisschen. Doch der Raum für Fehler ist gering und die nächste Entwicklungsstufe muss erfolgreich zünden. Entsprechend niedrig ist mein Depot-Exposure.
Kurzfristig dürfte der anstehende Börsengang von SpaceX viel Aufmerksamkeit erregen und die erwartbar hohe Bewertung auch andere Aktien aus dem Sektor beflügeln. Nicht nur die Herzen der Trekkies schlagen höher...
:: Performance Rocket Lab: Q1/26: -8% | 2025: +135%
Cluster FinTechs: LendingClub, SoFi Technologies (0%)
Meine FinTech-Spekulationen habe ich ausgemustert. Vorübergehend. Der Finanzsektor dürfte demnächst ordentlich leiden und ich werde mich neu positionieren, wenn die Entwicklungen und Schäden absehbar sind. Die Verkaufserlöse flossen also vollständig in meine Kriegskasse.
▶ Meine Cash-Quote
Ich habe vor einiger Zeit (endlich) erkannt, dass eine hohe Cash-Quote langfristig mehr Rendite kostet, als wenn man annähernd voll investiert ist - auch wenn man dann bei Kursabstürzen voll aufs Brett kriegt. Man muss dann eben "nur" die Ruhe bewahren. Meine Cash-Quote lag Ende des Quartals bei für mich üblichen 1 %.
!!! Meine Cash-Quote lag Ende des Quartals bei für mich völlig unüblichen 21% (inkl. WP-Kreditrahmen).
Anmerkungen zum Wertpapierkredit: Bei voller Inanspruchnahme macht er inzwischen "nur noch" rund 15% meines Investmentkapitals aus (Mitte 2022 zum Start waren es exakt 20%). In 2022 war wegen des Börseneinbruchs die kreditgenerierte Hebelwirkung kostspielig, in 2023 hat sie sich sehr positiv ausgezahlt und auch 2024 rechnet sich das Ganze noch (obwohl anstelle der ursprünglichen 3% inzwischen knapp 7,5% 5,5% p.a. an Zinsen anfallen). Ich werde den Kreditrahmen nicht erhöhen; sollte das Depot weiter zulegen, verringert sich damit der Kreditanteil an meinem verfügbaren Kapital entsprechend. Und selbstverständlich weiß ich, was Warren Buffett davon hält:
»Geliehenes Geld hat keinen Platz im Investoren-Werkzeugkasten. An den Märkten kann jederzeit alles passieren. (...) Kredit ist wie Sauerstoff. Ist er vorhanden, bleibt seine Anwesenheit unbemerkt. Fehlt er, ist das alles, was bemerkt wird. (...) Wenn Du schlau bist, musst Du keinen Kredithebel für deine Investments nutzen und wenn Du dumm bist, solltest Du keinen nutzen.«
Stimmt schon. Der Wertpapierkredit bleibt "under review" - und ich frage mich immer mal wieder, ob ich 'nicht schlau' bin oder 'dumm' und ob ich das rausfinden kann, ohne dabei Pleite zu gehen. Mein Wertpapierkredit und ich haben ja keine ganz unkomplizierte Vorgeschichte...
Cash als Risikoversicherung
"Dieses Mal ist alles anders sind die fünf teuersten Worte auf dem Gebiet des Geldanlegens" warnt Sir John Templeton. Und auch dieses Mal wird es nicht anders laufen als schon so viele Male zuvor. Geschichte widerholt sich zwar nicht, aber sie reimt sich. Im Jahr 2026 sind einige Rahmenparameter anders als im Jahr 2022, doch das Grundmuster eines Preisschocks und der sich dann anschließenden Inflationsspirale ist das gleiche.
Die stark gestiegenen Energiepreise wirken sich nicht nur beim Heizen und Duschen negativ aus und an der Zapfsäule, sondern sie verteuern mit einigem zeitlichem Verzug so gut wie jedes Produkt. Diese Mehrkosten müssen und werden die Unternehmen an die Verbraucher weitergeben und damit einen Preisschub auslösen. Mehrere aufeinanderfolgende, um genau zu sein, denn diese Entwicklung verläuft in Wellen und das über Monate und manchmal Jahre. Die Prognosen für 2026 gehen inzwischen von einem Anstieg der Inflationsrate Richtung 5% aus und damit können wir jegliche Zinssenkungsfantasie zu den Akten legen! Schlimmer noch: als 2021 die Inflation hochschoss, lag das Zinsniveau auf historischem Tief, die Wirtschaft boomte und der Arbeitsmarkt war weitgehend leergefegt. Die Notenbanken reagierten daher mit schnellen und starken Zinsanhebungen - und erwürgten damit alles und jeden. 2026 liegt das Zinsniveau aber deutlich höher, die Wirtschaft taumelt bereits am Rande der Rezession und Unternehmen entlassen bereits seit längerer Zeit und in großem Stil Personal. Der Handlungsspielraum für die Notenbanken ist also gering! Das gilt für die EZB, aber noch stärker für die Fed, denn deren zwei Hauptaufgaben sind Preisstabilität und ein robuster Arbeitsmarkt. Die Folge dürfte also sein, dass die US-Notenbank diesmal die Zinsen nicht oder nur moderat anhebt und somit eine erhöhte Inflation billigend in Kauf nimmt nehmen muss.
In 2026 ist eine ähnliche Entwicklung wie 2022 zu erwarten und 2022 war eines der schlechtesten Börsenjahre aller Zeiten, auch wenn der ganz große Crash ausblieb. Das muss man nicht tatenlos hinnehmen, sondern kann sich absichern. Zum Beispiel über Puts, aber damit habe ich keine großen Erfahrungen und wenn ich solche Instrumente eingesetzt habe, dann meistens unterm Strich wenig erfolgreich. Zumal die Volatilität ja bereits massiv in die Höhe geschossen ist und damit alle Puts und Calls "intern" verteuert.
Die Alternative ist, Cash aufzubauen - nicht als Reservoir für die Schnäppchenjagd, sondern als Absicherung gegen die absehbare Börsenschwäche. Und genau dafür habe ich mich entschieden. Daher habe ich Positionen reduziert oder ganz verkauft, die unter den von mir für die nächsten Monate erwarteten Entwicklungen stärker leiden dürften und fokussiere mich - vorübergehend? - auf Unternehmen und Branchen, die dem aufziehenden Sturm am besten standhalten werden können.
Ob sich die Dinge so entwickeln, wie ich vermute, bleibt abzuwarten. "Die Börse ist ein Spiel der Wahrscheinlichkeiten, nicht der Gewissheiten" mahnt Ken Fisher. Ich bin mir ziemlich sicher, daher handele ich entsprechend. Obwohl Geduld nicht meine größte Stärke ist und sich eine hohe Cashquote für mich falsch und wie verschenkte Gelegenheiten anfühlt. Aber 2026 fühlt sich an wie 2022 und auch wie der aufziehende Corona-Sturm Anfang 2020 und beide Male habe ich trotz meiner Vorahnung nicht reagiert und bin voll aufgetakelt in den Sturm gesegelt. Am Ende habe ich den Sturm gut überstanden, aber emotional war das eine gewaltige Achterbahnfahrt. Dieses Mal probiere ich es mit einem alternativen Ansatz - ob mir die erhöhte Cashquote dann wirklich kleinere Verluste einbringt und ob ich das Geld anschließend wieder sinnvoll (und nicht zu teuer) investieren kann und werde, kann ich heute noch nicht sagen. Ich kann nur hoffen, dass ich keinen Fehler begehe und sich meine Entscheidung als richtig erweist und letztlich auszahlt.
Die Geschäftszahlen der Unternehmen zum erste Quartal werden jedenfalls noch nicht viel der Preisschockprobleme zeigen - aber der Ausblick der Unternehmen auf das zweite Quartal und ggf. auf das Gesamtjahr dürfte schon erste Aufschlüsse zulassen. Und die Earnings Season zum zweiten Quartal wird dann bereits "beeindruckt" sein und zeigen, ob meine Überlegungen grundsätzlich stimmig waren oder übertrieben. Ich werde berichten...
▶ Mein 'operativer Net Worth'
"Das Endergebnis aller Investitionen ist die Rendite" schrieb Value Investor Chuck Akre uns Anlegern ins Stammbuch. In 2024 war mein "operativer Net Worth" um +61,0 % gestiegen - ein neuer Rekordwert nach dem bereits extrem starken Jahr 2023. Insbesondere die saustarke Entwicklung im 4. Quartal 2024 hatte die Messlatte sehr hoch gelegt und so musste das durchwachsene Jahr 2025 dem Tribut zollen und ging am Ende mit +7,5% aus dem Rennen.
Das 1. Quartal 2026 startete wieder verheißungsvoll mit einem Plus von 10% nach wenigen Tagen, doch der KI-Tsunami und Trumps Nahost-Krieg stampften die erreichten Zuwächse zweimal wieder ein. Und so schloss das 1. Quartal 2026 letztlich mit -1,5 % ab.
Da mehr als die Hälfte meines Depots in US-Werten investiert ist, wirkt sich der schwache Dollar (-12% in 2025) entsprechend negativ aus; auch wenn er in 2026 bisher eher Stärke zeigt.
Anmerkung: Mein 'operativer Net Worth' ist der variable Teil meines Vermögens (Cash, Fonds/ETFs, Wertpapiere), den ich durch Investieren oder Arbeitsleistung aktiv beeinflussen kann. Die ausgewiesene Rendite stellt also nicht alleine die Entwicklung meiner Investmenttätigkeit dar, aber sie liegt nahe dran, da mein Investmentdepot rund 95% meines Gesamtvermögens ausmacht. Des Weiteren erzeugt die Inanspruchnahme eines Wertpapierkredits einen Hebeleffekt - positiv oder negativ. Mein Verschuldungsgrad ("Loan-to-Value Ratio"), also der in Anspruch genommene WP-Kredit im Verhältnis zum Depotwert zzgl. Cash, lag Ende des 1. Quartals bei 0,0% (Q4: 10,0%) - ich habe aktuell ja sogar ein Guthaben.
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Meine angepeilte durchschnittliche Jahresperformance liegt bei 15 % und die hatte ich 2022 deutlich verfehlt. 2023 habe ich voll zurück in die Erfolgsspur gefunden mit einem Zuwachs von +55,75% und dieses Ergebnis in 2024 mit +61,0% sogar nochmals toppen können. In den letzten 10 Jahren habe ich 8 Jahre mit Renditen zwischen 22% und 61% abgeschlossen, während ich mir 2018 ein sattes Minus von -10% einhandelte und 2022 sogar -16,75%. In 2025 reicht es dann lediglich für ein kleines Plus von +7,5% und das 2026er Auftaktquartal lag sogar mit -1,5% unter Wasser.
Doch wie man der Tabelle entnehmen kann, sind selbst bei einer nur quartalsweisen Betrachtung die teilweise heftigen Schwankungen kaum zu sehen. Angefühlt hat sich das zwischendurch allerdings anders...
Und noch ein Aspekt ist bedenkenswert: der Ankereffekt, an dem ich ja selten ein gutes Haar lasse. Wie man sieht, war das 4. Quartal 2024 saustark mit einem Renditezuwachs von 25 %. Der legte die Messlatte entsprechend hoch. Nach 12 Monaten stehen also "nur" 7,5 % zubuche, aber auf Sicht von 18 Monaten sind es rund 33%. Und ein Zuwachs von +5,5% pro Quartal klingt nicht gerade danach, Trübsal blasen zu müssen... ツ
Trotz der zwischenzeitlichen Rücksetzer zeigt die grundsätzliche Entwicklung weiter in die gewünschte Richtung. Seit ich 2014 mein Vermögen in meine GmbH überführt habe, hat es um durchschnittlich 19% pro Jahr zugelegt. Die letzten 15 Monate verliefen allerdings deutlich unterdurchschnittlich...
Mein Lieblingshobby Börse macht mir immer noch viel Spaß und ich schreibe auch immer noch gerne darüber. Auch wenn ich inzwischen doch viel Arbeit in bezahlte Börsenartikel stecke und mir dabei meine Themen nicht immer so frei aussuchen kann, wie das früher der Fall war, als ich ausschließlich dieses Blog bespielt habe. Aber ich will mich nicht beschweren, sondern bin sogar dankbar, dass ich als 'ungelernter' Schreiberling eine so tolle Beschäftigung gefunden habe, die mir viel Freude bereitet - fast so viel wie das Investieren selbst. Fast...
So, geschafft. Und nun bin ich gespannt auf eure Anmerkungen und eure Kritik zu meinem Quartalsbericht.
Möge die Rendite mit euch sein! ツ
Disclaimer: Die meisten Werte befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.




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