Donnerstag, 15. Oktober 2015

Blackstone trotzt im 3. Quartal dem widrigen Börsenumfeld

Finanzinvestor Blackstone Group hat Zahlen zum 3. Quartal 2015 vorgelegt und die verfehlt in Teilbereichen die Erwartungen der Analysten.

Erster Quartalsverlust seit 2011
Blackstones "Economic Net Income" rutschte in den roten Bereich und fiel im 3. Quartal auf  -415,9 Mio. USD ggü. dem Vorjahreswert von 758 Mio. USD. Mit -0,35 USD je Aktie (0,66 USD) lag man noch unterhalb der Analysten-Erwartungen von -0,30 USD. Hier schlagen die Börsenturbulenzen der letzten Monate voll zu Buche und machen sich in gesunkenen Bewertungen der diversen Beteiligungen bemerkbar. So verzeichnete der S&P 500 Index den stärksten Quartalsverlust seit 4 Jahren. Alleine die Blackstone-Beteiligung an der Hotelkette Hilton Worldwide Holdings Inc. verzeichnete einen Kursrückgang um 2 Mrd. $. Allerdings entfalten sie keine unmittelbaren Auswirkungen auf den Cashflow bzw. die Ausschüttungen an die Aktionäre und im vierten Quartal haben Blackstones börsennotierte Beteiligungen bis heute bereits wieder um 7,3% zugelegt, so Blackstone-CEO Stephen A. Schwarzman in dem die Zahlen begleitenden Conference-Call.

Ausschüttungsfähige Gewinne liegen um 54% über dem Vorjahreswert
Denn die "ausschüttungsfähigen Gewinne" lagen bei 692 Mio. USD (686 Mio. USD) bzw. 0,58 USD je Aktie (0,54 USD) und konnten somit sogar leicht gesteigert werden. Im Gegensatz zum Nettogewinn, der den der entsprechenden Periode zuzurechnenden Gewinn ausweist (hier also das 3. Quartal) und auch wertmäßige Zu- und Abschreibungen enthält, die auf Assets (wie Immobilien, Aktien, Fondsanteile) anfielen, beziffert der ausschüttungsfähige Gewinn die Gewinne, die wirklich in dieser Periode zugeflossen sind und die somit für Ausschüttungen an die Aktionäre zur Verfügung stehen. Die ausschüttungsfähigen Gewinne haben bisher in den ersten 9 Monaten dieses Jahres insgesamt 3,0 Mrd. USD oder 2,51 USD je Aktie erzielt, was eine Steigerung um 54% ggü. dem 9-Monats-Vorjahreswert von 1,9 Mrd. USD ist.

Höchste Quartalsdividende in einem 3. Quartal
Hieraus speist sich die Quartalsdividende, die Blackstone auf 0,49 USD je Aktie festlegt und die am 2. November ausgezahlt werden soll an die Aktionäre, die zum US-Börsenschluss am 22. Oktober die Blackstone-Aktien im Depot halten.

DIVIDENDENHISTORIEJanuarAprilJuliOktoberGesamtDifferenz
20150,78 $0,89 $0,74 $0,49 $2,90 $0,98 $
20140,58 $0,35 $0,55 $0,45 $1,92 $0,74 $
20130,42 $0,30 $0,23 $0,23 $1,18 $0,66 $
20120,22 $0,10 $0,10 $0,10 $0,52 $-0,10 $
20110,32 $0,10 $0,10 $0,10 $0,62 $

Diese Dividenden ist zwar absolut betrachtet die niedrigste in diesem Jahr, aber auf annualisierter Basis bedeutet sie bei einem Aktienkurs von 29,5 EUR eine Dividendenrendite von knapp 6%. Nimmt man die vier Ausschüttungen dieses Jahres zusammen, läge sie bei 8,6%.

 Blackstone Group L.P. (Quelle: comdirect.de)
"Assets under Management" legen weiter zu
Eine für die künftige Entwicklung ganz wichtige Kennzahl ist die AUM, die Assets under Management. Diese verwalteten Vermögenswerte sind die Quelle der hohen Managementgebühren, die eine stetig sprudelnde Einkommensquelle für Blackstone (und die ausschüttungsfähigen Gewinne für die Aktionäre) sind. Die AUM legten im 3. Quartal ggü. dem Vorjahr um 17,7% auf 333,9 Mrd. USD zu. Das ist ggü. dem 2. Quartal zwar nur ein marginaler Zuwachs, allerdings zahlte Blackstone auch 59,7 Mrd. USD an seine Investoren zurück und holte im Umkehrschluss eine entsprechende Summe an neuen Anlegergeldern wieder herein. Darüber hinaus macht sich natürlich auch bei den AUM der Börsenabschwung bemerkbar, denn der in Aktien bzw. Unternehmensbeteiligungen angelegten Teil hat ja auch Wertminderungen zu verzeichnen, die entsprechend kompensiert wurden durch neue Einlagen. Das spricht dafür, dass Blackstone weiterhin großes Vertrauen der Investoren genießt und auch künftig hohe Managementgebühren erzielen wird. Gut für uns Aktionäre!


"Wir haben das Vertrauen unserer Investoren in der Limited Partnership und wir konnten in
den vergangenen 12 Monaten nahezu 100 Milliarden Dollar an frischen Geldern einwerben".
(Stephen A. Schwarzman, CEO Blackstone Group)


85 Milliarden USD Dollar Feuerkraft
Ein weiterer Pluspunkt für Blackstone ist, dass man insgesamt noch auf 85 Mrd. USD sitzt, die noch zu investieren sind. Wenn sich Gelegenheiten bieten, ist Blackstone da und schnappt zu. Ob dies bei privaten oder Gewerbeimmobilien der Fall ist oder bei Unternehmenszukäufen. Und auch Deals anderer Investoren werden mit Finanzmitteln ausgestattet, die sich Blackstone dann teuer verzinsen lässt. Hier können Aktionäre noch so einiges von Blackstone erwarten, gerade in dieser turbulenten Börsenphase, wo Übertreibungen in die eine oder andere Richtung an der Tagesordnung sind.


"Volatile Märkte sind letztlich gut für unser Geschäft. Blackstone
ist hervorragend positioniert, um diese vorteilhaft auszunutzen".
(Stephen A. Schwarzman, CEO Blackstone Group)


Einschätzung
Blackstone profitiert einerseits vom niedrigen Zinsumfeld, aufgrund dessen Investoren Blackstone immer mehr Geld anvertrauen, weil sie es andernorts nicht mehr verzinst bekommen. Andererseits wirkt sich das turbulente Börsenumfeld in gesunkenen Beteiligungswerten aus und in der Möglichkeit, Beteiligungen gewinnbringend an die Börse zu bringen und so Beteiligungsgewinne zu realisieren. Auf der Kaufseite bieten sich Blackstone hingegen aktuell wieder attraktive(re) Investitionsmöglichkeiten, die die Basis künftiger Erträge und Ausschüttungen darstellen. Blackstone hat sich hier als ein versierter antizyklischer Investor bewiesen und Anleger sollten daher beruhigt auf die Expertise des Managements vertrauen, immer wieder lukrative Investments an Land zu ziehen.

Dass Gründer und CEO Stephen Schwarzman als Großaktionär auch größter Profiteur von Kursteigerungen und hohen Dividenden von Blackstone ist, ist für mich ein weiterer Grund, auch künftig bullish für Blackstone-Aktien zu sein. Blackstone befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und sollte der Kurs aufgrund des vermeintlich schlechten Quartalsergebnisses heute an der US-Börse unter Druck geraten, werde ich meine ohnehin größte Depot-Position noch weiter aufstocken und mir eine solche Chance nicht entgehen lassen.

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Kurzsturz bei Autozulieferern: Schnäppchen oder Value-Trap?

Vor gut einem Jahr stürzten die Kurse der Automobilzulieferer ab und ich überlegte, ob deutsche Autozulieferer wieder kaufenswert seien. Mit dem Ergebnis, dass die Bewertungen auf den ersten Blick günstig erschienen, dass sich Neu-Engagements unter Chance-Risiko-Aspekten nicht aufdrängten. Die sich eintrübenden Perspektiven der Autohersteller aufgrund der Russland-Sanktionen und der nachlassenden Nachfrage aus China waren für mich ganz entscheidende Faktoren. Tja, es kam anders... denn die Halbierung des Ölpreises nur kurze Zeit später sorgte für eine Art Sonderkonjunktur bei den Autoherstellern und für neue Absatzrekorde, vor allem in den USA. Dem entsprechend erholten sich auch die Aktienkurse der Autozulieferer wieder und legten rasant zu.

Déjà vu...
Und nun? Die Kurse stürzen wieder ab und neben den alten Faktoren gibt es neue. Der Börsencrash in China hat für eine Absatzflaute gerade deutscher Premium-Hersteller gesorgt und dann kam Diesel-Gate, der Abgasskandal bei VW. Die Kurse aller Autohersteller gingen in den Sturzflug über, weil man befürchtete, dass nicht nur VW bei der Einhaltung von Abgasrichtwerten betrogen haben würde, denn offensichtlich sind die Diesel-Schadstoffrichtwerte kaum einzuhalten oder eben nur durch extrem teurer Verfahren. Volkswagen steht unter Schock, zweistellige Milliardensummen stehen als Strafzahlungen im Raum, dazu kommen möglicherweise Schadenersatzforderungen von Behörden aus aller Herrenländer und von Kunden. Manch ein Schwarzseher meint schon orakeln zu müssen, dass VW als Ganzes vor der Pleite stehe.

Dieses Horrorszenario halte ich für maßlos übertrieben. Allerdings wird VW - und seine Aktionäre - heftig bluten müssen, der Schaden am Image der Marke VW und die damit verbundenen mittel- und langfristigen Eintrübungen für die Absatzzahlen sind kaum auszumalen. Fakt ist aber, dass VW erhebliche Summen aufwenden wird müssen und dass in Wolfsburg der Rotstift angesetzt wird. So werden nicht nur Sponsoring und Marketing drastisch runtergefahren, sondern auch Investitionen von 1 Milliarde jährlich stehen auf dem Prüfstand. Und natürlich die Motorenstrategie, denn die bisherigen "starken Männer", Piech und Winterkorn waren bekennende Verbrennungsmotorfans. Künftig wird VW, viel später als andere, verstärkt auf Elektromotoren setzen und auf Hybridantriebe. Und man wird die Modellvielfalt weiter reduzieren.

Auswirkungen auf die Zulieferer
Im Gegensatz zu früher bauen Autohersteller ihre Autos kaum noch selbst, ein Großteil der Komponenten stammen von Zuliefererbetrieben. Und natürlich wird VW auch bei diesen eine neue Sparrunde einläuten - als größter Autohersteller der Welt kann VW hier seine Einkaufsmacht stark ausspielen. Hier trüben sich die Perspektiven für die Zulieferer also ein, denn auch wenn VW neue Komponenten benötigen wird, werden diese unter ganz anderen Sparzwängen ausverhandelt werden (müssen). Und auch der Börsengang der Schaeffler-Gruppe stand durch die schlechten Rahmenbedingungen auf der Kippe und kam nur unter Abstrichen überhaupt über die Ziellinie.

Doch diese sich eintrübenden Aussichten sind nicht der alleinige Grund für den Absturz so vieler Kurse. Denn die Branche hat eigene Probleme und wartet reihenweise mit Prognosesenkungen und Gewinnwarnungen auf, die sich auf das laufende Jahr und die Folgejahre beziehen.

ElringKlinger ist der weltgrößte Hersteller von Zylinderkopfdichtungen. Zudem produziert der Konzern Spezialdichtungen, Kunststoff-Gehäusemodule sowie Abschirmteile für Motor, Getriebe, Abgassystem und den Unterboden. ElringKlinger gab Mitte September bereits die zweite Gewinnwarnung in diesem Jahr heraus - weil man vom Erfolg überrollt würde. Man käme mit der Produktion gar nicht nach und müsse daher viele Aufträge fremdvergeben und das sei viel teurer und würden Margen und Gewinn massiv belasten. Schnelle Abhilfe ist hier nicht in Sicht.

Grammer ist ein deutsches Unternehmen, das sich auf die Entwicklung und Herstellung von Komponenten und Systemen für die Pkw-Innenausstattung sowie von Fahrer- und Passagiersitzen für Offroad-Fahrzeuge, Lkws, Busse und Bahnen spezialisiert hat. Mit Präsentation der Halbjahreszahlen bestätigte man die Umsatzerwartungen, musste aber beim EBIT und dem zu erwartenden Gewinn zurückrudern.

Leoni ist ein weltweit tätiger System- und Entwicklungslieferant von Drähten, Kabeln und Bordnetz-Systemen. Das Angebotsspektrum umfasst Drähte und Litzen, Standard- und Spezialkabel, Lichtwellenleiter sowie komplette Kabelsysteme und Dienstleistungen für unterschiedlichste industrielle Anwendungen. Jüngst präsentierte man eine satte Gewinnwarnung aufgrund von Schwierigkeiten in der Sparte Bordnetze und -verkabelungen.

SHW entwickelt und fertigt sowohl Pumpen und Motorkomponenten wie auch Bremsscheiben und beliefert Lieferanten der Fahrzeugindustrie, Nutzfahrzeughersteller sowie namhafte Automobilhersteller in Europa und Nordamerika. SHW hat ebenfalls mit Kapazitätsproblemen zu kämpfen, allerdings bereits seit Ende 2014. Die Probleme werden angegangen und die nötigen Investitionen in neue Anlagen sind bereits angeschoben und teilweise fertiggestellt. Trotzdem brachen die Kurse nach Präsentation der Halbjahreszahlen ein, denn zusätzlich ergab sich eine neue Baustelle, denn ein Großkunde hatte angekündigt, künftig einzelne Komponenten nicht mehr bei SHW zu beziehen, sondern in Eigenregie zu fertigen. Mit entsprechend negativen Auswirkungen auf Umsatz und Gewinn bei SHW in den nächsten Jahren. Darüber hinaus stellt VW mit rund 25 Prozent den Hauptkunden der SHW AG und das dürfte in der momentanen Situation her kein Vorteil sein.

Einschätzung
An meiner Einschätzung vom letzten Jahr hat sich eigentlich nicht viel geändert, ich bin trotz der Kursrücksetzer und der nun vermeintlich niedrigen KGVs und hohen Dividendenrenditen eher skeptisch, was den Automobilsektor und insbesondere auch die Zulieferer angeht. Die Perspektiven haben sich weiter eingetrübt und der Abgasskandal wird hier noch einige Zeit belastend wirken. Es ist davon auszugehen, dass die Analysten-Schätzungen zu Umsatz, Gewinnen und Dividenden eher rückläufig sein werden, was die optischen günstigen Bewertungen der Aktien schnell relativieren dürfte. Aus meiner Sicht drängen sich Engagements in diesem Sektor zur Zeit nicht auf. Man sollte auch nicht vergessen, dass Autos zu den zyklischen Branchen gehören und die Konjunktur trübt sich momentan weltweit ja eher wieder ein.

Moment mal... wird jetzt vermutlich kommen, denn ich habe kürzlich SHW bei 20 EUR auf meine Empfehlungsliste genommen. Und da bleibt der Wert auch, denn die Probleme bei SHW sind schon länger bekannt und das Management hat sie bereits in Angriff genommen. Daher ist der neuerliche Einbruch um knapp 50 Prozent aus meiner Sicht übertrieben und dürfte auf mittlere Sicht eine gute Einstiegsgelegenheit darstellen für Langfristanleger. Auch wenn die Branchenperspektiven hier eher trüb sind und bleiben.

Die Eintrübung im Automobilsektor kann auch Auswirkungen auf andere Unternehmen auf meiner
Empfehlungsliste haben, wie Delignit, M.A.X Automation oder MBB, die ja teilweise diese Branche beliefern. Alle drei Aktien sind daher momentan auch nur Haltepositionen und kein Nachkauf.

Dienstag, 13. Oktober 2015

PJT Partners: Was tun mit dem Blackstone-Spin-off?

Aktionäre des Finanzinvestors Blackstone haben seit einigen Tagen Zuwachs im Depot, denn der Gigant der "alternativen Investments" hat einen kleinen Teil seiner Aktivitäten mit einer anderen Firma zusammengeschlossen und als separates Unternehmen an die Börse gebracht. Dieser sog. Spin-off firmiert nun unter PJT Partners Inc. und für Anleger stellt sich die Frage, was sie mit diesen Aktien anfangen sollen.

Montag, 12. Oktober 2015

Börsenweisheit der Woche 41/2015

"Wer ein Wertpapier für die Hälfte oder ein Viertel des Wertes kauft, geht weniger Risiko ein als jemand, der den vollen Wert bezahlt."
(Sir John Templeton)

Mittwoch, 7. Oktober 2015

KCAP Financial: Investor stockt auf und macht gleich mächtig Druck!

Inzwischen kennt ihr ja schon die eine oder andere Business Development Company (BDC), denn ich habe hier schon mehrfach über TICC Capital Corp. oder KCAP Financial Inc. berichtet. Das liegt daran, dass ich deren Geschäftsfeld, die Finanzierung der (nicht börsennotierten) US-Mittelstandsfirmen für interessant halte und aufgrund des Kursabsturzes vieler BDCs auch für eine lukrative Investitionsgelegenheit. Nachdem ich kürzlich erst über die kurstreibende Übernahmeschlacht bei TICC Capital berichtet hatte, steckt eine ähnliche Entwicklung hinter dem aktuellen Kurssprung bei KCAP Financial - und nicht etwa die soliden Zahlen zum 2. Quartal, die Anfang August vermeldet worden waren.

Denn KCAP, die 1987 gegründete ehemalige Kohlberg Capital Corp., die ich - zugegebenermaßen etwas zu früh - Ende Juli erstmals gekauft habe, ist unter Druck geraten, nachdem ein Investor seinen Beteiligung auf 3,1% der Anteile erhöht hat. DG Capital Investment hält nach einem Zukauf von weiteren 43.723 Aktien, die man in den letzten Monaten über die Börse erworben hat, nun 1,15 Mio. der KCAP-Anteile. Und der 1996 gegründete Hedge Fonds, der überwiegend in Small- und Midcaps investiert, ist der Meinung, dass Investoren KCAP Financial nicht verstehen würden und deren Aktien deutlich unterbewertet seien. Danke, aber so weit war ich gedanklich auch schon.

 KCAP Financial (Quelle: comdirect.de)
30% Unterbewertung und 17% Dividendenrendite
Neu ist nun allerdings, dass DG Capital Investment die Sinnfrage stellt, denn man fordert das KCAP-Board auf, die Firma entweder komplett zu veräußern oder aber wenigstens einige ihrer Assets, um mit diesem Geld dann eigene Aktien zurückzukaufen. Denn der Aktienkurs von KCAP Financial notiert erheblich unterhalb seines NAV (Net Asset Value), sogar annähernd 30 Prozent. Kein Wunder also, dass DG Capital Investment diesen Buchwert-Schatz gerne heben würde. Allerdings legt man auch ganz deutlich dar, dass der Komplettverkauf an eine andere BDC die bevorzugte Option sei, weil man auf diese Weise den größten Vorteil für die KCAP-Aktionäre erzielen würde.

Die neuen Aktivitäten bringen das KCAP-Management unter Zugzwang, sich um den Abbau des Diskonts auf den Net Asset Value zu kümmern. Und es wird vielleicht andere Investoren mit der Nase auf die krasse Unterbewertung und die üppige Dividendenrendite von KCAP Financial stoßen, was dem Kurs zusätzliche Impulse geben dürfte. Ich bin recht zufrieden mit dieser Entwicklung, zumal ich jüngst meinen KCAP-Anteil nochmals aufgestockt hatte, um die  üppige Quartalsdividende von 21 US-Cents einzusacken, die Aktionäre erhalten, die am 8. Oktober die KCAP-Aktien im Depot haben. Dies entspricht immerhin einer Jahresrendite von 17 Prozent.

KCAP Financial steht auf meiner Empfehlungsliste und bietet sich auf dem aktuellen Kursniveau für langfristig orientierte Value Anleger und Dividendeninvestoren gleichermaßen an.

Montag, 5. Oktober 2015

"Kissigs Kolumne" erscheint nun regelmäßig im "Aktien Magazin"

Dies ist mal ein Beitrag in eigener Sache, denn seit September 2015 schreibe ich für das Aktien Magazin eine eigene Kolumne. Sie dreht sich, wie sollte es anders sein, um intelligentes Investieren und heißt "Kissigs Kolumne".

Als mich Simon Betschinger, Chef von TraderFox, kürzlich fragte, ob ich mir vorstellen könnte, eine Kolumne für sein Magazin zu schreiben, fand ich die Idee nicht so abwegig, wie man auf den ersten Blick meinen könnte.

Denn obwohl Traden und Value Investing komplett gegensätzliche Investmentansätze sind, hatte ich doch kurz zuvor bereits mitbekommen, dass der von mir sehr geschätzte New Yorker Börsenjournalist Tim Schäfer in diesem Magazin gerade ebenfalls eine Kolumne übernommen hatte. Und das war für mich so etwas wie ein Ritterschlag und die Gewissheit, dass es dem Magazin ernst ist mit Artikeln über Value Investing, Buy & Hold und intelligentes Investieren in unterbewertete Aktien.

Daher habe ich nicht lange gezögert und meine Zusage für die mehrseitige Kolumne gegeben, die von nun an regelmäßig im Aktien Magazin zu lesen sein wird - und zwar nur dort.

Zum kostenlosen Probeexemplar des Aktien Magazins

Börsenweisheit der Woche 40/2015

"Die Börse ist nur der Marktplatz, die Wertschöpfung findet im Unternehmen statt."
(Warren Buffett)

Freitag, 2. Oktober 2015

Investor-Update: KKR, SHW

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Sell-Offs bieten Chancen
Eine eherne Börsenregel lautet, man solle niemals in ein fallendes Messer greifen. Soll heißen, in einen Kursabsturz hinein zu kaufen, bringt meistens Kursverluste mit sich, zumindest auf kurze Sicht. Ratsamer erscheint es abzuwarten, bis sich der Kursabsturz verlangsamt und in eine Kurserholung übergeht.

Nun, manchmal sind Kursabstürze aber heftige Übertreibungen und bieten so große Chancen, dass man einfach zugreifen muss. Ob man damit richtig liegt, erweist sich natürlich erst im Nachhinein. Ich habe diese Woche genutzt, um bei drei Unternehmen zuzulangen.

+ KKR & Co. L.P.
Der Kurs von KKR ist in der vergangenen Woche noch einmal deutlich gefallen und ich denke, dies ist eine inzwischen maßlose Übertreibung nach unten. Klar, KKR ist im Bereich der Öl- und Gasförderung aktiv und baut dieses Engagement zur Zeit noch aus, aber diese Investments hat man bereits im letzten Quartal 2014 massiv abgeschrieben. Klar, eine große Ol-Förderfirma aus dem KKR-Portfolio musste gerade Insolvenz anmelden. Klar, die Börsenturbulenzen beeinträchtigen KKRs Möglichkeiten, Beteiligungen zu Höchstpreisen an die Börse zu bringen. Aber sie setzen sie nicht außer Kraft! Denn aktuell läuft gerade das IPO des weltgrößten Zahlungsabwicklers First Data, bei dem KKR auch nach dem Börsengang das Sagen haben wird. Dieses Asset ist übrigens in KKRs Bilanz bereits längst auf 60% des Einkaufspreises abgewertet worden, denn KKR hatte First Data kurz vor der Finanzkrise für sehr viel Geld übernommen - und auch dank der Abschreibungen wird KKR nun doch noch Gewinne aus dem Investment ziehen. Außerdem hat man sich jüngst mit 10% an Oz Minerals beteiligt, einem australischen Kupfer-Förderer. Ein klassisch antizyklisches Investment. Und das gefällt mir, denn KKRs Investments sind ja mittel- und langfristiger Natur, erst nach einigen Jahren wird die Ernte eingefahren. Und dabei sollte man nicht übersehen, dass KKR noch etliche Engagements aus der Zeit der Finanzkrise in den Büchern hat, die heute mit großen Wertzuwächsen zu Geld gemacht werden (können). Da winken auf absehbare Zeit weiterhin üppige Erträge und Dividenden - die aufs Jahr hochgerechnete Dividendenrendite liegt bei knapp 11 Prozent! Ich habe meinen KKR-Bestand daher also zu knapp 14,50 EUR weiter ausgebaut.

+ SHW
SHW ist ein deutscher Automobilzulieferer und operiert damit nicht gerade in meiner Lieblingsbranche, wie ich vor gut einem Jahr bereits ausführte, als ich fragte, ob deutsche Autozulieferer wieder kaufenswert seien. Allerdings gibt es bei SHW nun eine Sondersituation, die die Aktie nach einem echten Schnäppchen aussehen lässt. Denn SHW hat das Problem, dass man zu erfolgreich ist, der Umsatz legt stark zu, die Gewinne sinken. Und das hat seinen Grund, denn SHW hat Kapazitätsprobleme, die Produkte aus dem Bereichen Bremsanlagen und Kraftstoffpumpen werden dermaßen von den großen Autoherstellern nachgefragt, dass SHW gar nicht genug produzieren kann. Deshalb müssen für Teilbereiche andere Unternehmen involviert werden, was zu deutlichen Mehrkosten führt. Das Management hat das Problem erkannt und das Investitionsprogramm soll hier Abhilfe schaffen - künftig ist also mit einer deutlichen Margen-Erhöhung zu rechnen und damit mit höheren Gewinnen. Allerdings gab es unlängst die Meldung, ein "bedeutender Kunde" wolle künftig Teilstücke von SHW-Komponenten selbst fertigen und daraufhin wurden die Gewinnprognosen deutlich zurückgenommen. Der Aktienkurs stürzte daraufhin ziemlich ab. Und nun kommt noch der Abgas-Skandal bei VW hinzu und SHW macht mit VW immerhin etwa ein Viertel seines Umsatzes. Zeit für eine weitere Verkaufswelle bei SHW, die zwischenzeitlich auf unter 20 EUR rutschten, also fast auf das Niveau während der Finanzkrise.

Der Kurseinbruch von weit mehr als 50% ist meiner Ansicht nach mehr als übertrieben und überbewertet die ohne Frage vorhandenen Probleme und daher habe ich mir zu 20 EUR ein paar SHW-Aktien ins Depot gelegt.


.: Cashquote
Meine Cashquote ist aufgrund der beiden Käufe nahe an die Marke von 20 Prozent gefallen, doch ich fühle mich damit nicht (mehr) unwohl. Da inzwischen jeder, wirklich jeder davon ausgeht, dass der Markt eigentlich nur weiter fallen kann, glaube ich, dass wir das Gröbste hinter uns haben und in etwa auf dem Börsenniveau sind, von dem aus die nächste Erholung einsetzen wird. Ob dies nun in der nächsten Woche oder einige Wochen später beginnt, kann ich natürlich nicht abschätzen. Auch steht nun die nächste Berichtssaison in den USA an und zuletzt sind die Prognosen derart zusammengestutzt worden, dass die Unternehmen sie kaum noch unterbieten können. Was Spielraum bietet für positive Überraschungen...

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Western Digital startet mit neuem Großaktionär kräftig durch

Der Festplattenhersteller Western Digital Corp. leidet seit Monaten unter schwächelnden PC-Absätzen und der Angst der Börsenteilnehmer, dies würde auch den Absatz an klassischen Festplatten weiter senken. Der Kurs kennt daher eigentlich nur eine Richtung und fiel bis auf 60 EUR zurück.

Entsprechend positiv reagierten die Anleger daher auf die Meldung, Unisplendour Corporation Limited, eine Tochter des chinesischen Staatsunternehmens Tsinghua, habe einen 15-Prozent-Anteil an Western Digital erworben und zu diesem Zweck für rund 3,8 Milliarden Dollar neu ausgegebene Aktien gezeichnet. Der Stückpreis lag mit 92,50 USD etwa ein Drittel über dem vorherigen Schlusskurs und zeigt, welches Potential die Chinesen in dem Festplattengiganten sehen.

 Western Digital (Quelle: comdirect.de)
Western Digital teilt sich den globalen Festplattenmarkt mit Wettbewerber Seagate und beide zusammen kommen hier auf einen Marktanteil von rund 90 Prozent. Neue Speichermedien und verändertes Verbraucherverhalten setzen beide Unternehmen jedoch unter Druck, insbesondere die schnelleren Flash-Speicher, die vermehrt zur Anwendungen kommen. Auch in diesem Markt mischt Western Digital mit und kauft auch ab und zu Technologie und Firmen hinzu. Allerdings ist der Flash-Markt wesentlich fragmentierter und Western Digitals Anteil erheblich niedriger. Die Einführung von Windows 10 dürfte Analysten zufolge aber die weltweite Nachfrage nach Notebooks - und damit Festplatten - beleben, denn nach wie vor sind bei Festplatten die Kosten je GigaByte erheblich niedriger als bei Flash oder gar NAND-Technologie. Diesen Wandel kann Western Digital aus einer Position der Stärke heraus angehen, denn der enorme Cashflow sorgt für die nötigen Investitionsmittel und ist mehr als auskömmlich für Dividendenzahlungen und weitere Aktienrückkäufe.

Mit einem 2016er KGV von 10 und einer Dividendenrendite knapp unter 3% zählt Western Digital zu den günstigst bewerteten Tech-Unternehmen und findet sich dem entsprechend auf meiner Empfehlungsliste. Die Erhöhung der Aktienzahl um 15% verwässert zwar die Gewinne für die Altaktionäre, andererseits hat der neue Großaktionär auch ein stattliches Aufgeld von nahezu 30 Prozent für seine Aktien bezahlt und dieser Wertzuwachs kommt insbesondere den Altaktionären zugute.

Andere Ansichten: Blackstone und Co. stemmen Scout24-IPO

In turbulenten Börsenphasen eine Börsenplatzierung erfolgreich über die Bühne zu bringen, ist schon keine kleine Leistung. Da müssen Angebot, Story und Preis stimmen, um Anleger hinter dem Ofen hervorzulocken. Dieses ist beim Börsengang der Internetprotal-Betreibergesellschaft Scout24 gelungen und spült den Alteigentümern um den Finanzinvestor Blackstone Group L.P. viel Geld in die Taschen.

Das Finance Magazin meint, Blackstone und Co. hätten einen stattlichen Emissionspreis erzielt. Die Aktien wären zu 30 Euro und damit in der Mitte der Emissionsspanne angeboten worden und notierten nach Handelsaufnahme sogar im Plus. Damit läge der Bruttoerlös der Emission bei 228 Mio. EUR. 38,64 Millionen Aktien hätten die bisherigen Eigentümer um Blackstone, Helman & Friedman sowie Deutsche Telekom platziert, von denen  7,6 Millionen aus einer Kapitalerhöhung und 26 Millionen aus der Hand der bisherigen Eigentümer stammten. Das Gesamtangebotsvolumen läge somit bei vollständig ausgeübter Mehrzuteilung, der so genannten Greenshoe-Option, bei rund 1,16 Milliarden Euro, so dass Scout24 damit auf eine Marktkapitalisierung von rund 3,2 Milliarden Euro käme und so eines der Schwergewichte im TecDax werden würde.

Doch auch dem Unternehmen selbst kämen die frischen Mittel zugute und es solle genutzt werden, um weiter zu wachsen und die Verschuldungsquote abzubauen. In den vergangenen Jahren habe Scout24 sowohl Umsatz als auch Profitabilität stetig steigern können. Der Umsatz lag im vorigen Jahr bei 342 Millionen Euro, der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen bei 149 Millionen Euro.

Blackstone Group befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Dienstag, 29. September 2015

Warren Buffett stößt seine Aktien an der Münchner Rück ab. Endlich!

Rückversicherungen sind weltweit in schwerer Fahrwasser geraten, weil ihnen die Niedrigzinsphase ihre Erträge nimmt und gleichzeitig branchenfremde Investoren in ihr originäres Geschäftsfeld eindringen. Trotz der vorgeblich niedrigen Bewertungen und optisch hohen Dividendenrenditen, sind Rückversicherungsaktien keine Schnäppchen, sondern Value TrapsIch hatte daher bereits Anfang Mai spekuliert, dass Warren Buffett sich von seinen als Finanzbeteiligungen gehaltenen Aktienpaketen an Munich RE und Swiss RE trennen müsste, nachdem er sich selbst eher skeptisch bis negativ über die Rückversicherungsbranche geäußert hatte. Und nun vermeldet die Munich RE, dass Buffett bzw. seine Investmentholding Berkshire Hathaway und seine Versicherungsgesellschaft National Indemnity Company ihren Anteil von gut 12 Prozent auf 9,7 Prozent reduziert hätten.

 Munich RE (Quelle: comdirect.de)
Das Unterschreiten dieser Meldeschwelle war nach deutschem Börsenrecht ggü. der Munich Re zu melden und von dieser zu veröffentlichen. Aber es ist kaum anzunehmen, dass Buffett nun bei einem Anteilsbesitz von 9,7 Prozent verharren wird, sondern er dürfte weitere Aktien abstoßen. Berkshires starke Ausrichtung auf die Versicherungsbranche stellt ein Klumpenrisiko dar und dass Buffett hier nun endlich Anteile reduziert, bewerte ich als positiv. Denn anders als die zu 100% zu Berkshire gehörenden Versicherungsunternehmen, kann Buffett bei seinen Finanzbeteiligungen natürlich nicht auf den Cashflow aus den Versicherungsprämien zurückgreifen, die er dann für seine Investments einsetzen kann. Insofern bieten ihm Finanzbeteiligungen in der Versicherungsbranche keinen Vorteil ggü. anderen Branchen, während die Risiken steigen aufgrund der einseitigen Ausrichtung und der sich verschärfenden Branchenkrise.

Berkshire Hathaway befindet sich als Halteposition auf meiner Empfehlungsliste, ich überdenke mein Votum aber aktuell, denn das Reduzieren der Versicherungsaktien und das stärkere Engagement im Industrie- und Konsumsektor lassen die Aktie unter Chance-Risiko-Aspekten wieder attraktiver erscheinen.


___________________________

Weitere Artikel zum Thema:


14.08.2015 Warren Buffett reduziert seine Versicherungsaktien
04.08.2015 Steuern die Versicherer auf massive Kapitalerhöhungen zu?
08.06.2015 Droht Lebensversicherern schon bald die Pleite?
12.05.2015 Andere Ansichten: BaFin-Warnung vor Versicherungspleiten
07.05.2015 Schmeißt Buffett die Rückversicherungsaktien aus seinem Depot?
27.04.2015 Deutsche Lebensversicherungsbranche ist die riskanteste der Welt!
02.02.2015 Value Trap Rückversicherungs-Aktien?
15.01.2015 Lebensversicherungen sind die pure Geldverschwendung
02.12.2014 Versicherungsaktien: Renditen runter, Risiko rauf
27.08.2013 Niedrigzinsniveau gefährdet Lebensversicherer
08.11.2012 Dividendenwerte schlagen Lebensversicherungen!

Montag, 28. September 2015

Börsenweisheit der Woche 39/2015

"Kaufe eine Aktie, als würdest du das ganze Unternehmen kaufen. Strebe nicht nach dem schnellen Dollar. Suche nach Unternehmen, deren Aktien du ein ganzes Leben lang halten kannst."
(Benjamin Graham)

Freitag, 25. September 2015

TICC Capital: wenn drei sich streiten... freut sich der Aktionär

Die TICC Capital Corp. habe ich ja erst seit kurzem auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot (siehe mein Investor Update vom 18.09.2015). Kurz nach meinem Einstieg ist ein Bieterkampf um die Zukunft des Unternehmens entbrannt - Ausgang ungewiss.

TICC Capital ist eine Business Development Company (BDC) und genau wie KCAP Financial im Bereich der Unternehmenskredite aktiv, besonders durch Collateralized Loan Obligations (CLOs), also verbriefte Unternehmenskredite. Während KCAP Financial sein Portfolio durch eigene Tochtergesellschaften managend lässt und somit eigentlich keine "fremdgemanagte" BDC im engere Sinn ist, lässt TICC einen unternehmensfremden Manager die operativen Geschäfte führen.

Ich erzähle diese Vorgeschichte nicht ohne Grund, denn andere BDCs setzen weniger auf Unternehmensfinanzierungen durch CLOs, sondern verstärkt auf privat finanzierte, nachrangige Unternehmenskredite mit niedrigerem Imvestment-Grade ("Private Debts"). Diese Private Debts sind zumeist nicht gerated und nicht verbrieft, so dass eine Refinanzierung bzw. ein Weiterverkauf weitaus schwieriger wäre als bei CLOs.

Bei der Bewertung seitens der Anleger ergeben sich durchaus Unterschiede, denn KCAP und TICC notieren regelmäßig unterhalb ihre Net Asset Value (NAV), also unter dem Wert ihrer Vermögensgegenstände. Der Markt preist hier das Risiko ein, dass nicht alle Ausleihungen an Unternehmen in Gänze einbringlich sein könnten. Erstaunlich finde dabei eigentlich nur, dass es sich bei BDCs, die Private Debts finanzieren, eher nicht so ist. Diese BDCs werden nicht selten sogar mit Aufschlägen auf den NAV gehandelt - ein Bewertungsunterschied, der sich mir nicht erschließt...

 TICC Capital, NASDAQ (Quelle: comdirect.de)
Doch zurück zu TICC... das Unternehmen möchte seinen externen Manager wechseln und das Board von TICC ist sich bereits mit einem Anbieter einig, mit Benefit Street Partners (BSP). Jedoch sollen die bestehenden Assets aus CLOs und "Syndicated Loans" abgewickelt werden und im Anschluss auf "Private Debts" gesetzt werden. Davon halte ich persönlich nicht viel, denn dann kann ich ja gleich in eine der vielen anderen BDCs mit entsprechender Ausrichtung investieren. Auch muss man bei Auffösung der Assets davon ausgehen, dass diese nicht den Nominalwert einbringen werden, also weniger als der NAV hereinkommen dürfte.

Doch es gibt noch andere Vorstellungen, was das Beste für die Aktionäre ist. So strebt eine andere BDC, die TPG Specialty Lending, die Komplettübernahme von TICC an, wobei die TICC-Assets erhalten bleiben und die bestehenden Asstes von TPG ergänzen sollen. Allerdings ist das TPG-Angebot für uns Aktionäre nicht wirklich interessant, denn TPG bietet mit 7,50 USD einen Kaufpreis deutlich unterhalb des NAV von TICC, der bei 8,60 USD liegt. Und TPG will die Übernahme auch noch mit eigenen Aktien bezahlen, die oberhalb des eigenen NAV notieren. Ein doppelter "Wert-Crasher" für TICC-Aktionäre, sozusagen! Des Weiteren liegt die Dividendenrendite von TPG etwa halb so hoch wie die von TICC, was für TICC-Aktionäre kaum begeisternde Aussichten wären. Aus diesen Gründen stößt die BSP-Offerte auf ziemlichen Widerstand größerer TICC-Aktionäre.

Und dann gibt es da noch das Angebot von NexPoint, die "nur" das Management der TICC-Assets übernehmen möchten, allerdings mit 1,25% zu deutlich niedrigeren Gebühren als es BSPs Angebot von 2% bietet. Das NexPoint-Angebot klinnt für mich vielversprechender, vor allem, weil NexPoint an der bisherigen unternehmerischen Ausrichtung von TICC festhalten möchte.

Als weitere denkbare Option könnte man auch generell die Asstes von TICC auflösen und alles Geld an die Aktionäre auskehren. Auch davon halte ich wenig, das geht in die gleiche Richtung wie das BSP-Angebot mit den zu erwartenden Wertreduzierungen.

Bringt die außerordentliche Hauptversammlung Klarheit?
Am 27. Oktober sollen die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über die verschiedenen Optionen abstimmen. Ein mit 5 Prozent Anteil bedeutender TICC-Aktionär, Raging Capital, forderte allerdings jüngst das Board auf, diese HV zu verschieben und eine Investmentbank zu engagieren, die die verschiedenen Handlungsoptionen bzw. Angebote bewertet, damit die Aktionäre umfassend informiert sind und dann fundiert entscheiden können. Und Muzinich & Co., die ebenfalls zu den 5 größten TICC-Aktionären gehören,stößt nun ins gleiche Horn.

Es ist durchaus denkbar, dass BSP sein Angebot noch einmal deutlich nachbessert und die angebotenen Management-Gebühren senkt, um "im Spiel" zu bleiben. Mir wäre allerdings  am liebsten, wenn NexPoint sein Angebot noch ein wening nachbessern würde, zum Beispiel um eine Aktienrückkaufoption. Dann könnte TICC zu erheblich verbesserten Konditionen sein Geschäft weiter betreiben und für die Aktionäre würde so dauerhaft Mehrwert geschaffen bei Aussicht auf weiterhin deutlich zweistellige Dividendenrenditen.

Warten wir ab, was die nächsten Wochen noch an interessanten Neuigkeiten und Optionen bringen. Ich gebe jedenfalls keine meiner TICC-Aktien aus der Hand. Eher im Gegenteil, bei günstiger Gelegenheit könnte ich mir vorstellen, meine Position noch etwas auszubauen. Denn trotz des Kurssprungs durch die "Bieterschlacht" notieren die TICC-Aktien weiterhin deutlich unterhalb ihres NAV.

______________________
Ergänzung vom 7. Oktober

Weitere bedeutende TICC-Aktionäre haben sich zu Wort gemeldet: Rangeley Capital unterstützt wie zuvor auch bereits Muzinich & Co. die Position von Raging Capital, die ein Absagen der für den 27. Oktober geplanten Hauptversammlung fordern und das Einschalten einer Investmentbank, die die verschiedenen Optionen für die Aktionäre bewerten soll. Diese sollten erst nach Vorliegen der Bewertung auf einer weiteren HV abgestimmt werden.

DeMuth, ein weiterer substanzieller TICC-Aktionär meint, die seitens des TICC-Managements bevorzugte Offerte durch BSP sei die schlechteste Wahl. Würden Aktionäre eine eigenständige, fremdgemanagte BDC fortführen wollen, wäre das Angebot von NexPoint kostengünstiger und für die Aktionäre attraktiver. Und würde der Fokus der TICC-Aktionäre auf dem möglichst schnellen Annähern des Aktienkurses auf den NAV liegen, wäre das Angebot von TLG - oder eine Liquidation der TICC-Assetts - der BSP-Offerte vorzuziehen.

Positiv hat sich, bis auf das TICC-Board selbst, bisher niemand zum BSP-Angebot. Das sollte den Verantwortlichen schwer zu denken geben. Es bleibt auf jeden Fall spannend...

______________________
Ergänzung vom 9. Oktober

Heute geht die Auseinandersetzung in eine neue Runde: NexPoint Advisors hat Klage gegen TICC eingereicht, genauer gesagt gegen die Gesellschaft, das Board und den Vorstand. NexPoint ist nämlich der Meinung, TICC würde seinen Anlegern die gesetzlich vorgeschriebene Wahlmöglichkeit zwischen den verschiedenen Angeboten vorenthalten bzw. sie einseitig zugunsten des BSP-Angebots beeinflussen. Dabei sei die Offerte von BSP vor allem ein Gewinn für das TICC Management, während das Angebot von NexPoint vor allem den TICC-Aktionären Vorteile bringe. Die zuletzt von BSP herausgegebene Pressemitteilung sei nur ein "verzweifelter Versuch", vom eigentlichen Kernthema abzulenken.

Hier die Erklärung von NexPoint zur Klageeinreichung (in Englisch).


______________________
Ergänzung vom 23. Oktober

Das Gericht hat die Klage von NexPoint dahingehend abgewiesen, dass deren Personalvorschläge für das Board nicht mit auf den Stimmzettel müssen, sofern nicht die Aktionärsversammlung sich für das BSP-Angebot entscheidet. NexPoints Ansinnen wurde vom Gericht als Übernahmeversuch eingestuft. Teilerfolg für das TICC-Management.

Auf der anderen Seite hat das Gericht den HV-Termin verschoben; er wird also nicht am 27. Oktober stattfinden. Und die Begründung ist ein Schlag ins Gesicht für das TICC-Management: denn das Gericht fordert, dass TICC die Einzelheiten zu seinem BSP-Deal näher erläutern muss, insbesondere die vorgesehenen Zahlungen an die Eigentümer des TICC Managements. Hier folgte das Gericht also NexPoints Argumenten.

Die Auseinandersetzung geht weiter und es wird sich zeigen, wer am Ende als Sieger vom Platz geht. Auf jeden Fall wirft das gesamte Vorgehen ein negatives Bild auf BDCs im Allgemeinen, weil es offenlegt, dass Board und Management nicht zwangsläufig zuerst das Wohl der Aktionäre im Blick haben (müssen).

Hier die Standpunkte des Gerichts (in Englisch).

Mittwoch, 23. September 2015

Andere Ansichten: Balda mit Schluss-Strich und Riesen-Dividende

Gereon Kruse berichtet auf "boersengefluester.de" über die aktuelle Entwicklung bei der Balda AG, die heute bekanntgab, dass man das gesamte operative Geschäft inkl. der Tochtergesellschaften an eine Investorengruppe aus dem Umkreis der Münchner Paragon Partners für 62,9 Mio. Euro verkauft werden. Dies entspräche einem Preis von etwa 1,07 EUR je Balda-Aktie und solle von einer Hauptversammlung, die am 19. November 2015 einberufen werden soll, beschlossen werden. Hier solle auch über eine Dividende von 1,10 EUR je Aktie abgestimmt werden, die bezogen auf den Vortagesschlusskurs einer Rendite von immerhin 45 Prozent entspräche. Die Ausschüttungssumme belaufe sich auf knapp 64,8 Mio. EUR.

In einem weiteren Schritt solle über eine Kapitalherabsetzung befunden werden: das gegenwärtig in 58.890.636 Aktien unterteilte Gezeichnete Kapital solle auf 5.889.063 EUR gekürzt werden, um weitere 0,90 EUR auskehren zu können. Zwischen HV-Beschluss und Umsetzung läge jedoch eine sechsmonatige Sperrfrist, wie sie schon bei UMS oder AdCapital zu erleben war.

Auch danach wird sich noch Geld in der leeren Balda AG befinden und es bleibe abzuwarten, was Großaktionär van Aubel letztlich mit der Gesellschaft vorhabe. Festzuhalten sei jedenfalls, dass es Balda nicht gelungen sei, mit den vielen Millionen aus dem TPK-Anteilsverkauf eine klangvolle Börsenstory zu zimmern.

Balda befindet sich als Halteposition auf meiner Empfehlungsliste.

KCAP Financial kündigt Quartalsdividende an; Jahresrendite von über 17%

Die 1987 gegründete KCAP Financial Inc. (ehemals Kohlberg Capital Corp.), eine Business Development Company (BDC), die vor allem kleine und mittlere nicht-börsennotierte US-Unternehmen mit Eigen- und Fremdkapital finanziert, hat ihre nächste Quartalsdividende bekanntgegeben. Mit 0,21 Cents wird die Ausschüttung in gleicher Höhe erfolgen wie im Vorquartal und bezogen auf den aktuellen Aktienkurs von 4,85 $ ergibt dies eine annualisierte Dividendenrendite von 17,25%.

Der Net Asset Value (NAV) wurde von KCAP ggü. der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) per 30.06.2015 mit 6,96 $ angegeben - der aktuelle Börsenkurs notiert also mit einem 30 prozentigen Abschlag auf diesen NAV.

Die Dividende wird am 27. Oktober ausgezahlt und zwar für Anleger, die die KCAP-Aktien am 8. Oktober im Depot haben. Der Dividendenabschlag erfolgt am 9. Oktober.

DividendenhistorieJanuarAprilJuliOktoberGesamt
20150,25 $0,21 $0,21 $0,21 $0,88 $
20140,25 $0,25 $0,25 $0,25 $1,00 $
20130,28 $0,28 $0,28 $0,25 $1,09 $
20120,18 $0,18 $0,24 $0,24 $0,84 $
20110,17 $0,17 $0,17 $0,18 $0,69 $

 KCAP Financial (Quelle: comdirect.de)
Dividenden-Re-Investmentplan
Eine Besonderheit gibt es noch bei Dividenden von KCAP Financial, denn das Unternehmen hat einen automatischen Dividenden-Re-Investmentplan, so dass die Dividenden umgehend in Aktien re-investiert werden. Wer eine Bardividende erhalten möchte, muss dieses ausdrücklich erklären. Die meisten Broker in Deutschland weisen ihre KCAP-Aktionäre darauf hin und erwarten eine Erklärung von ihnen, ob sie lieber die Bardividende haben möchten oder die Wiederanlage in KCAP-Aktien bevorzugen. Versteuert werden muss die Ausschüttung in jedem Fall.

KCAP Financial Inc. befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Dienstag, 22. September 2015

Mutig oder verrückt? KKR und Deutsche Rohstoff investieren in Öl-Förderung

Der Ölpreis hat einen gnadenlosen Absturz hinter sich, von mehr als 100 USD (WTI) Ende 2014 innerhalb weniger Wochen auf unter 50 USD. Und dort verharrt er seitdem, schwankt zwischen 40 und 60 USD, macht aber keine ernsthaften Anstalten, sich wieder in alten Höhen zu schwingen. Die Hoffnungen all jener, die auf einen schnellen Rebound gesetzt hatten, weil die US-Öl-Fracking-Industrie erst oberhalb von 70 USD wirtschaftlich fördern konnte und somit vor einer großen Pleitewelle stehe, haben sich nicht erfüllt. Saudi Arabien hatte auf Basis dieser Annahmen die OPEC gezwungen, keine Förderkürzungen vorzunehmen und so die US-Fracker in die Pleite zu treiben. Doch es kam bekanntlich anders, denn erst floss reichlich frisches Geld in die Fracking-Unternehmen, und dann steigerten diese auch noch ihre Wirtschaftlichkeit in atemberaubendem Tempo. Durch das immer längere fracken in den alten Bohrlöchern und neue Techniken quetschen sie immer mehr Öl aus den Gesteinsschichten und reduzieren ihre durchschnittlichen Förderkosten inzwischen auf deutlich unter 40 USD. Denn auch die Kosten für Personal, Lizenzen, Equipment sind drastisch gefallen und auch die Finanzierungskosten vieler Unternehmen. Die melden einfach Insolvenz nach Chapter 11 an und einigen sich mit ihren Gläubigern auf neue Bedingungen. Und bevor die versuchen, die erheblich im Wert gefallenen Assets zu verscherbeln, verzichten sie lieber auf Geld und Zinsen in der Hoffnung, dass die günstigen Förderkosten in Verbindung mit einem bald wieder ansteigenden Öl-Preis dann schon noch Rendite bringen wird.

Wer bisher noch keine Förderung am laufen hat, steht fein da. denn er kann zu niedrigen Preisen ins Business einsteigen. Und heute haben gleich zwei Unternehmen auf meiner Empfehlungsliste verkündet, genau das zu tun. Allerdings mit unterschiedlichen Voraussetzungen.

 Deutsche Rohstoff AG (Quelle: comdirect.de)
Deutsche Rohstoff AG
Die Deutsche Rohstoff AG hat bereits Erfahrungen im Öl- und Gas-Business in den USA, hat ihre Beteiligung Tekton allerdings Anfang 2014 für 200 Mio. USD verkauft und damit so ziemlich zum Höchststand des Ölpreises. Und die DRAG sitzt seitdem auf einem großen Berg Cash und ist dabei, sich sukzessive wieder in den Markt einzukaufen. Gleich mit drei unterschiedlichen Projekten will sie hier ihren Tekton-Erfolg wiederholen und gleichzeitig Steuererstattungen in Höhe von bis zu 38 Mio. USD aktivieren.

Heute nun gab die DRAG bekannt, dass ihre 93-Prozent-Tochter Elster Oil & Gas aus den ersten 5 Horizontalbohrungen Öl fördert. Diese Bohrungen waren Anfang August fertig gestellt worden.

Die Deutsche Rohstoff USA kann einen Teil der Kosten für die Bohrungen mit den Gewinnen aus dem Tekton-Verkauf verrechnen. Die Steuererstattung beläuft sich auf über 20% der gesamten Bohrkosten. Darüber hinaus sind die Kosten für eine Bohrung in den vergangenen Monaten signifikant gefallen. Elster geht daher davon aus, auch bei Ölpreisen von USD 40 pro Barrel eine positive Rendite auf das investierte Kapital zu erwirtschaften.

Elster verfügt über rund 800 Acres (3,24 km2) an der sogenannten Magpie-Fläche. Der Partner Extraction plant, auf dieser Fläche bis zu 57 weitere Horizontalbohrungen abzuteufen.

KKR & Co. L.P. (Quelle: comdirect.de) 
KKR & Co. L.P.
Der Finanzinvestor KKR & Co. ist schon länger mit einigem Kapital in der Branche unterwegs und hat kürzlich erst erneut eine Pleite eines seiner Energie-Investments hinnehmen müssen. Allerdings hatte man in den Vorjahren in bekannter PE-Manier bereits den Kaufpreis dem gekauften Unternehmen aufgehalst und sich selbst in Form von Dividenden erstatten lassen. Das Risiko liegt also beim Tochterunternehmen, die Chancen bleiben beim neuen Eigentümer, dem Finanzinvestor. Derartige Fehlgriffe gehören zum normalen Geschäft der Private-Equity-Gesellschaften, aber die Pleite von Samson und das Debakel bei Energy Future Holdings (TXU) tun auch den KKR-Bilanzen weh. KKR hatte Ende 2014 denn auch große Abschreibungen auf seine Öl-Beteiligungen vorgenommen.

Anleger sind dennoch der Meinung, KKR habe eine große Expertise in diesem Markt und vertrauen dem Finanzinvestor viel Geld an, die dieser für speziell hierfür aufgelegten Energiefonds eingesammelt hat. Und nun investiert. Man wird die Gründung der "Trans European Oil Gas Limited" finanziell untermauern, die ein Portfolio von Liegenschaften in bewährten konventionellen Öl- und Gas Onshorefördergebieten in Europa aufbauen wollen. Roland Wessel, Colin Judd und Melvyn Horgan, Gründer und ehemaliger Manager von Star Energy, die 2008 von Petrobas übernommen wurde, sind die treibenden Kräfte hinter Trans European Oil Gas Limited und KKR setzt hier auf bewährtes Personal mit ausgewiesenem Know-How in der Branche.

Einschätzung
Beiden Investments ist gemein, dass sie zu einem Zeitpunkt erfolgen, wo der Ölpreis am Boden ist, die Förderkosten niedrig und die OPEC-Mitglieder vor großen Problemen mit ihren Staatshaushalten stehen, die auf hohe Einnahmen aus dem Öl-Business angewiesen sind. Der Druck auf Saudi Arabien, den Öl-Hahn ein wenig zuzudrehen, um wieder steigende Ölpreise zu generieren, nimmt mit jedem Tag zu. Und Denn ohne ein Absenken der weltweiten Überproduktion, dürfte der Ölpreis sich nicht nachhaltig erholen. Zu groß ist das Angebot, zu niedrig die Nachfrage - und die zunehmenden Konjunktursorgen in China und weltweit dürften auch keine positiven Impulse für den Ölpreis liefern.

Die höchsten Renditen erzielen antizyklische Investoren, doch das Risiko dabei ist, zu früh einzusteigen. Hier benötigt man ggf. einen längeren Atem und finanzielle Reserven - die DRAG verfügt über beides und KKR erst recht. Daher dürfte der Mut der Unternehmen belohnt werden und sich die Investments für sie früher oder später auszahlen - und ebenso für ihre Aktionäre.

Die Deutsche Rohstoff AG und KKR & Co. L.P. sind auf meiner Empfehlungsliste und weiterhin attraktive Kaufgelegenheiten für Anleger mit mittel- bis langfristigem Anlagehorizont.

Montag, 21. September 2015

Börsenweisheit der Woche 38/2015

"Kaufe nicht aufgrund von Tipps nur für einen schnellen Gewinn. Verkaufe nicht nur wegen schlechter Nachrichten."
(Walter Schloss)

Samstag, 19. September 2015

Umfrage-Ergebnis: Ein ii-Wikifolio ist gewollt, aber kein Muss

Ich hatte euch in einer 14 Tage laufenden Umfrage um eure Meinung gebeten, ob ihr ein Wikifolio von "iNTELLiGENT iNVESTiEREN" wollt. 53 Leser des Blogs haben ihre Stimme abgegeben, so dass das Ergebnis durchaus Aussagekraft hat.

Wollt ihr ein Wikifolio von "iNTELLiGENT iNVESTiEREN"?
Ja, würde sicher investieren8 (14%)
Ja, würde evtl. investieren14 (30%)
Ja, würde nicht investieren17 (25%)
Nein, kein Interesse14 (30%)

Etwa ein Drittel der Abstimmenden hat kein Interesse an einem ii-Wikifolio, das ist eine klare Aussage. 70% hingegen möchten ein solches haben. Daraus könnte ich nun einen klaren Arbeitsauftrag ableiten, doch insbesondere die vielen Kommentare in dem die Umfrage begleitenden Artikel haben mir zu denken gegeben. Denn ein solches Wikifolio einzurichten und zu betreuen ist mit relativ hohem Aufwand und auch Kosten verbunden und dem muss ich natürlich den Nutzen gegenüberstellen.

Freitag, 18. September 2015

Investor-Update: TICC Capital, Triangle Capital, Wells Fargo

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Stock-Picking lohnt sich schon
Wenn nicht gerade der China-Crash (erinnert sich überhaupt noch jemand daran?) als Thema herhalten muss, dann ist es die Zinswende der US-Notenbank FED. Und egal, wie sich die FED entscheidet, die Börse interpretiert das Ereignis selektiv so, wie es gerade passt. War bis Donnerstagabend das Einleiten der Zinswende durch die erste Zinsanhebung seit vielen Jahren noch als großes negatives Event verkauft worden, strafen heute die Börsen das Ausbleiben genau dieses negativen Events ab. Mit der Begründung, festhalten bitte!, wenn die FED die Zinswende nun doch noch einmal verschiebt, dann wohl nur, weil die Konjunktur dermaßen schlecht läuft, dass die höhere Zinsen sie gänzlich abwürgen würden. Hm... die dazu passenden negativen Nachrichten haben wir aber schon seit Wochen vorgelegt bekommen und sie wurden von den Börsianern schlichtweg ignoriert. Ich sehe daher das heutige Hochhüpfen des Euros ggü. dem Dollar sowie das Abtauchen des DAX unter die 10.000 Punkte ganz entspannt. Und als weitere Kaufgelegenheiten.

Denn trotz meiner grundsätzlich negativen Erwartungshaltung für die nächsten Wochen gibt es auch heute schon Unternehmen, die ich für so attraktiv bewertet halte, dass ich mir einige ihrer Aktien ins Depot gelegt habe. Hier habe ich mich bei US-Finanztiteln schadlos gehalten, insbesondere bei zwei Business Development Companies (BDCs), also Mitbewerbern von der bereits auf meiner Empfehlungsliste befindlichen KCAP Capital. Ich werde demnächst einmal ausführlich auf BDCs, ihr Geschäftsmodell, die Chancen und Risiken eingehen. Nur kurz dazu: BDCs sind Investmentfirmen, die in kleine und mittlere Unternehmen investieren und diese mit Kapital ausstatten. Grundlage für ihr Wirken ist der "Investment Company Act of 1940" und sie müssen den ganz überwiegenden Teil ihrer Gewinne in Form von Dividenden an ihre Aktionäre ausschütten - hier ähneln sie den auch in Deutschland bekannten REITs aus dem Immobilienbereich. Am Dienstagabend tauchten die Kurse vieler BDCs an den USA-Börsen nochmals deutlich ab und ich habe gleich am Mittwochmorgen in Frankfurt zu den Eröffnungskursen zugegriffen. Die Kurseinbrüche bei den BDCs in den letzten Monaten mit teilweise Kurshalbierungen bei gleichzeitig sehr hohen Dividenden sehe ich als Einstiegschancen und BDCs auf diesem Niveau als lukrative Depotbeimischungen mit attraktivem Chance-Risiko-Verhältnis an.

+ TICC Capital Corp.
Eine Business Development Company (BDC), die deutlich unter ihrem NAV (Nettoinventarwert) notiert und dazu eine Dividendenrendite von rund 17,5% p.a bietet. Mein Timing war bei diesem Unternehmen ganz hervorragend, wenn auch mindestens ebenso glücklich, denn TICC zählt zu den BDCs, die ihre Investments durch eine externe Managementfirma betreuen lassen. Und die wollen sie austauschen. Das TICC-Board hat auch ein neues Managementunternehmen ausfindig gemacht, das zu verbesserten Konditionen arbeiten will. Allerdings gibt es seit kurzem einen Mitbewerber, der es noch günstiger erledigen möchte und dazu noch 20 Mio. USD in TICC-Aktien investieren will. Das Board ignoriert diesen Mitbewerber, obwohl seine Offerte für die TICC-Aktionäre die bessere Wahl zu sein scheint. Und just am Donnerstag, also kurz nach meinem Kauf, trat eine weitere BDC-Firma auf den Plan, TPG Specialty Lending, die TICC ganz übernehmen möchte. Für 7,50 USD, allerdings komplett bezahlt mit (neuen) TPG-Aktien. Der Kurs von TICC schoss daraufhin erst einmal auf deutlich über 6 USD hoch.

Es ist Bewegung in der Branche, denn die Kurseinbrüche haben die Unternehmen sehr attraktiv gemacht für Übernahmen durch größere Mitbewerber. Und auch wenn ich TICC-Aktien vor allem wegen der niedrigen Bewertung und der hohen Dividendenrendite gekauft habe, so sehe ich der weiteren Entwicklung bzgl. der potenziellen neuen Manager - oder gar neuen Eigentümer - sehr entspannt entgegen.

+ Triangle Capital Corp.
Auch TCAP ist eine BDC mit niedriger Bewertung und hoher Dividendenrendite; aktuell rund 12,3% p.a. Meine Kaufgründe sind die gleichen wie bei KCAP Financial und TICC und ich setze zwecks Risikostreuung auf nun drei verschiedene BDCs.

+ Wells Fargo
Keine BDC, sondern eine grundsolide Bank, die größte Bank der USA. Kein Investmentgeschäft, sondern klassisches Einlagen und Kreditgeschäft, inzwischen der größte Haus-Kreditgeber der USA. Wells Fargo ist die Lieblingsaktie von Warren Buffett und die mit Abstand größte Position in seinem Portfolio. Doch nicht nur deshalb habe ich Wells Fargo heute gekauft, sondern wegen des starken Kurseinbruchs von über 6% (auf Euro-Basis). Ursächlich hierfür dürften zwei Faktoren sein: zum einen hat die FED erklärt, einige Großbanken wären nicht ausreichend kapitalisiert für Krisenzeiten (was aber nicht Wells Fargo betrifft) und zum anderen sind Banken große Nutznießer eines Zinsanstiegs, weil sich bei höheren Zinsniveaus für sie höhere Zinsmargen durchsetzen lassen. Da die FED die Zinswende mal wieder verschoben hat, bleiben diese potenziellen zusätzlichen Margen-Ausweitungen erst einmal aus. Damit wird uns richtig verstehen: die Zinsen in den USA werden angehoben werden und zwar schon bald. Ein so großer Kursabsturz (bei gleichzeitigem deutlichem Anziehen des Euros) ist daher völlig überzogen. Und bietet mir als Value Investor eine tolle Gelegenheit, endlich in die wohl beste und solideste Bank der Welt zu einem attraktiven Preis einzusteigen mit einem 2016er KGV von 11,5 und eine Dividendenrendite von 3%.

.: Cashquote
Meine Cashquote liegt trotz der drei Zukäufe weiterhin oberhalb von 20 Prozent und ich erwarte in den kommenden Wochen weitere Kaufgelegenheiten, für die ich Pulver trocken halte.

Montag, 14. September 2015

Börsenweisheit der Woche 37/2015

"Habe den Mut, zu Deinen Überzeugungen und zu Deiner Meinung zu stehen."
(Walter Schloss)

Samstag, 12. September 2015

Investor-Update: Blackstone, KKR, Western Digital

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Cash ist die Mutter des Investierens
Niemand weiß, was die Börse als nächstes tut, nur eines ist momentan recht sicher: die Schwankungsbreite ist enorm, also die Volatilität. Sie zeugt von einer stark erhöhten Nervosität an den Märkten und wenn man sich die Nachrichtenlage aktuell ansieht, kann es eigentlich nur nach unten gehen, uns zwar kräftig. Denn die konjunkturellen Wasserstandsmeldungen sind zurückhaltend bis schlecht, die Perspektiven trüben sich weltweit ein, in China scheint die Notenbank massive Stützungskäufe zu tätigen und die Zinswende der FED dürfte eher früher als später kommen. Und all das nehmen die Börsianer geleassen hin, die Kurse schwanken, aber sie brechen nicht ein. Noch nicht! Denn das wird kommen, ich bin fest davon überzeugt! Uns zwar in den nächsten Wochen. Nicht wegen der Börsenzeit, nicht weil Crash-Propheten gerade wieder einmal Hochkonjunktur haben, sondern weil die Berichtssaison ansteht und die sich seit Wochen und Monaten abzeichnenden Schwierigkeiten sich in die Unternehmensberichte fressen werden. Die zur Zeit noch gültigen Prognosen der Analysten dürften sich als etwas zu optimistisch herausstellen und daher werden die Unternehmen vielfach die Schätzungen nicht erreichen. Und das wird zu Kursstürzen der betreffenden Unternehmen führen und in Summe des Gesamtmarktes. Ich erwarte also eine Korrektur des Marktes, also ein nochmaliges deutliches Absinken, bevor dann die negativen Überraschungen (die eigentlich keine mehr sein sollten!) dann eingepreist sind und so die Basis für wieder steigende Aktienkurse bilden werden. Das ist meine Erwartungshaltung an "den Markt". Allerdings kaufe ich ja nicht "den Markt" sondern beteilige mich an einzelnen Unternehmen, die sich in diesem Marktumfeld beweisen müssen. Ich nutze "den Markt" lediglich, um zu hoch bewertete Aktien zu verkaufen oder um zu niedrig bzw. attraktiv bewertete Unternehmensanteile zu kaufen. Daher stelle ich meine Positionen auch nicht glatt, wie es Trader machen würden, sondern halte eine große Cash-Position, um die von mir erwarteten Kurseinbrüche für weitere Zukäufe zu nutzen. Allerdings wird meine Mindest-Cash-Position nicht 20 Milliarden Dollar betragen, wie die von Warren Buffett. Aber ich arbeite daran. ;-)

Trotz meiner negativen Erwartungshaltung für die nächsten Wochen gibt es auch heute schon Unternehmen, die ich für so attraktiv bewertet halte, dass ich mir einige ihrer Aktien ins Depot gelegt habe.

= Blackstone Group L.P.
Nein, bei Blackstone habe ich nicht weiter zugekauft, aber ich bin weiterhin sehr positiv gestimmt und denke, wir Aktionäre werden weiterhin sehr viel Freude an diesem Top-Investment haben. Allerdings kommt auf deutsche Anleger wieder eine Sondersituation zu, die ich in ihren konkreten Auswirkungen leider nicht wirklich einschätzen kann. Denn Blackstone wird den bereits Ende 2014 angekündigten Spin-Off seines Beratungsgeschäfts durchziehen. Hier gab es immer wieder mal Kritik, dass es Interessenskonflikte dieser Sparte mit dem Kerngeschäft von Blackstone geben könnte und daher wird die Sparte mit Paul Taubman's PJT Capital zusammengelegt und unter PJT Partners ab 1. Oktober an der Börse notiert werden. Blackstone-Aktionäre erhalten für je 40 Blackstone-Aktien in ihrem Depot (Stichtag US-Börsenschluss am 22. September) eine PJT-Aktie und werden somit rund 65% an der neuen Firma halten. Analysten begrüßen diesen Schritt ausdrücklich und gehen davon aus, dass sich beide Bereiche fortan noch besser entwickeln werden - insbesondere für Blackstone ist es von Vorteil, weil man einerseits den Kritikern entgegen kommt und andererseits eine weniger profitable Einheit veräußert.

Die Krux - für deutsche Anleger - liegt nun wiederum im deutschen Fiskus, der sich ja zumeist skurril verhält bzgl. solcher Spin-Offs. Denn er behandelt diese neuen Aktien wie eine Dividendenausschüttung und daher bekommt man einerseits die neuen Aktien ins Depot eingebucht, andererseits muss man diese aber wie eine Ausschüttung versteuern. Der Kurs der "alten", abgebenden Aktien verringert sich natürlich entsprechend und daher "spart" man hier bei einer Veräußerung den entsprechenden Kursgewinn (den der Aktienkurs der neuen Aktien ausmacht). Irrwitzige, konfuse, dumm-dämliche Regelung des deutschen Fiskus, aber was soll ich mich darüber aufregen? Zumal bisher noch nicht klar ist, wie der Fiskus damit umgeht...

Unter dem Strich werde ich also einige PJT Partners-Aktien ins Depot bekommen und werde mir dann überlegen, was ich mit ihnen anstelle. Ganz überwiegend entwickeln sich Spin-Offs recht positiv nach der Abspaltung. Für etwas Ungewissheit sorgt dieser Spin-Off allerdings schon, aber das ist für mich kein Grund, meine Position in Blackstone zu überdenken. Im Gegenteil, die jüngsten Nachrichten aus dem Unternehmen sind ganz hervorragend und die Aktie bleibt mein Top-Pick!

+ KKR & Co. L.P.
KKR war beim Flash-Crash am 24.08. massiv abgetaucht, wie viele US-Werte, und anders als die meisten notiert man inzwischen wieder in diesem Bereich der damaligen Tiefstkurse. Und das, obwohl damals der US-Dollar auf 1,17 EUR hochschoss, während er jetzt bei 1,13 notiert. KKR ist auch im Öl- und Gasbereich engagiert und hier gab es zuletzt negative Nachrichten über eine Pleite einer Beteiligung. Das ist zwar keine schöne Nachricht, aber die "Chapter 11"-Regelung, also der US-Gläubigerschutz für Unternehmen, wirkt ja zunächst gegen die Gläubiger. Und KKR ist ist Anteilseigner. Man hat zwar vor vielen Jahren etliche Milliarden US-Dollar in die Hand genommen, und die betreffende Firma zu schlucken, aber in bewährter PE-Manier diese dann dem Unternehmen selbst aufgebürdet und so seinen ursprünglichen Einstand bzw. sein Risiko erheblich reduziert. Und in der Zwischenzeit fette Zinsen kassiert. Gut möglich, dass KKR am Ende hier doch noch mit Gewinn aus der Nummer raus kommt.

Und dann ist da noch das First Data IPO, das je nach Bösenlage noch in diesem Monat erfolgen könnte und mit rund 2,5 Mrd. USD das größte IPO des Jahres wäre, wenn man Bloomberg Glauben schenkt.

Insgesamt hat KKR eine Reihe von lukrativen Deals sowohl auf der Kauf- als auch der Verkaufsseite getätigt bzw. in Arbeit und daher halte ich die Aktie für knapp 16 EUR für ein echtes Schnäppchen für Anleger mit langfristiger Perspektive. Die stärksten Abschreibungen auf die US-Öl- und Gasengagements hat man bereits Ende 2014 vorgenommen, daher sollte von dieser Seite her nicht mehr so viel nachkommen. Sofern der Ölpreis (WTI) nicht auf unter 30 Dollar abrutscht. Ich bin gespannt auf die nächste Dividendenankündigung, die lag im Vorjahr bei 0,45 USD und dürfte vermutlich diesmal nicht ganz erreicht werden. Aber eine hohe einstellige Dividendenrendite dürfte es auf Jahressicht unterm Strich schon werden - die durchschnittlichen Kursziele der Analysten liegen dem entsprechend auch bei rund 27 USD (rund 24 EUR), also ein Drittel über dem aktuellen Börsenkurs; sie weisen also auf ein Kurspotenzial von 50% hin.

Ich erwarte jetzt keinen schnellen Anstieg auf die Jahreshöchstkurse, aber die attraktive Bewertung haben mich dazu veranlasst, meine Position um einige Stücke aufzustocken.

+ Western Digital
Ganz neu dabei ist Western Digital, Weltmarktführer bei Festplatten. Richtig gelesen, die gute alte (verstaubte) Festplatte, die früher jeder PC und jedes Notebook an Bord hatte. Der Kurs von WDC ist massiv abgetaucht, denn die immer schleppender verlaufenden PC-Verkäufe nährten zunehmende Befürchtungen, das Hauptgeschäft von WDC würde einfach wegbrechen. Das ist nicht ganz unbegründet, denn WDC und Seagate teilen sich 90 Prozent des Festplattenmarktes - bei den neuen und zunehmend beliebteren Flash-Speichern hingegen gibt es keinen derartigen Platzhirschen und die beiden "Großen" müssen sich mit vielen kleinen und neuen Konkurrenten um den Markt streiten. Warum also auf die Dinosaurier setzen? Tja, weil es sich lohnt! WDC ist niedrig bewertet und Weltmarktführer. Der Absatz von PCs wird wieder anziehen, Tabletts haben ihren Zenit überschritten, Windows 10 wird hier den Absatz von PCs und Notebooks massiv vorantreiben. Und Festplatten verbrauchen zwar mehr Strom und sind langsamer als Flash-Speicher, aber eben auch noch erheblich günstiger. Daher profitiert WDC vom anziehenden PC-Absatz und zwar am stärksten.

Des Weiteren ist WDC ja nicht untätig und der enorme Cashflow, den man mit den HDs erzielt, wird nicht nur für Dividenden und Aktienrückkäufe genutzt, sondern man verstärkt sich gezielt im Flash-Bereich und kauft die innovativsten Unternehmen einfach auf. Und bietet seinem riesigen Kundenstamm neben HDs nun auch Flash-Drives an - den über Jahrzehnte gewachsenen Kundenstamm haben die "jungen" Konkurrenten nicht. Ein enormes Pfund, mit dem WDC wuchern kann. Und Big Data, das Internet der Dinge, die Cloud... all diese neuen Technologien, auf die immer mehr IT-Unternehmen setzen, verbrauchen Unmengen an Speicherkapazitäten. Denn wenn die Daten nicht mehr bei mir auf der Festplatte im Mac-Book liegen, sondern bei XY-Data-Systems, muss ja dort Speicherkapazität vorhanden sein. Und anders als bei mir eben auch zwei- oder dreifach, denn das Thema Datensicherheit und Schutz vor Datenverlust ist bei der Cloud ja ein elementares Anliegen! Nicht nur die Datenleitungen müssen sicher sein, die Übertragungswege, sondern auch das Ziel. Und hier ist und bleibt WDC der Platzhirsch und rüstet die Speicherzentren mit seinen HDs aus. Dort geht es nicht nur um Schnelligkeit, sondern vor allem um die Kosten!

WDC ist hier im Wandel, hat aber den Vorteil, dass es die Kundenbeziehungen bereits hat und die finanziellen Rücklagen bzw. den hohen Cashflow, um es mit der Konkurrenz aus einer Position der Stärke heraus aufnehmen zu können. Kurse um 70 EUR sehe ich als attraktive Bewertung an für ein langfristiges Investment.

.: Cashquote
Meine Cashquote liegt trotz der beiden Zukäufe weiter deutlich über 20 Prozent und ich erwarte die nächsten Kaufgelegenheiten in den nächsten Wochen.