Dienstag, 11. August 2015

Jungheinrich kauft zu und erhöht die Prognosen

Die Hamburger Jungheinrich AG, weltweit drittgrößter Hersteller von Flurförderfahrzeugen, hatte 2014 ein Rekordergebnis erzielt und die Entwicklung geht nahtlos so weiter, wie die Halbjahreszahlen belegen.

Ergebnis je Aktie steigt um 14 Prozent
Der Umsatz wuchs um 10 Prozent auf 1,3 Mrd. EUR (1,177 Mrd. EUR), wobei sich die positive Entwicklung im zweiten Quartal noch beschleunigt hatte (+13%). Die Erlöse im wichtigsten Einzelmarkt Deutschland waren dabei um 7% gestiegen. Das EBIT erreichte im Halbjahr einen Wert von 98,6 Mio. EUR (86,6 Mio. EUR) und lag damit um 14% höher als der Vorjahreswert, das Ergebnis nach Steuern stieg um 15% auf 64,2 Mio. EUR (55,9 Mio. EUR). Dem entsprechend stieg das Ergebnis je Vorzugsaktie auf 1,92 EUR (1,68 EUR).

Auftragseingang legt weiter stark zu
Sehr erfreulich entwickelte sich auch der Auftragsbestand. Der Stückzahl bezogene Auftragseingang im Neugeschäft lag mit 49.300 Fahrzeugen um 15% über dem Vorjahreswert, während der wertmäßige Auftragseingang im 1. Halbjahr mit 1,369 Mrd. EUR um 10% gesteigert werden konnte. Dabei sind fast 60% des Anstiegs auf das Neugeschäft zurückzuführen. Folgerichtig stieg auch der Auftragsbestand des Neugeschäfts und zwar um 7% auf 471 Mio. EUR, so dass die Auftragsweite weiterhin 4 Monate beträgt.

Jungheinrich erzielt 25% seiner Umsätze in Deutschland, 64% im übrigen Europa und inzwischen 11% in den übrigen Ländern, darunter China. Hier liegt auch der besondere Wachstumstreiber, denn die Umsatzerlöse außerhalb Europas stiegen um 19%, was insbesondere auf China zurückzuführen ist.

 Jungheinrich AG (Quelle: comdirect.de)
Gebrauchtgerätegeschäft
So wichtig das Neugeschäft ist, auch das Geschäft mit Gebrauchtgeräten und Wartung, Service, Dienstleistungen trägt immer mehr zum Erfolg bei. Bei den Gebrauchtgeräten legte Jungheinrich um 11% zu, beim Kundendienst um 8%.

Vorstand hebt Prognose an
Die guten Halbjahreszahlen und der im zweiten Quartal nochmals stärker zulegende Geschäftsverlauf veranlassen den Vorstand, seine Jahresprognosen anzuheben. Der eigene Umsatz soll bei Jungheinrich im laufenden Jahr nun auf 2,65 bis 2,75 Mrd. EUR (bisher 2,6 bis 2,7 Mrd. EUR) und die operative Gewinnerwartung (EBIT) gibt der Konzern nun mit 195 bis 205 Mio. EUR an (bisher waren 190 bis 200 Mio. EUR erwartet worden).

Zukauf
Neben den operativen Erfolgen vermeldete Jungheinrich auch einen Zukauf, um seinen strategischen Schwerpunkt Logistiksysteme zu verstärken. Mit der MIAS Group, Hamburg, soll das Logistikgeschäft ausgebaut werden. MIAS ist als Anlagenbauer für Lager- und Transporttechnik Weltmarktführer im Marktsegment Lastenaufnahmemittel für Paletten und Spezialist im Bereich Regalbediensysteme. Sie soll als Unternehmensteil unter der eigenständigen Marke MIAS weitergeführt werden.

Einschätzung
Jungheinrich ist ein börsennotiertes Family Business und wächst unaufgeregt und leise. Dafür allerdings stark und erfolgreich, so dass der Wert folgerichtig seit einem Jahr auf meiner Empfehlungsliste steht - die Performance von rund 60% ist äußerst erfreulich, aber kein Grund, sich deshalb zurückzuhalten! Die robuste Wirtschaftslage im wichtigsten Markt Deutschland sorgt für weiterhin rosige Aussichten, der Wachstumstreiber China ist bisher noch nicht groß genug, um wirklich Sorgenfalten auf die Stirn zu treiben. Die Turbulenzen an Chinas Börsen, die Ende des zweiten Quartals ihren Anfang nahmen, und die Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung des Landes dürften auch die Perspektiven von Jungheinrich tangieren und dort etwas eintrüben. Mehr aber auch nicht. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 15 ist die Aktie attraktiv bewertet und aufgrund des starken Wachstums weiterhin aussichtsreich. Für langfristig orientierte Anleger, die auf Qualität mit profitablem Wachstum setzen wollen, bietet sich mit Jungheinrich auch auf dem Rekord-Kursniveau von 68 EUR eine hervorragende Gelegenheit.

Die 10 größten Deals des Warren Buffett

Star-Investor Warren Buffett hat soeben die Übernahme von Precision Castparts für 37,2 Mrd Dollar angekündigt, der größten Übernahme in der Geschichte seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway. Mit Aktieninvestments und der Übernahme ganzer Unternehmen wurde Warren Buffett zum dritt reichsten Menschen der Welt mit einem geschätzten Vermögen von rund 66 Milliarden Dollar.

Wir wollen mal einen Blick auf seine 10 größten Deals werfen, die zwischen 1998 und heute lagen. Von diesen betrafen 9 Übernahmen die USA und ein Übernahmeziel lag in Kanada, also keines außerhalb Nordamerikas. Doch nicht alle Deals stemmte Buffett alleine, einmal unterstützte ihn die brasilianische Private Equity Firma 3G und einmal das Management des übernommenen Unternehmens.

Volumen   Unternehmen   Ankündigung   Aktienanteil   Volumen inkl. Schulden
31,58 Mrd. $   Precision Castparts   10.08.2015     96,90% (1)   35,81 Mrd. $
26,71 Mrd. $   Burlington Northern Santa Fe   03.11.2011     77,40% (1)   35,94 Mrd. $ 
23,58 Mrd. $   H.J. Heinz (2)   14.02.2013   100,00%   27,50 Mrd. $
16,15 Mrd. $   General Re   19.06.1998   100,00%   16,15 Mrd. $
10,70 Mrd. $   IBM   14.11.2011       5,43% (3)   10,70 Mrd. $
  9,21 Mrd. $   Lubrizol Corp.   14.03.2011   100,00%     9,91 Mrd. $
  5,65 Mrd. $   NV Energy Inc.   29.05.2013   100,00%   10,42 Mrd. $
  5,10 Mrd. $   PacifiCorp   24.05.2005   100,00%     9,40 Mrd. $
  2,83 Mrd. $   AltaLink Holdings L.P. (CAN)   01.05.2014   100,00%     5,46 Mrd. $
  2,14 Mrd. $   MidAmerican Energy (4)   25.10.1999   100,00%     8,39 Mrd. $
Quelle: marketwatch.com

Anmerkungen:
(1) Berkshire Hathaway hielt bereits vor der Übernahmeankündigung Aktien dieses Unternehmens
(2) Berkshire Hathaway übernahm dieses Unternehmen gemeinsam mit 3G Capital Inc.
(3) Berkshire Hathaway hat keine Übernahme angekündigt, sondern lediglich Aktien gekauft
(4) Berkshire Hathaway tätigte die Übernahme gemeinsam mit dem Management des Unternehmens


Wie Buffett erklärte, würde Berkshire Hathaway nach Vollendung der Übernahme von Precision Castparts noch immer über mehr als 40 Milliarden Dollar an Cash für weitere Zukäufe verfügen. Man darf also auf weitere Deals gespannt sein...

Montag, 10. August 2015

Elefantenbüchse: Buffett hat Precision Castparts im Visier - für 37 Milliarden Dollar

Star-Investor Warren Buffett steht Berichten des Wall Steet Journals zufolge vor dem größten Zukauf seiner Geschichte. Dabei soll es sich um den Luftfahrt-Zulieferer Precision Castparts handeln, der Buffett 37,2 Mrd USD bzw. 235 je P.C.-Aktie kosten wird - Übernahmeprämie eingeschlossen.

"Große Anlagemöglichkeiten kommen immer dann, wenn hervorragende Unternehmen vorübergehend in schwieriges Fahrwasser geraten und deshalb unterbewertet werden."
(Warren Buffett)

Die bisher größte Übernahme war vor einigen Jahren der Kauf der restlichen 77% an der Eisenbahngesellschaft BNSF für rund 26 Mrd. USD.

Der Elefant taumelt, Buffett schnappt zu
Precision Castparts beliefert überwiegend die Luftfahrtindustrie, aber auch Kraftwerke sowie die Öl- und Gasindustrie mit gegossenen Teilen und Komponenten. Seit Juni ist der Aktienkurs um fast 30% abgestürzt aufgrund von Befürchtungen, das Unternehmen könnte unter der deutlichen Investitionszurückhaltung seiner Kunden aus dem Öl- und Gassektor leiden. Im Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr 2014/15 erzielte Precision Castparts einen Gewinn von 1,53 Mrd. USD bei einem Umsatz von 10 Mrd. USD.

 Berkshire Hathaway, B-Aktie (Quelle: comdirect.de)
Sollten sich die Gerüchte bewahrheiten, wäre dies ein echter Paukenschlag und würde die gerade aufkommenden Diskussionen über das schlechte Quartalsergebnis von Berkshire Hathaway schnell verdrängen, weil sich der Fokus sofort wieder auf Buffett und seine "Elefantenbüchse" richtet. Genügend Cash, um die Übernahme zu stemmen, hat er jedenfalls: per Ende März wies Berkshire immerhin fast 64 Mrd. USD als Cash-Bestand aus. Und mit rund 3% Anteil ist Berkshire Hathaway bereits heute einer der größten Aktionäre von Precision Castparts.

Einschätzung
Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste. Allerdings seit einiger Zeit nur noch als Halteposition, weil die starke Abhängigkeit vom Versicherungsgeschäft meines Erachtens immer größere Risiken birgt. Und über diese Sparte sagte Buffet kürzlich selbst, dass sie in den nächsten 10 Jahren "nicht mehr so gut laufen werde wie in den letzten 30 Jahren". Die gerade erst vorgelegten Quartalszahlen geben hierzu einen ersten Vorgeschmack und das exzellente Beteiligungsportfolio kann die Risiken momentan nicht aufwiegen.

Börsenweisheit der Woche 32/2015

"Sei geduldig. Aktien steigen nicht immer sofort."
(Walter Schloss)

Buffett im 2. Quartal ohne Fortune

Star-Investor Warren Buffett ist kein Freund von Quartalsberichten, weder bei den Unternehmen, in die er investiert, noch bei seiner eigenen Investment-Holding Berkshire Hathaway. Und der jüngst zum 2. Quartal 2015 vorgelegte Bericht wird auch bei seinen Aktionären keine Freudensprünge auslösen, denn Berkshires Gewinn ist massiv eingebrochen.

Versicherungssparte massiv unter Druck
Zu seinem fünfzigsten Firmenjubiläum hätte Buffet vermutlich lieber anders präsentiert, als einen Rückgang des Nettogewinns von 37% auf 4,01 Mrd. USD. Dabei machte vor allem das Versicherungsgeschäft, die tragende Säule des BH-Konglomerats, Sorgen. Die Sparte, zu der BHRE und der Autoversicherer Geico gehören, erzielte mit 939 Mio. USD 40% weniger Gewinn als im Vorjahresquartal - was auf erheblich gestiegene Haftungsansprüche seitens der Kunden zurückgeführt wird. Allerdings steht das Versicherungsgeschäft zunehmend unter Druck weil aufgrund der Niedrigzinsphase verstärkt branchenfremde Anbieter, wie Pensionskassen und Hedgefonds, in den Versicherungsmarkt drängen und mit Dumpingpreisen den etablierten Versicherern die Kunden abspenstig machen. Der Chef der BH-Rückversicherungssparte, Ajit Jain, Cousin des ehemaligen Co-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain, hatte bereits vor kurzem angekündigt, sich künftig auch stärker in Sach- und Unfallversicherungen engagieren zu wollen. Seit jeher kein margenstarkes Geschäft. Die starke Fokussierung Berkshires auf Versicherungen könnte zu einem nicht unerheblichen Problem werden...

Freitag, 7. August 2015

Investor-Update: Blackstone, Deutsche Rohstoff, KCAP Financial, KKR

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

= Blackstone Group
Der Kurs der Blackstone-Aktien schwächelt die letzten Tage und reizt mich zum Nachkauf. Ich habe mich aber gegen eine Aufstockung entschieden, da Blackstone bereits mein mit Abstand größter Depotwert ist. Die Private-Equity-Branche halte ich allerdings weiterhin für sehr aussichtsreich und habe daher in diesem Bereich bei anderen Werten aufgestockt.

= Deutsche Rohstoff
Der Ölpreis hängt in den Seilen und mit ihm der Aktienkurs der DRAG. Auch hier habe ich nicht weiter aufgestockt, obwohl das Kursniveau dazu einlädt - die Position hat in meinem Depot inzwischen eine ausreichende Größe und nun muss ich mich in Geduld üben, bis meine Spekulation aufgeht. Denn man sollte bei aller Überzeugung niemals die weisen Worte des Ökonomen und erfolgreichen Börsen-Investors John Maynard Keynes vergessen: "Die Märkte können länger irrational bleiben als du solvent".

+ KCAP Financial Inc.
Der Kurs von KCAP Financial (ehemals Kohlberg Capital Corp.) hat nach Bekanntgabe der Zahlen zum zweiten Quartal weiter nachgegeben, weil die Zahlen leicht unterhalb der Erwartungen lagen. Ich habe heute meine kleine Position ausgebaut und verdoppelt, weil KCAP stark im Bereich der Unternehmensfinanzierungen für kleine und mittlere Unternehmen unterwegs ist und ich den Markt für CLOs als sehr aussichtsreich erachte. Es scheint momentan leichte Befürchtungen zu geben, was die Aussichten für CLOs angeht hinsichtlich der erwarteten Zinswende in den USA. Allerdings wird das kaum ein abruptes Ansteigen der Zinsen werden, sondern ganz sachte und über einen langen Zeitraum gestreckt vor sich gehen, daher sehe ich diese Befürchtungen als übertrieben an. Das Management von KCAP Financial wird sich darauf einstellen, immerhin sind sie seit mehr als 20 Jahren am Markt aktiv.

Exkurs zu Collateralized Loan Obligations (CLOs) 
Über zwei Tochtergesellschaften ist KCAP Financial im Markt für CLOs aktiv. Einerseits managend die Töchter für Kunden CLOs und verdienen an den Provisionen, andererseits hat KCAP selbst auch eigenes Geld bei diesen Töchtern investiert, um direkt am Erfolg der CLOs teilhaben zu können. 
Doch was sind dieses CLOs eigentlich? CLOs gehören zu den strukturierten Finanzprodukten und die haben bekanntlich seit der Finanzkrise 2008/2009 einen ganz miesen Ruf. Allerdings haben sie nichts mit den damaligen Problemauslösern zu tun, den "Ramsch-Krediten", also jenen fast schon ausfallgefährdeten Immobilienfinanzierungen, die zusammengefasst und an gutgläubige Investoren weiterverkauft wurden. CLOs sind damals stark in Mitleidenschaft gezogen worden, obwohl es kaum Ausfälle zu verzeichnen gab - allerdings ist der Markt ziemlich illiquide und in der Finanzkrise traf ein in die Höhe schnellendes Angebot auf eine kaum mehr vorhandene Nachfrage. Mit der Folge, dass die Kurse zusammenbrachen und der Markt austrocknete. Schlecht für die Investoren, die schnell an ihr Geld wollten, grundsätzlich unerheblich für alle anderen, insbesondere die Unternehmen, denen das Geld zur Verfügung gestellt worden war. Denn CLOs sind verbriefte Unternehmenskredite. In einem CLO werden bis zu 90 verschiedene Unternehmenskredite zusammengefasst (das ist die sog. Strukturierung) und dann Investoren zur Beteiligung angeboten. Diese können so in den höher verzinsten Markt der Unternehmensfinanzierungen einsteigen, ohne den Unternehmen direkt Geld leihen zu müssen. Die komplette Abwicklung, das Forderungsmanagement usw., wird vom CLO-Manager übernommen, wofür dieser natürlich eine Entlohnung erhält. Ein weiterer Vorteil ist, dass die CLOs das Risiko streuen, indem sie verschiedene Unternehmen, Branchen und Laufzeiten enthalten. 
Gegenüber einem Investment in klassische Unternehmensanleihen bieten CLOs den Vorteil, dass sie eine höhere Sicherheit aufweisen, da sie in der Regel mit den Unternehmenswerten besichert sind. Die sog. Wiedergewinnungsrate möglicher Ausfälle (also die Recovery Rate) liegt so etwa bei 60 bis 70 Prozent und bietet einen zusätzlichen Risikopuffer. Der Reiz für Investoren liegt darin, dass sie mit CLOs deutlich bessere Renditechancen wahrnehmen können als sie sonst am Kapitalmarkt für ihre Anlagen erzielen. Durch externe Ratings und die Verwaltung durch professionelle CLO-Manager sinkt das Risiko nochmals ggü. einem Direktinvestment. 
Dieses Geschäftsfeld, ist eines der drei Standbeine von KCAP Financial und über den Erwerb der Aktien des Unternehmens kann man nicht nur (indirekt) in CLOs investieren, sondern auch an der Verwaltung der CLOs mitverdienen.

+ KKR & Co. L.P.
Meinen vor einigen Wochen reduzierten Bestand an KKR habe ich wieder auf eine mittelgroße Position aufgestockt. Und das nicht ohne Grund, denn KKR hat einen ersten Schritt unternommen, seine Beteiligung First Data Corp. an die Börse zu bringen. KKR kaufte First Data im Jahr 2007 auf der Höhe des letzten Marktbooms in einer der bisher größten fremdfinanzierten Übernahmen - für 29 Mrd. USD, darunter 20 Mrd. an Fremdmitteln. In der Zwischenzeit hat KKR sein Engagement, auch zugunsten anderer PE-Firmen, deutlich reduziert auf 4,3 Mrd. USD, davon 1,3 Mrd. an Eigenmitteln.

Um zu bestimmen, ob KKR hier noch einen Reibach machen kann, muss man sich First Data mal etwas näher ansehen. First Data "ist ein Anbieter von E-Commerce Lösungen für den Zahlungsverkehr. Die Produkt- und Dienstleistungslinie von First Data umfasst die Dienstleistung für Geschäftsabwicklung, -bearbeitung; Kreditkarte, Debitkarte, Prepaidkarte, Geschenkkarte, Gehaltsabrechnung und andere vorausbezahlten Darbietungen; Schutz gegen Betrug und Authentifizierungslösungen; Dienstleistungen für elektronische Scheckannahme durch TeleCheck; Internet-Kommerz und bewegliche Zahlungslösungen", liest man bei Wikipedia. Der Umsatz im letzten Jahr betrug mehr als 11 Mrd. USD und weltweit werden 23.000 Menschen beschäftigt. Vergleichbare Konkurrenten, wie VISA oder MasterCard sind im letzten Jahr um 42% bzw. 30% im Wert gestiegen. In diesem Artikel auf Seeking Alpha wird First Data ziemlich gut beschrieben und auch Vergleiche angestellt zu VISA und MC. Auch wenn First Data eine erhebliche Schuldenlast zu tragen und operativ noch einiges an Verbesserungspotenzial zu bieten hat, dürfte sein IPO-Wert irgendwo zwischen VISA und MC anzusiedeln sein. Also zwischen 111 Mrd. und 184 Mrd. USD. Und auch wenn KKR heute nur noch Teile des Kuchens gehören, so mag sich jeder selbst ausmalen, was eine solche Bewertung bzw. Verkauf für KKR bedeuten würde. Denn KKR selbst wird aktuell mit 9 Mrd. USD an der Börse bewertet. Ein erfolgreiches IPO von First Data dürfte den Aktienkurs von KKR wohl in etwa so beflügeln wie ein Katapultstart...

.: Cashquote
Die beiden Zukäufe haben meine Cashquote auf 10 Prozent gedrückt, womit ich mich wegen der anstehende "miesen" Jahreszeit für Aktien nicht ganz wohl fühle. Ich werde mir also einige Gedanken über ein Re-Balancing im Depot machen...

Donnerstag, 6. August 2015

Im Interview... mit dem Bargain Magazine

Das Interview mit mir führte Daniel Koinegg vom Bargain Magazine, wo der Artikel am 6. August 2015 zuerst erschienen ist.


Das Bargain Magazine hat mit einem Schwergewicht der deutschsprachigen Value-Blogger-Szene ein Interview geführt. Michael C. Kissig, Value Investor, Unternehmensberater, Aufsichtsrat, und sympathischer Kerl, stand uns Rede und Antwort, wofür wir ihm herzlich danken.

KCAP Financial: Solide Zahlen zum 2. Quartal und 16% Dividendenrendite

Die 1987 gegründete KCAP Financial Inc. (vormals Kohlberg Capital Corp.), eine Business Development Company (BDC), die vor allem kleine und mittlere nicht-börsennotierte US-Unternehmen mit Eigen- und Fremdkapital finanziert, hat ihre Zahlen zum abgelaufenen zweiten Quartal vorgelegt.

Wichtigste Erfolgsgröße ist das Kapitalanlageergebnis (Net Investment Income), das vor allem Erträge aus Zinsen, Dividenden, Mieten, Lizenzgebühren und Gewinn aus dem Verkauf von Eigentumswerten beinhaltet. Es lag im zweiten Quartal 2015 bei 5,8 Mio. USD bzw. 16 Cents je Aktie, verglichen mit 4,6 Mio. USD bzw. 14 Cents je Aktie im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Das Wert der Investments von KCAP betrug zum 30. Juni 474 Mio. USD und der Net Asset Value lag bei 6,96 USD je Aktie verglichen mit 6,94 USD zum Jahresende 2014.

 KCAP Financial in USD (Quelle: comdirect.de)
Ausschüttungsfähige Mittel wurden in Höhe von 20 Cents je Aktie generiert und KCAP hat bereits eine konstante Quartalsdividende von 21 Cents je Aktie ausgeschüttet: Ex-Dividendentag war der 1. Juli, die Ausschüttung erfolgte am 27. Juli.

Obwohl der NAV im Vergleich zum Jahresende 2014 kaum verändert hat, ist der Kurs der KCAP-Aktien an der NASDAQ im Jahresverlauf deutlich gefallen. Am 2. Januar lag er bei 6,86 USD, am 5. August schloss er bei 5,16 USD und damit um 25 Prozent niedriger. Meine erste Vermutung war, das KCAP sich stark im Öl- und Gasbereich exponiert hätte und der Kursrückgang mit dem Einbruch beim Ölpreis zusammenhängt, aber im Öl-Business liegen nur 6% der von KCAP investierten Gelder. Und als "uneinbringlich" ist nur eine einzige Position eingestuft, gerade mal 1% des Gesamt-Portfolios.

Und die Bewertung?
Es gibt einige Analysten, die den Wert covern, einige sagen "halten", zwei sagen "verkaufen". Keiner mag die Aktie. Doch die selben Analysten, die die Aktie mit Halten und Verkaufen einstufen, erwarten ein Jahresergebnis von 72 US-Cents je Aktie - ergibt ein KGV von 7. Und die auf's Gesamtjahr hochgerechnete Dividendenrendite würde bei über 16% liegen!

Exkurs zu Collateralized Loan Obligations (CLOs)
Über zwei Tochtergesellschaften ist KCAP Financial im Markt für CLOs aktiv. Einerseits managen die Töchter für Kunden CLOs und verdienen an den Provisionen, andererseits hat KCAP selbst auch eigenes Geld bei den Töchtern investiert, um direkt am Erfolg der CLOs teilhaben zu können.

Doch was sind dieses CLOs eigentlich?
CLOs gehören zu den strukturierten Finanzprodukten und die haben bekanntlich seit der Finanzkrise 2008/2009 einen ganz miesen Ruf. Allerdings haben sie nichts mit den damaligen Problemauslösern zu tun, den "Ramsch-Krediten", also jenen fast schon ausfallgefährdeten Immobilienfinanzierungen, die zusammengefasst und an gutgläubige Investoren weiterverkauft wurden. CLOs sind damals stark in Mitleidenschaft gezogen worden, obwohl es kaum Ausfälle zu verzeichnen gab - allerdings ist der Markt ziemlich illiquide und in der Finanzkrise traf ein in die Höhe schnellendes Angebot auf eine kaum mehr vorhandene Nachfrage. Mit der Folge, dass die Kurse zusammenbrachen und der Markt austrocknete. Schlecht für die Investoren, die schnell an ihr Geld wollten, grundsätzlich unerheblich für alle anderen, insbesondere die Unternehmen, denen das Geld zur Verfügung gestellt worden war. Denn CLOs sind verbriefte Unternehmenskredite. In einem CLO werden bis zu 90 verschiedene Unternehmenskredite zusammengefasst (das ist die sog. Strukturierung) und dann Investoren zur Beteiligung angeboten. Diese können so in den höher verzinsten Markt der Unternehmensfinanzierungen einsteigen, ohne den Unternehmen direkt Geld leihen zu müssen. Die komplette Abwicklung, das Forderungsmanagement usw., wird vom CLO-Manager übernommen, wofür dieser natürlich eine Entlohnung erhält. Ein weiterer Vorteil ist, dass die CLOs das Risiko streuen, indem sie verschiedene Unternehmen, Branchen und Laufzeiten enthalten.

Gegenüber einem Investment in klassische Unternehmensanleihen bieten CLOs den Vorteil, dass sie eine höhere Sicherheit aufweisen, da sie in der Regel mit den Unternehmenswerten besichert sind. Die sog. Wiedergewinnungsrate möglicher Ausfälle (also die Recovery Rate) liegt so etwa bei 60 bis 70 Prozent und bietet einen zusätzlichen Risikopuffer. Der Reiz für Investoren liegt darin, dass sie mit CLOs deutlich bessere Renditechancen wahrnehmen können als sie sonst am Kapitalmarkt für ihre Anlagen erzielen. Durch externe Ratings und die Verwaltung durch professionelle CLO-Manager sinkt das Risiko nochmals ggü. einem Direktinvestment.

Dieses Geschäftsfeld, ist eines der drei Standbeine von KCAP Financial und über den Erwerb der Aktien des Unternehmens kann man nicht nur (indirekt) in CLOs investieren, sondern auch an der Verwaltung der CLOs mitverdienen. Und obwohl der Kursverlauf schrecklich aussieht, habe ich KCAP Financial auf meine Empfehlungsliste genommen und mir eine erste Position ins Depot gelegt, weil ich davon überzeugt bin, dass in diesem Bereich erhebliche Potenziale schlummern, die aktuell viel zu negativ bewertet werden.

Mittwoch, 5. August 2015

Investor-Update: Blackstone, Deutsche Rohstoff, H.P.I. Holding, PayPal, Starbucks

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

= Blackstone Group
Die Dividende ist meinem Konto gutgeschrieben worden. De facto waren es sechs Teilbeträge, darunter eine Zinszahlung und fünf Kapitalherabsetzungen, wie schon bei den vorherigen Malen. Kapitalherabsetzungen sind steuerlich anders zu bewerten als Dividendenausschüttungen (sind ggf. steuerfrei!), aber darum kümmert sich mein Steuerberater - zumal meine Anlagen ja alle in meiner GmbH liegen, was steuerlich eh alles verändert ggü. einer Privatperson.

= Deutsche Rohstoff
Erst floss die Dividende, dann stürzte der Ölpreis ab und mit ihm gab die Aktie der DRAG kräftig nach. Ende Oktober wird es vermutlich zu einer Kernschmelze bei den US-amerikanischen Fracking-Unternehmen kommen, weil dann neue Finanzierungsrunden anstehen und bei vielen die Öl-Sicherungsgeschäfte auslaufen, die ihnen noch Verkaufspreise von 90 USD je Barrel sicherten. Die Zahl der neuen Bohrungen ist rapide gefallen in den letzten Monaten, die Förderung hingegen sogar leicht angestiegen - man quetscht aktuell aus den Quellen, was sie hergeben. Und das wird sich ab Oktober rapide ändern, denn wenn das Öl nur noch zur Hälfte des Preises und weit unterhalb der Förderkosten verkauft werden kann, ist Menge keine Lösung (mehr).

+ H.P.I. Holding
"Wie bitte, die Aktien hat er doch erst vor einigen Wochen entnervt aus seinem Depot geworfen?", werdet ihr euch fragen. Und das zurecht. Es war ein Fehler, ich habe schlicht die Geduld verloren, also bei "der obersten Tugend des Investors" (Benjamin Graham) versagt. Während ich meinen Artikel "Bei der H.P.I. Holding ist ganz schön was im Busch" schrieb, kam ich ins Grübeln und habe gemerkt, dass ich mich in Grund und Boden ärgern würde, wenn meine Überlegungen aufgehen und die zukünftige Ringmetall AG, so wie von mir angedeutet, durchstartet. Daher habe ich mich entschieden, mir wieder eine kleine Position ins Depot zu legen. Ich gebe dem Unternehmen keine zweite Chance, nein, es ist eher umgekehrt: es ist meine zweite Chance! Drei Jahre sind keine lange Zeit für einen Langfristanleger und so früh sollte man die Flinte nicht ins Korn werfen, wenn sich die Bedingungen nicht grundlegend verschlechtert haben. Und das haben sie sich bei H.P.I. nicht. Das Unternehmen wurstelt vor sich hin, wirft eine attraktive Dividende ab und setzt jetzt möglicherweise zum Durchstarten an. Ich bin wieder an Bord und übe mich in mehr Geduld. Hommm....

Meine Kehrtwende, meine Fehleinschätzung, mein übereiltes Handeln dokumentiere ich hier, weil ich nicht den Eindruck erwecken möchte, ich würde alles wissen, alles können, alles richtig machen. Ich mache ständig Fehler und es fällt mir auch nicht leicht, das so offen zuzugeben. Aber Fehler zu machen gehört nun einmal dazu, nur daraus lernt man. Oder wie es der britische Dramatiker John Osborne formulierte: "Erfahrungen sind die vernarbten Wunden unserer Dummheit". Mea culpa.

+ PayPal Inc.
PayPal ist eine klassische Lynch-Aktie. Peter Lynch war der erfolgreichste Fondsmanager der 1980er Jahre und meinte, man solle Aktien kaufen, wenn man die Produkte nutzt, wenn es Freunde tun und es immer mehr Leute machen. Paypal ist Weltmarktführer beim E-Payment, einem absoluten Wachstumsmarkt, hat starkes Umsatz- und Gewinnwachstum, denn PayPal ist sehr profitabel. Seit der Trennung von Ebay haben sich die Aussichten nochmals verbessert, weil nun auch Ebay-Konkurrenz auf PayPal setzen kann, ohne dabei gleich indirekt "die Konkurrenz" zu unterstützen. PayPal kennt inzwischen jeder, jedenfalls jeder, der unter 70 ist und schon einmal im Internet eingekauft hat. Die Marke ist stark und für Konkurrenten besteht ein erheblicher Burggraben, denn bei Bezahlsystemen im Internet besteht die höchste Währung in Vertrauen. Und das muss man sich hart und langwierig erarbeiten.

PayPal ist absolut kein Value-Schnäppchen, denn die Aktie ist durchaus hoch bewertet, aber ich stufe das Unternehmen als absolutes Quality Investment ein. Ich habe mir dem entsprechend Aktien bei 33,58 EUR ins Depot gelegt, um mich langfristig an diesem Unternehmen zu beteiligen und an seinem Erfolg teilzuhaben.

Ein lesenswerter Artikel von The Motley Fool zu den "Stärken von PayPal nach der Abspaltung".

+ Starbucks
Die Quartalszahlen waren fulminant, der Aktienkurs hat die Dividendenausschüttung locker kompensiert und strebt weiter gen Norden.

.: Cashquote
Die hohen Dividendeneinnahmen haben mein Konto zwar zunächst aufgefüllt, aber ich habe sie weitgehend reinvestiert, so dass sich meine Cashquote nur marginal erhöht hat.

Dienstag, 4. August 2015

Ist UET United Electronic Technology ein klassischer Turnaround-Kandidat?

Eine weitere Leserfrage betrifft den Micro-Cap UET United Electronic Technology AG.

Profil

Die UET United Electronic Technology AG ist eine börsennotierte Beteiligungsgesellschaft, die sich seit der Gründung auf den Erwerb von mittelständischen Unternehmen spezialisiert hat. Im Rahmen der im Sommer 2012 begonnenen Neuausrichtung werden in Zukunft Electronic und Technology die Hauptschwerpunkte der Gruppe sein. Die derzeit im Portfolio bestehenden Unternehmen ELCON, LETRON, NEWTAL und SUCONI werden langfristig entwickelt. (Quelle: uet-group.com)

Leserfrage

Sehr geehrter Herr Kissig,
meine Frage bezieht sich auf einen Nebenwert. Die die UET United Electronic Technology AG (vormals CFC) hat im letzten Jahr eine gute Performance hingelegt. Recht unbekannt, aber positives operatives Ergebnis, jedoch noch eine relativ hohe Verschuldung, die aber bis 2017 finanziert ist. Halten Sie UET für einen klassischen Return-Kandidaten oder sehen Sie die Verschuldung als zu hoch an und die bisherige Entwicklung ist nur ein Strohfeuer?
Danke für Ihre Einschätzung.
Mit freundlichen Grüßen
W.Z.

 UET (Quelle: comdirect.de)
Meine Einschätzung

Moin Herr Z.,
die UET ist seit Ende 2006 an der Börse notiert, damals noch als CFC Industriebeteiligungen GmbH & Co. KGaA mit Sitz in Dortmund und diese Geschichte ist für das Unternehmen und die Aktionäre überwiegend ein Trauerspiel gewesen. Nachdem man groß ins Textil- und Bekleidungsgeschäft eingestiegen ist, musste man wenige Jahre später hier fast Totalausfälle verbuchen und konnte froh sein, wenigstens noch Teile der investierten Gelder zurückzuerhalten. 2009 erfolgte dann ein erster Restrukturierungsversuch, man firmierte um in die CFC Industriebeteiligungen AG und wollte sich auf die Kernbereiche Electronics und Home & Living konzentrieren. Auch wegen der Wirtschaftskrise war man bestrebt, Kosten einzusparen und ließ die Börsennotierung in den Entry Standard zurückstufen, nachdem man gerade mal 2 Jahre im General Standard notiert hatte. Womit die "lästige" Pflicht von Ad-hoc Veröffentlichungen und über Halbjahres- und Jahresberichte hinausgehende Finanzberichte der Vergangenheit angehörten.

Diese Neuausrichtung war nicht unbedingt von Erfolg gekrönt, denn Tochtergesellschaften mussten Insolvenz anmelden oder wurden mit hohen Abschlägen verkauft. Das Kursmaximum von 19 EUR aus dem Jahr 2007 sah die Aktie nie wieder, im Gegenteil, sie fiel sogar zwischenzeitlich unter die Marke von 1 EUR und wurde zum Penny-Stock. Anfang 2013 war dann der bisherige Tiefpunkt erreicht und der Vorstandsvorsitzende Werner Neubauer hat über zwei Beteiligungsfirmen inzwischen die Mehrheit der Aktien übernommen und den Bereich Home & Living eingedampft. Der neue Fokus richtet sich nun auf Telekommunikation und Elektronik und die Gruppe bedient die drei Geschäftsbereiche Telekommunikationssysteme (Systems), Manufacturing und Service. Darüber hinaus hat das Unternehmen seinen Sitz nach Eschborn verlegt.

Die Geschäftszahlen zeigen diesen Absturz deutlich. Der Umsatz je Aktie fiel von 21,48 EUR (2008) auf 5,37 EUR (2013), das Ergebnis je Aktie von 1,73 EUR (2008) auf 0,05 EUR (2013). Und dazwischen lagen Jahre mit extrem hohen Jahresverlusten! Erstmals können allerdings die 2014er Zahlen etwas Anlass zu Hoffnung geben, denn der Umsatz erhöhte sich leicht auf 5,73 EUR (5,37) und das Ergebnis je Aktie auf 0,10 EUR (0,05).

Anfang des Jahres wurde dann der Verkauf einer nicht zum betriebsnotwendigen Vermögen zählenden Immobilie in Arnsberg vermeldet, woraus der UET Gruppe ein einmaliger Ertrag in Höhe von 0,594 Mio. EUR in 2015 erwächst. Dieser soll zur Rückführung der der Verbindlichkeiten aus dem Erwerb dienen und wird den Schuldenstand um 3,707 Mio. EUR reduzieren. Allerdings entfallen künftig auch die Mieteinnahmen aus der Liegenschaft.

Im März übernahm UET die ALBIS Technologies mit Sitz in Zürich, um ihre Systems-Sparte zu stärken. Die Transaktion erfolgte über einen Barkaufspreis in Höhe von 1,0 Mio. EUR und durch Einbringung von Anteilen im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung der UET AG in Höhe von 1 Mio. neu auszugebender Aktien mit einem Nennwert von je EUR 1,00, so dass die Altaktionäre der ALBIS Gruppe insgesamt rund 11% an der UET AG halten werden. Mit dieser Verwässerung einher geht auch die Reduzierung der Anteile von Werner Neubauer unter die 50-Prozent-Schwelle.

In den Mitte Juni veröffentlichten operativen Finanzkennzahlen taucht dann die Neuerwerbung ALBIS auch noch nicht auf. Darin wird vor allem auf die Erfolge in den Bereichen Manufacturing und Service verwiesen, die Umsatzwachstum und Ergebnisverbesserungen erzielen, doch gemeinsam werden beide Sparten weiterhin ein negatives EBITDA und EBIT ausweisen. Die Sparte Systems hingegen ruckelt gewaltig und muss Umsatz- und Ergebnisverschlechterungen hinnehmen.

Es bleibt operativ also alles im roten Bereich, die zarten Erholungstendenzen bringen noch zu wenig Konkretes. Die Reduzierung der Verschuldung und der damit verbundenen Kosten bringt positive Einmal-Effekte, andererseits aber auch dauerhaft sinkende Erträge durch den Wegfall von Mieteinnahmen. Schaut man auf die Bilanzen, so wird dort seit 2011 ein negatives Eigenkapital ausgewiesen! Die Bilanzsumme betrug 2013 22,13 Mio. EUR, die Gesamtverbindlichkeiten 30,85 Mio. EUR.

UET (Quelle: comdirect.de) 
Fazit
Der Aktienkurs hat sich vom Tiefstpunkt erfreulich entwickelt, man hätte seinen Einstandskurs mehr als verdoppeln können. Andererseits verbleiben vom Allzeithoch bei 19 EUR noch mehr als 95 Prozent Kursrückgang, was die Entwicklung und den Zustand des Unternehmens recht gut wiedergibt. Aufgrund operativer Verbesserungen scheinen Erwartungen aufzukeimen, dass UET die Kurve kriegen könnte. Allerdings ist in keinster Weise abzusehen, ob das gelingt und ggf. wann. Das Unternehmen selbst verweist darauf, dass es im 2. Halbjahr von einer Ergebnisverschlechterung ausgeht.

Aktuell ist das Unternehmen eine Dauerbaustelle und in allen drei Sparten stehen die Ampeln auf Rot - wohlwollend könnte man bei Manufacturing und Service vielleicht einen Dunkelgelbschimmer erkennen wollen. Ein absolutes No-Go ist die Verschuldung, das Unternehmen stolpert als latente Insolvenzgefahr vor sich hin, da muss man dringend vom einem Engagement abraten. Wer sehr langes Sitzfleisch besitzt und sich der Risikos eines nicht ganz unwahrscheinlichen Totalverlusts bewusst ist, kann hier höchst spekulativ auf einen Turnaround setzen. Die Verkäufer von ALBIS scheinen ja zumindest Perspektiven zu sehen, ansonsten hätten sie kaum einen Teil des Kaufpreises in Aktien akzeptiert und sich mit 11 Prozent zu Miteigentümern an der UET machen lassen.

Für mich ist diese Spekulation in diesem Stadium nichts, ich finde Turnaround-Situationen ja immer dann spannend, wenn eigentlich grundsolide Firmen in vorübergehende Schwierigkeiten kommen und straucheln. Auf dieser Basis kann man aufbauen und ggf. günstig einsteigen. Aber Firmen, die sich seit Jahren knapp über Wasser halten und schon mit Tricks und Kniffen ihr Überleben sichern müssen, von denen lasse ich lieber die Finger.

Andere Ansichten: Bessere Investmententscheidungen durch Ignorieren der Einstiegskurse

Stefan Mohr, mein geschätzter Blogger-Kollege von Simple Value Investing, beschreibt, weshalb er bessere Investmententscheidung trifft, seit er den Kaufpreis seiner Aktien ignoriert. Er zielt dabei auf den sog. "Ankereffekt" ab, wonach Menschen die Dinge aus einer ganz bestimmten Perspektive betrachten aufgrund von wahllos und individuell gesetzten Ankern. Und einer dieser Anker sei für Anleger der eigene Kaufpreis einer Aktie, der für niemanden sonst eine Rolle spiele. Aber für einen persönlich, denn er bestimme ja letztlich, ob ein Investment am Ende ein Erfolg oder Misserfolg sei. Dabei sei im Großen und Ganzen der Kaufpreis für die Entscheidungsfindung ob man verkaufen, nachkaufen oder nichts tun sollte, irrelevant. Ob man eine Aktie kauft, hält oder verkauft sollte immer vom aktuellen Kurs und der Einschätzung des Wertes einer Aktie abhängen. Der ursprüngliche Kaufkurs sollte weitgehend egal sein. Indem man den Einstiegspreis seiner Investments ignoriere falle es einem leichter, objektiv an die zukünftigen Aussichten eines Investments heranzugehen.

Steuern die Versicherer auf massive Kapitalerhöhungen zu?

Seit einiger Zeit schon stehe ich den Versicherungsaktien skeptisch gegenüber und warne vor den sich immer mehr zuspitzenden Problemen der Assekuranzen. Dabei geht es vor allem um die Lebensversicherungen, aber auch um die Rückversicherer, denen beiden das Geschäftsmodell weggebrochen ist aufgrund des dauerhaft niedrigen Zinsniveaus.

Vordergründig "locken" die Aktien mit niedrigen KGVs und hohen Dividendenrenditen, aber es sind zunehmend offensichtlich Value Traps. Nachdem zuletzt die Ratingagentur Moody's gewarnt hat, die deutsche Lebensversicherungsbranche sei die riskanteste der Welt, weil in kaum einem anderen Land die Garantiezusagen zu hoch und der Anlagenmix so ungünstig sei. Auch Sandard & Poors wies darauf hin, dass die Profitabilität der Lebensversicherer stärker und nachhaltiger leide als bisher in den Jahresabschlüssen erkennbar sei. Je mehr Altverträge die Anbieter in ihren Beständen hätten, um so größer sei die Gefahr für die Unternehmen.

Nun hat der Ausschuss der Europäischen Zentralbank für Systemrisiken (ESRB, European Systemic Risk Board) eine EU-weite Auffanglösung für Lebensversicherer gefordert, denn die Probleme seien nicht nur auf deutsche Lebensversicherer beschränkt. Man fürchtet, dass viele Lebensversicherte ihre Verträge wegen der schwachen Renditen vorzeitig kündigen könnten und die Lebensversicherer dann in großem Umfang Anleihen an der Börse verkaufen müssten. Das würde zu hohen Kursverlusten führen und mitunter sogar zu einer Panik, da Anleihen bei vielen Investoren eigentlich als sicherer Hafen gelten...

Montag, 3. August 2015

Sorgt Berentzen bei Aurelius bald für gute Laune?

Als bekennender Apfelkorn-Liebhaber habe ich ja ein ganz besonderes Verhältnis zu Berentzen, dem Hersteller dieser herausragenden Leckerei. Und als Aktionär der Beteiligungsgesellschaft Aurelius, die sich auch auf meiner Empfehlungsliste befindet, habe ich ein nicht minderes Interesse an der Berentzen-Gruppe, denn als Aurelius-Aktionär bin ich ja quasi Miteigentümer bei Berentzen, seitdem Aurelius dort im Jahr 2008 eingestiegen ist.

Das Grundkapital von knapp 25 Mio. EUR verteilt sich auf je 4,8 Millionen nennwertlose Inhaber-Stammaktien und ebenso viele Vorzugsaktien. Zum Jahresende 2014 hielt Aurelius 91,21% der Stammaktien und 26,98% der börsennotierten Vorzugsaktien. Zwischenzeitlich gab Aurelius bekannt, weitere Stammaktien erworben zu haben und auch der Vorstandsvorsitzende von Berentzen, Frank Schübel, hat Stammaktien gekauft und sich damit erstmals am Unternehmen direkt beteiligt.

Die jüngsten Meldungen aus dem Unternehmen zeigen, dass der Sanierungskurs greift und Berentzen wieder attraktiv am Markt platziert ist. So waren die Zahlen zum ersten Quartal ziemlich erfreulich: das Konzern-EBIT wurde auf 1,5 Mio. EUR verbessert (minus 1,2 Mio. EUR), das Konzern-EBITDA stieg auf 3,4 Mio. EUR (0,5 Mio. EUR) und beim Konzernumsatz legte man um 5,8% gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu.

Nun wird schon seit einiger Zeit gemunkelt, Aurelius suche nach einem Käufer für seine inzwischen wieder hübschere Tochter. Doch die Trennung des Grundkapitals in Stamm- und Vorzugsaktien erweist sich hier als Hemmschuh und so hat Aurelius kürzlich auf der Hauptversammlung die Zusammenlegung der beiden Aktiengattungen durchgesetzt. Nun werden im Verhältnis 1:1 die Vorzugsaktien in Stammaktien getauscht und anschließend sollen sämtliche Stammaktien im General Standard der Frankfurter Wertpapierbörse notiert werden. Das Grundkapital verändert sich durch diese Maßnahme nicht - wohl aber an der Gewichtung der Berentzen-Aktien an der Börse, denn nun werden ja sämtliche der 9,6 Mio. Stammaktien in die Marktkapitalisierung mit einbezogen, so dass diese nun rund 70 Mio. EUR betragen wird. Das klingt schon interessanter für Kaufinteressenten, zumal Aurelius ja auch nach der Zusammenlegung über mehr als 50% der Stammaktien verfügt und ein Kaufinteressent mit einer Transaktion zum Mehrheitseigner werden könnte.

 Berentzen Vz. (Quelle: comdirect.de)
Dem Aktienkurs von Berentzen ist der erfolgreiche Turnaround und die Zusammenlegung der Aktiengattungen samt der Spekulationen über einen Ausstieg von Aurelius jedenfalls bisher prächtig bekommen und er ist von den 4 EUR zu Jahresanfang auf nunmehr 7,30 EUR in die Höhe geschossen. Auch zur Freude von Aurelius, denn deren rund 5 Mio. Aktien haben ihren Wert von etwa 20 Mio. EUR auf gute 37 Mio. EUR erhöht. Und sollte man einen interessierten Käufer für Berenzten finden, dürfte sich hier eine weitere Prämie ergeben.

Denkbar wäre natürlich auch eine außerbörsliche und ggf. schrittweise Veräußerung an institutionelle Anleger. Allerdings hatte Aurelius 2008 wohl mehr als 3 EUR je Aktie bezahlt und selbst inkl. der teilweise üppigen Dividenden und Zinszahlungen für Kredite, die man Berentzen übergangsweise gewährt hatte, läge man bei Verkaufskursen um die 7 bis 8 EUR meilenweit unter dem Track-Rekord von Aurelius, die bisher im durchschnitt mit ihren Engagements das eingesetzte Kapital in etwas verneunfacht hat.

So oder so, die Aktionäre von Berentzen und von Aurelius können sich freuen, denn die Sanierungsbemühungen bei dem alteingesessenen Spirituosenhersteller tragen zunehmend saftige Früchte.

Was wird denn nun aus Kontron?

Nachdem ich letzte Woche erstmals eine Leserfrage hier veröffentlicht und beantwortet habe, trudelten gleich mehrere weitere Anfragen in meinem Postfach ein. Ich werde mich bemühen, sie zeitnah und ausführlich zu beantworten.

Die heutige Leserfrage betrifft den strauchelnden Mini-Computer-Hersteller Kontron.

Profil

Die Kontron AG ist ein global führendes Unternehmen im Bereich Embedded Computing Technologie und ein gefragter Berater bei der Realisierung von auf das Internet-der-Dinge abgestimmten Geschäftsmodellen und Applikationen. Dank des umfangreichen Portfolios an Hardware-, Software- und Service-Lösungen erzielt Kontron das Optimum für die jeweiligen Kundenanwendungen. Diese können sich somit voll und ganz auf ihre Kernkompetenzen fokussieren. Kontron entwickelt mit seinen Mitarbeitern aus dem Bereich Forschung und Entwicklung viele der Standards, die die Welt der Embedded Computing Plattformen weiter nach vorne bringen. Diese richtungsweisenden Technologien und Anwendungen ermöglichen nicht nur neue Geschäftsmodelle, sondern verändern und bereichern auch das Leben von Millionen von Menschen. Das Ergebnis ist eine schnellere Time-to-Market, niedrigere Total-Cost-of-Ownership, Langzeitverfügbarkeit sowie ganzheitlich optimierte Applikationen auf Basis führender, hoch zuverlässiger Embedded Technologie. (Quelle: kontron.de)

Leserfrage von T.H.

Hallo Herr Kissig,
ich bin zwar noch nicht lange als Leser Ihres Blogs dabei, bin aber schon nach nur einigen Wochen sehr begeistert und dankbar für Ihre Arbeit. Seit einigen Monaten versuche ich mich Finanziell neu zu orientieren, um mich meinem Ziel der finanziellen Unabhängigkeit, nähern zu können! Dabei wollte ich bei Ihnen einfach mal nachfragen was Sie zum Unternehmen "Kontron AG" denken. Habe bisher wenig in Bezug zu dieser Aktie gelesen und würde mich über eine Auswertung von Ihnen sehr freuen!
Gruß T.

 Kontron (Quelle: comdirect.de)
Meine Einschätzung

Moin Herr H.,
ich habe mit voller Absicht die Selbstpräsentation des Unternehmens als Profil hier eingestellt, denn sie sagt mir... nichts. Vermutlich ist meine Bezeichnung als "Mini-Computer-Hersteller" sogar ziemlich neben der Realität, "Embeddes Computing" klingt nach eingebetten Computern, also Mini-und Kleinstsystemen. Und der Rest der Selbstdarstellung klingt nach der Aneinanderreihung beliebig austauschbarer Sprechblasen. Kein verheißungsvoller Start...

Kontron erinnere ich noch aus den Zeiten des Neuen Marktes, schon damals wurde die Aktie abwechselnd in den Börsenhimmel gejubelt, um danach massiv niedergenüppelt zu werden. In der Spitze stand sie mal bei 66 Euro. Irgendwie habe ich in Erinnerung, dass die ihre Computer-Dingens bei BMW eingebaut haben, aber ob das heute noch so ist? Was ich so an Meldungen gefunden habe, ist zumeist voller markiger Sprüche und großer Ankündigungen, geliefert wird eher wenig. Die letzten Jahre hatte man - mal wieder - Probleme, musste Umstrukturieren, Einsparen, Umorganisieren, das scheint leider ein Dauerzustand bei Kontron zu sein. Der Kursverlauf der letzten Jahre sieht nicht ohne Grund so trostlos aus...

Die letzten Meldungen bieten dann ein wenig Substanzielleres, auch wenn es zunächst damit losgeht, dass Kontron nun "auf das Internet der Dinge" setzen will. Aha, wie so viele, wie IBM, Cisco, Microsoft - und eben auch Kontron. Jedes technische Gerät soll mit jedem anderen irgendwie verknüpft werden, kabellos, und dann Zahlen, Daten, Fakten mit den anderen austauschen. Was Kontron hier erreichen will, welche Wachstumschancen sich bieten, kann ich leider nicht erkennen, vermutlich auch, weil mir dazu das Verständnis für die Technik fehlt.

Kontron (Quelle: comdirect.de) 
Wenig erbaulich ist, dass auf diesem relativ niedrigen Kursniveau noch immer große Leerverkäufer ihre Short-Positionen ausbauen. Das belastet den Kurs, kann allerdings auf der anderen Seite auch irgendwann einmal zu einer echten Chance für schnelle, starke Kursanstiege werden. Nämlich wenn die Shortseller auf dem falschen Fuß erwischt werden und der die Nachfrage nach der Aktie deutlich ansteigt. Dann müssen sich die Leerverkäufer um jeden Preis eindecken und in den steigenden Kurs kaufen (sog. Short-Squeeze).

Aber gemach, gemach... bevor das passiert, müsste es operativ mit Kontron aufwärts gehen. Die Jahresüberschüsse der letzten Jahre zeigen das Dilemma auf:

2012 -32,8 Mio. EUR
2013 -31,2 Mio. EUR
2014   -6,3 Mio. EUR

Die Verluste wurden zwar verringert, 2014 sogar deutlich, aber unter dem Strich verbrennt Kontron noch immer große Mengen von Geld. Am 30. Juli hatte Kontron nun Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt und... die Erwartungen verfehlt. Erwartungsgemäß, möchte man sagen.

Das Unternehmen selbst äußert sich so:
"Der Auftragseingang für die Kontron Gruppe belief sich auf 100,1 Mio. EUR, 16,9% niedriger als im Vergleichsquartal des Vorjahres. Es wurde ein Umsatz von 108,5 Mio. EUR erzielt, 6,5% unter Vorjahr. Daher fiel auch die Profitabilität: Die Bruttomarge lag mit 24,9% zwar nur geringfügig unter der angestrebten Marke von 25%, der um Restrukturierungskosten bereinigte EBIT fiel allerdings um 5,5 Mio. EUR auf einen Verlust von 1,8 Mio. EUR. Dies entspricht einer bereinigten EBIT-Marge von minus 1,7 %, verglichen mit 3,2% im Vergleichsquartal des Vorjahres".

Erneut hat man zu viel angekündigt und kann die eigenen Versprechungen nicht einlösen. Aber, halt, im selben Atemzug verspricht der Vorstand, seine Jahresprognosen für 2015 einzuhalten. Sowas nennt man Chuzpe, die haben echt Mumm, immer wieder aufs Neue zu versagen und gleichzeitig Besserung fürs nächste mal zu geloben. Könnte man fast schon als "geliebte Tradition" bezeichnen.

"Turnarounds seldom turn."
(Warren Buffett)

Mag sein, dass Kontron wirklich die Kurve kriegt und nicht nur große Worthülsen fabriziert, sondern auch mal wieder Gewinne. Momentan sieht es danach nicht aus, Kontron scheint sich diesen optisch niedrigen Aktienkurs redlich verdient zu haben! Wer auf Kurserholungen setzen will, muss sich darüber im Klaren sein, dass er dies nicht wegen operativer Fortschritte oder gar Erfolge tut, sondern alleine in der Hoffnung, dass nach einem starken Kursabsturz eine Gegenreaktion fällig sein sollte. Blickt man allerdings auf den 15-Jahres-Chart, erkennt man schnell, dass nur eines sicher ist bei Kontron: die Hoffnung stirbt zuletzt.

Turnarounds finde ich immer dann spannend, wenn eigentlich grundsolide Firmen in vorübergehende Schwierigkeiten kommen und straucheln. Auf dieser Basis kann man aufbauen und ggf. günstig einsteigen. Aber Firmen, die sich seit Jahren knapp über Wasser halten und schon mit Tricks und Kniffen ihr Überleben sichern müssen, da lasse ich lieber die Finger davon.

Mit freundlichen Grüßen
Michael C. Kissig

Andere Ansichten: Bei Mittelstandsanleihen droht eine Pleitewelle

Mittelstandsanleihen suggerieren Solidität, Verlässlichkeit, Substanz, der deutsche Mittelstand genießt weltweit einen hervorragenden Ruf und ist das Rückgrat unserer Wirtschaft. Kein Wunder, dass sich viele dieses Nimbus bedienen wollen, auch wenn sie ihn nicht verdienen, nicht einmal ansatzweise.

Bei Anleihen ist das leider so. Viele der in den letzten Jahren von Unternehmen an den Markt gebrachten Anleihen, diese sog. Mittelstandsanleihen, bereiten ihren Anlegern inzwischen größtes Kopfzerbrechen, wie finanzen.net berichtet. Es wird sogar mit einer Pleitewelle gerechnet, weil ich den nächsten Jahren viele dieser Anleihen zur Rückzahlung anstünden und viele dieser Anleihen nur begeben worden seien, um andere Bankverbindlichkeiten abzulösen. Es sei kaum Geld davon ins operative Geschäft geflossen. Und die Zinssätze seien oft im hohen einstelligen Bereich oder sogar noch darüber und für die Unternehmen kaum zu erwirtschaften. Bei nicht wenigen Unternehmen würden daher die Bonds nicht zurückgezahlt werden können, wenn sie nicht durch die Ausgabe neuer Anleihen getilgt werden könnten.

"Das meiste, das an Mittelstandsanleihen in den letzten Jahren emittiert wur­de, ist Schrott", meint der Nürnberger Anwalt Christian Gloeckner. "Rund 90 Prozent werden ausfallen". Heinz Steffen von Fairesearch rät, Inhabern von Mittelstandsanleihen, den Markt, Unternehmen und Management regelmäßig zu beobachten, da man sonst relevante Ereignisse verpassen könne, die den Anleihekurs beeinflussen. Investoren sollten das Geschäftsmodell des Unternehmens kritisch hinterfragen und sich operative Ergebnisentwicklung und vor allem den Cashflow sowie die Gesamthöhe der Verschuldung genau ansehen.



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Börsenweisheit der Woche 31/2015

"Die Wall Street ist der einzige Ort, an dem Leute mit dem Rolls Royce vorfahren, um sich Ratschläge von Leuten geben zu lassen, die mit der U-Bahn gekommen sind."
(Warren Buffett)

Freitag, 31. Juli 2015

Blackstone erzielt bei Kunststoff-Exit Milliardengewinn

Am Dienstag schoss die Aktie des deutschen Verpackungsspezialisten Gerresheimer in der Spitze um 20 Prozent nach oben, denn man gab die Übernahme des Mitbewerbers Centor US Holding für 725 Mio. USD bekannt. Heute konterte US-Konkurrent Berry Plastics und kündigte den Erwerb von Avintiv für 2,45 Milliarden USD in bar an, eines weltweit aktiven US-Spezialisten für Materialien zur Infektionsprävention, um damit sein Geschäft mit Spezialkunststoffen zu stärken.

Milliardengewinn für Blackstone
Interessant für mich wird diese Meldung, weil der bisherige Alleineigentümer der Avintiv, die bis vor kurzem noch PGI Specialty Materials Inc. hieß, der Private Equity Investor Blackstone Group ist. Ein Wert, über den ihr hier im Blog regelmäßig lesen könnt und der seit Ende letzten Jahres nicht nur meine Empfehlungsliste ziert, sondern auch die inzwischen größte Position in meinem Portfolio darstellt.

Bemerkenswert an dem Deal ist, dass Blackstone die PGI im Jahr 2010 gekauft hat und zwar zu einem Preis von 326,2 Mio. USD. Der jetzt verkündete Verkauf bringt also knapp 2,125 Mrd. USD an Gewinn in 5 Jahren, was beinahe eine Verachtfachung des eingesetzten Kapitals bedeutet.

Hohe Dividende ante portas
Der Deal soll bis Ende des Jahres abgewickelt sein und wird somit vermutlich in die Februar-Dividende von Blackstone einfließen, also die übernächste Quartalsausschüttung. Denn die letzte ist ja eben gerade erst erfolgt.

 Blackstone (Quelle: comdirect.de)
Bis hierhin klingt das alles noch nicht spektakulär, denn Blackstone bilanziert ja nicht nach deutschem HGB, sondern schreibt seine Beteiligungen und Vermögenswerte regelmäßig hoch oder runter. Der Verkaufsgewinn wird sich also kaum mit 2,1 Mrd. USD im sog. "Economic Net Income" (Nettogewinn) auswirken, da hier der Wert der PGI bzw. Avintiv bereits in den letzten Jahren an die 2 Milliardenmarke hochgeschrieben worden sein dürfte.

Enorme Auswirkungen wird der Verkaufsgewinn allerdings auf eine andere Größe haben, Blackstones "ausschüttungsfähigen Gewinn". Denn vom Nettogewinn, der die dieser Periode zuzurechnenden Gewinne ausweist, ist der ausschüttungsfähige Gewinn zu unterscheiden, der die Gewinne beziffert, die wirklich in dieser Periode zugeflossen sind. Und die für Ausschüttungen an die Aktionäre zur Verfügung stehen.

Blackstone hat soeben 0,74 USD als Quartalsdividende ausgeschüttet und das bei einem ausgewiesenen ausschüttungsfähigen Gewinn im 2. Quartal von 1 Mrd. USD. Der aktuelle Deal bringt alleine schon einen Gewinn von 2,125 Mrd. USD! Hinzu kommen die übrigen Einnahmen, die aus den Mieten stammen, die Blackstone als größter Immobilieneigentümer der USA erzielt, und aus den Honoraren, Gebühren und Ausschüttungsbeteiligungen, die man für das Managen der vielen Spezialfonds erhält, die man für Anleger verwaltet. Die so wichtige Kennzahl hierbei heißt AUM, Assets under Management, also das verwaltete Vermögen, denn jeder verwaltete Dollar bringt Gebühren für Blackstone - und seine Aktionäre. Diese AUM betrugen per 30. Juni 333 Mrd. USD und damit 19% mehr als die am Ende des Vorjahreszeitraums verwalteten 279 Mrd. USD. Ende März hatten die AUM noch bei 310 Mrd. USD gelegen.

Fazit
Man kann also davon ausgehen, dass die Dividende Anfang nächsten Jahres eine Rekorddividende werden wird und der Gewinn aus dem Deal zeigt, welche versteckten stillen Reserven sich noch im Portfolio von Blackstone verbergen, die in den nächsten Monaten und Jahren sukzessive gehoben und versilbert vergoldet werden. Sicherlich wird der Aktienkurs von Blackstone volatil bleiben und stark schwanken, auch entsprechend der jeweiligen Börsenstimmung. Aber der Wert von Blackstone als Asset-Eigentümer schwankt weit weniger stark, sondern zeigt solide nach oben. Und da Blackstone über enorme liquide Mittel verfügt und ihm die Kunden immer weitere zusätzliche Mittel anvertrauen, sind Marktschwächen für Blackstone weniger Risiko als Chance. Chance, günstig einzusteigen und das Geld seiner Anleger zu vervielfachen. Ich bin und bleibe jedenfalls an Bord und freue mich jetzt schon auf das zu erwartende - wenn auch verspätete - Weihnachtsgeschenk der Jahresanfangsdividende...

ALNO als aussichtsreiche Turnaround-Spekulation?

Ab und zu erreichen mich Leserfragen zu einzelnen Aktien und ich habe mich entschieden, sie sporadisch auch hier im Blog abzuarbeiten. Heute geht es um den kriselnden Küchenhersteller ALNO.

Profil

Die ALNO AG ist ein deutsches Unternehmen, das sich auf die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von Küchenmöbeln spezialisiert hat. Der Konzern gilt als einer der größten Hersteller von Einbauküchen und vertreibt neben daneben auch ergänzende Elektrogeräte und Zubehör. Zu den ALNO-Kunden gehören in erster Linie Wiederverkäufer aus den Bereichen Mitnahme- und Selbstbedienungsmärkte, Einrichtungshäuser, Küchenspezialisten sowie Immobilienprojektentwickler. Neben fertig geplanten Küchen bietet der Konzern auch die Planung individueller Küchen, die speziell auf die Bedürfnisse und Wünsche der Endkunden zugeschnitten sind. Unter den Marken ALNO, Wellmann, Impuls, Pino sowie Piatti und ALNOINOX werden Küchen in verschiedenen Preissegmenten angeboten. Bei der Entwicklung und Fertigung seiner Küchen arbeitet der Konzern eng mit Tochtergesellschaften in Großbritannien, Belgien und den Niederlanden zusammen.
(Quelle: finanzent.net)

Leserfrage von A.J.

Hallo Herr Kissig,
ich schätze Ihren Blog sehr. Ab und zu ist da ja auch mal ein Turnaround-Kandidat dabei. Mich würde interessieren was Sie von Alno halten. Ich halte seit geraume Zeit eine Position im Minus und bin bislang nicht gewillt zu verkaufen, da ich nach wie vor Potential sehe. Es scheint ja wieder aufwärts zu gehen. Der Kurs spiegelt das allerdings noch so gar nicht wieder. (...)
Schönen Gruß
A.J.

Meine Einschätzung

Moin moin,
ALNO habe ich vor anderthalb Jahren mal auf der Watchlist gehabt, da stand der Kurs so um die 1 EUR. Damals war der Max Müller noch recht frisch dabei und es gab einige Hoffnungen, dass operativ der Turnaround gelingen könnte durch Rationalisierungen Veränderungen in den Finanzierungsstrukturen. Whirlpool als Großaktionär hatte meiner Erinnerung nach auf Forderungen/Darlehen verzichtet bzw. Müller hat die selbst übernommen (hierzu ein älterer kritischer Bericht aus dem Handelsblatt).

 ALNO (Quelle: comdirect.de) 
Was mir damals nicht gefiel, war die Vertragsgestaltung mit Max Müller. Der bekam vor allem über einen hoch dotierten Beratervertrag Geld. Das war für mich kein wirkliches Bekenntnis zum Unternehmen. Und die Tatsache, dass ALNO es in einer Boombranche im Prinzip seit dem Börsengang nicht verstanden hat, profitabel zu wirtschaften. Obwohl andere, wie Rational, das können.

Nun hat man in einem Quartal mal ein positives EBITDA ausweisen können, also vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Allerdings ist ALNO hoch verschuldet und daher reicht der Blick auf dieses operative Ergebnis natürlich nicht aus, sondern gesund ist das Unternehmen erst, wenn auch dann etwas übrig bleibt, wenn alle Kosten bezahlt sind. Insbesondere die Zinsen. Daher führt der ALNO-Vorstand ja auch gerade Verhandlungen mit den Gewerkschaften über einen weiteren massiven Stellenabbau. Auch Griechenland hatte unlängst behauptet, man weise einen "Primärüberschuss" im Haushalt aus und sei eigentlich gesund. Am nächsten Tag schlossen dann die Banken.

Mir ist natürlich klar, dass dies eine arge Verkürzung der Geschehnisse ist und der Vergleich etwas hinkt... Doch unterm Strich bleibt festzustellen, dass ALNO eine Dauerbaustelle ist, wo es immer wieder an neuen Enden brennt, wenn gerade mal eines der Feuer gelöscht wurde. Seit 20 Jahren, mindestens dem Börsengang 1995, geht das nun schon so. Und ich habe keine großen Hoffnungen, dass hier ein nachhaltiger Turnaround gelingen wird.

"Sobald bei einem schwierigen Unternehmen ein Problem gelöst ist, taucht
das nächste auf. In der Küche ist niemals nur eine Küchenschabe."
(Warren Buffett)

Turnarounds finde ich immer dann spannend, wenn eigentlich grundsolide Firmen in vorübergehende Schwierigkeiten kommen und straucheln. Auf dieser Basis kann man aufbauen und ggf. günstig einsteigen. Aber Firmen, die sich seit Jahren knapp über Wasser halten und schon mit Tricks und Kniffen ihr Überleben sichern müssen, da lasse ich lieber die Finger davon.

Mit freundlichen Grüßen
Michael C. Kissig

Donnerstag, 30. Juli 2015

Bei der H.P.I. Holding ist ganz schön was im Busch

Die H.P.I. Holding ist eine mittelständische Beteiligungsgesellschaft mit dem Schwerpunkt auf der Fassring-Produktion - da ist man inzwischen unangefochten Europas Marktführer. Und sie ist für die Leser meines Blogs keine Unbekannte, denn vor etwas dreieinhalb Jahren stellte ich sie hier erstmals als schön langweiliges Beteiligungsdornröschen vor. Nach anfänglichen rasanten Kurssteigerungen aufgrund operativer Erfolge und Firmenzukäufe, lief es zuletzt nicht mehr so rund und zusätzlich wurde durch zwei Kapitalerhöhungen unter Ausschluss des Bezugsrechts der Altaktionäre das Stammkapital erheblich verwässert. Letztlich habe ich die Aktien dann auf meiner Empfehlungsliste auf Beobachtung gesetzt - mit negativem Ausblick, würden die Ratingagenturen sagen.

Doch alte Liebe rostet nicht und so blicke ich mit einem Auge durchaus noch auf "mein Dornröschen" und ob es vielleicht doch irgendwann einmal aus dem Tiefschlaf wachgeküsst wird. Und vielleicht hat sich nun ein wackerer Ritter gefunden, der das Dickicht durchdringen und Dornröschen erlösen kann? Die Anzeichen dafür mehren sich, auch wenn es noch nur Vermutungen sind. Doch der Reihe nach...

 H.P.I. Holding (Quelle: comdirect.de)
05.11.2014 Vorstandserweiterung
Ende letzten Jahres verkündete die H.P.I., Holding der Vorstand würde verstärkt werden. Dabei handelte es sich um Konstantin Winterstein, der zum Vorstand für das operative Geschäft und das technische Beteiligungsmanagement bestellt wurde. Der Diplomingenieur hält einen M.B.A. und war über 15 Jahre für ein deutsches Automobilunternehmen tätig, zuletzt in Führungspositionen im operativen Bereich und im Bereich Zulieferindustrie.

03.07.2015 Kapitalerhöhung
Die H.P.I. Holding beschließt eine Bar-Kapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechts für Altaktionäre und zwar um gut 10% oder 2 Mio. EUR. Sämtliche neu ausgegebenen 2.080.000 Aktien wurden preislich in enger Anlehnung an den Börsenkurs ausgegeben und vollständig platziert. Man kann nun prächtig darüber spekulieren, ob es "institutionelle Anleger" waren, die die Aktien abnahmen, oder aber es sich doch eher um eine Beteiligung des Neu-Vorstands Winterstein handeln könnte, der sich nach einem halben Jahr der gegenseitigen Prüfung auch als Miteigentümer in "sein" neues Unternehmen einbringen möchte. Immerhin soll er ja den Bereich der Zukäufe und Übernahmen verantworten und genau dafür stehen die zusätzlichen Geldmittel nun bereit.

31.08.2015 Letzte Hauptversammlung der H.P.I. Holding
Am letzten Tag im Augst wird die diesjährige Hauptversammlung stattfinden und der Vorstand schlägt eine Dividendenzahlung von 5 Cents je Aktie vor - man könnte jetzt fragen, wieso die gerade erst im Juli 2015 ausgegebenen neuen Aktien auch schon für 2014 dividendenberechtigt sein sollen, was ich für mehr als ungewöhnlich halte. Aber auch für eine Stütze meiner Winterstein-These. Interessanter ist allerdings, was in der zumindest auf der Homepage der H.P.I Holding veröffentlichten Einladung zur Hauptversammlung enthalten ist. Denn die Zeichen stehen auf Umbruch...

.: Unter TOP 6 Wahlen zum Aufsichtsrat müssen gleich zwei der drei Kontrolleure neu gewählt werden, da zwei Amtsinhaber ihre Mandate zum 31. August vorzeitig niederlegen.

.: Unter TOP 7 soll erneut die Ermächtigung zur Erhöhung des Kapitals ("genehmigtes Kapital 2015") gegeben werden und die Gesellschaft soll das Recht erhalten, bis zum 30. August 2020 das Grundkapital durch ein- oder mehrmalige Ausgabe neuer auf den Inhaber lautenden Stückaktien (Stammaktien) gegen Bar- und/ oder Sacheinlagen um bis zu Euro 3.120.000,00 zu erhöhen, ggf. unter Ausschluss des Bezugsrechts für die Altaktionäre.

.: Unter TOP 8 geht es um das bei der letzten Hauptversammlung genehmigte zusätzliche Kapital ("genehmigtes Kapital 2014") und wer gedacht hat, dieses würde nun gestrichen, da man ja unter TOP 7 neues Kapital beschließen würde, rutscht auf der falschen Seite des Rasiermessers ins Tal. Denn die H.P.I Holding scheint einen enormen Kapitalhunger zu entwickeln und das aktuell noch genehmigte Kapital 2014 von 8.120.000 EUR soll weiterhin zur Verfügung stehen. Beide Maßnahmen zusammen würden also bei vollständiger Platzierung eine Ausweitung des Stammkapitals um weitere gut 50 Prozent bedeuten!

.: Unter TOP 9 kommt nun das Ende der H.P.I. Holding AG, wo lapidar die Firmierung geändert werden soll in "Ringmetall AG".

Und fast in einem Nebensatz geht unter, dass künftig ausgegebene Aktien auch als Vorzugsaktien begeben werden können.

Mein Fazit
Schaue ich mir die Abfolge der letzten Ereignisse an und beziehe die erheblichen Änderungen und neuen Weichenstellungen mit ein, die die Hauptversammlung beschließen soll, dann drängen sich mir ein "Kulturwandel" bei der H.P.I Holding AG Ringmetall AG auf. Ich habe den Eindruck, hier soll mit neuem Personal und neuem Elan ein deutlich größeres Rad gedreht werden als bisher. Die momentan noch recht einseitige Festlegung auf die Berger-Gruppe (Spannringe) begrenzte das Wachstum alleine schon aufgrund des erreichten fast monopolartigen Marktanteils in Europa. Hier kann man entweder durch Zukäufe in Übersee wachsen oder durch die massive Stärkung des neuen zweiten Standbeins, der HMS Sauermann. Sofern es nicht sogar um den Aufbau eines dritten Standbeins gehen sollte - jedenfalls wird es sich wohl um Metallverarbeitung handeln, so viel verrät der neue Firmenname auf jeden Fall.

Warten wir mal die Hauptversammlung ab, vielleicht wird aus dem "very extremly hidden Champion" ja doch noch eine "aufgeweckte Prinzessin". Und auch wenn es nebensächlich erscheint angesichts der möglichen anstehenden Veränderungen, so wäre es sehr wünschenswert, wenn das Unternehmen seine doch eher suboptimale Kapitalmarktkommunikation aufpeppen würde. Man könnte damit anfangen, Berichte zeitnah zu veröffentlichen und zwar nicht nur auf der eigenen Internetseite, sondern auch bei den einschlägigen Finanz-Nachrichten-Portalen. Zusätzlich auch Berichte über operative Erfolge oder Zukäufe der Tochtergesellschaften. Vielleicht könnte man die eigene Website auch so aktuell halten, dass man dort nicht mehr die Angaben per Dezember 2013 zu Aktienanzahl und Börsenkurs findet, sondern zeitnahe Informationen für Investoren anbietet. Und auch wenn man nicht gleich in ein höheres Börsensegment wechseln muss, so kann man durchaus regelmäßig Corporate News zu den Entwicklungen der Holding und der Töchter veröffentlichen.

Ich bin gespannt, ob und was sich hier so tut. Und vielleicht lautet dann mein nächster Bericht über die H.P.I. Holding AG Ringmetall AG ja "Dornröschen ist erwacht"...